Herr Pfenninger will es wissen: Ein Mundart-Experiment

Kurz vorgestellt: Herr Pfenniger
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Pressebild / ©Thomas Neukum

Werfen wir in den Ofen der Vorstellungskraft ein paar Kohlen: Man nehme das entspannt-unkomplizierte Gitarrenspiel der Kings of Convienence, kombiniere es mit dem beobachtenden Mundartsprachwitz von Mani Matter und schmecke mit der eleganten Leichtigkeit von Stephan Eicher vollmundig ab. Wie würde dieser Stilmix wohl klingen? Und würden solche Songs heute ein Publikum finden? Wer will, kann dieses Experiment aktuell live und in Farbe verfolgen. Es heisst: Herr Pfenninger.

 

 Wieso ist ein Musiker, der sich in einen neuen Bereich wagt und etwas bewusst Anderes in den Raum stellt, überhaupt ein Experiment? Das ist im Grunde so einfach wie schwierig zu beantworten. Einerseits ist Janick Pfenninger, der hinter dem Projekt steckt, musikalisch so versiert, dass er genau weiss, was er tut. Hat er doch mit der Band Tim Freitag einige Erfolge verbuchen können und viele Bühnen bespielt. Insofern besteht kein Zweifel, dass Janick weiss, was er tut. Hand und Fuss hat das Experiment somit.

 

Zwischen Indie-Pop und Mani Matter

 

Aber dann ist der Stilmix - irgendwo zwischen zeitgenössisch cool und nostalgisch aus der Zeit gefallen – die mögliche Kehrseite der Medaille. Einerseits ist das Gitarrespiel, wie es viele Indiebands zelebrieren, das rhythmische Fundament. Leise, entspannt, aber auch poppig. Eine oft gehörte, aber gute Basis also. Pfenninger setzt jedoch mit geschickt getexteten Lyrics einen drauf. Und hier hebt er sich ab, weil er für die Inszenierung der Texte seinen Gesang als Stilmittel nutzt. Er betont bewusst dynamisch, wie es eben Mani Matter auch getan hat, und bringt so Leben in die Geschichten.

 

Herr Pfenninger - «Trauzüüge»

 

Jedenfalls zeigen das die ersten beiden Songs, die als frühes Lebenszeichen zu hören sind. In «Trauzüüge» folgen wir dem besungenen Trauzeugen durch einen turbulenten Tag, der auf überraschende Weise fruchtet. Dagegen ist «Kafi am See» eine Liebeserklärung inklusive rationaler Einordnung. Wo «Trauzüüge» musikalisch eher im Songwriter-Revier wildert, ist «Kafi am See» sommerlicher und temporeicher, so romantisch wie pragmatisch. Beide Songs haben gemeinsam, dass sie sich wunderbar ergänzen und neugierig auf mehr machen.

 

Für musikaffine Menschen mit Sinn für Lyrics

 

Wie gut das Experiment namens Herr Pfenninger beim Publikum ankommt, wird sich also erst noch zeigen müssen. Allerdings steckt so viel kreative Energie im Projekt, dass es schon mit dem Teufel zugehen müsste, wenn Herr Pfenninger keine offenen Ohren findet. Jedenfalls dürfen musikaffine Menschen, die gerne auf Lyrics hören, schon auf neue Songs gespannt sein.

 

Man kann sich aber auch gleich live ein Bild machen. Denn am 21. Dezember 2026 steht Herr Pfenninger im Kaufleuten auf der Bühne. Zwar ist das keine Premiere, denn die Feuertaufe fand bereits am Openair Solothurn statt. Trotzdem ist es erst das zweite Konzert eines Acts, der durchaus die Mundart-Szene bereichert und lange bleiben könnte. 

 

 

Bäckstage Redaktion / Di, 03. Nov 2026