Bonaparty im Hübeli
Klein aber oho. Dies passt zu Napoleon Bonaparte, wie auch zu Tobias Jundt. Der 48-jährige Wahlberliner kehrt diesen Herbst mit seiner Formation Bonaparte zurück auf die hiesigen Bühnen. Am vergangenen Montag in Berner Bierhübeli. Der 20ste Geburtstag wurde gefeiert, passend mit viel Tradition. Im Falle von Bonaparte besteht diese Tradition aus unglaublich guter Live-Musik, geplanten, aber in ihrer Ausführung dem Zufall miteinberechnenden Live-Performances, skurrilen Kostümen, verspielter Nacktheit und einer gesuchten Prise Obszönität.
Als Support Act wurde Bleach verpflichtet. Die schlagfertige Drag-Queen überzeugte mit gekonnten Griffen an der elektrischen Gitarre und einer entwaffnenden Gesangdarbietung. Von Singer-Songwriter Momenten über Disco-Perlen hin zu DJ Sets war alles mit dabei. Der Übergang zu Bonapartes Show verlief wie angekündigt, nämlich schön fliessend und ohne Unterbruch. Mit einer grossen Geburtstagstorte als Bühnendeko erklangen die grossen Hits des 20jährigen Bestehens wie beispielsweise „Anti Anti“. Versteckt hinter einer Gesichtsmaske und Cape über der eigenen Napoleon Jacke, betrat Tobias Jundt die Bühne und liess sie teils frei für seine Performance Acts.
Tüll, Seifenblasen, Brüste, Penisse, dies alles und ein wenig mehr Sauerei in Form von Gipfeli, Sekt und Kunstblut wurde dem sichtlich zufriedenen Publikum präsentiert. Eskalation ist bei Bonaparte Programm, genauso wie Tiefe und Nähe, die insbesondere beim Akustischen Set von „White Noise“ inmitten des sitzenden Publikums für Gänsehaut Momente sorgte.
Ein weiterer „Jöööh“ Moment entstand als Werner Mundt, Tobias Vater und selbst auch Berner Chansonnier, die Bühne erklomm und ein Liedchen sang. Am 28. November ist er in der Café-Bar Parterre zu sehen, womöglich in Anwesenheit des Juniors, wie der Junior selbst stolz erzählte, bevor er wieder zum Krawall aufrief. Und das Publikum setzte brav um. Ob beim normalen Stagediving, Pogo Tanzen oder Gummiboot-Stagediving, der potentielle Unfall war immer nahe und zugleich unendlich fern. Nach einer gut zweistündigen Show verabschiedeten sich Bonaparte mit „Good Things“ vom durchnässten (Schweiss, Bier, Sekt, Wasser und Sonstiges) Publikum.
Bonaparte zeigen auch nach über 20 Jahren Bühnenpräsenz keine Ermüdung. Gut so, denn ihre ekstatische Show und die wohlverdiente Dusche danach bleiben unersetzbar.




















