Trau dich – «Kill the Rabbit!»

Interview mit Regisseur Oliver Rihs
Bildquelle: 
Oliver Rhis / Filmcoopi

«Affenkönig» dreht sich um vier Freunde, die ein Partywochenende verbringen, das anders verläuft als erwartet. Bäckstage hatte die Möglichkeit mit dem Schweizer Regisseur Oliver Rihs, der heute in Berlin lebt, zu sprechen. Im Restaurant beim Kino RiffRaff in Zürich hat Rihs Einblicke in die Gedankengänge hinter dem Film gegeben, über sein Verständnis von «jung sein« gesprochen und erzählt, für welche Szene Alkohol unbedingt notwendig war und welche Filme er beim Schreiben des Drehbuchs geschaut hat. 

 

Woher kam die Inspiration für den Film? 

Am liebsten bin ich mir selber die Inspiration. Es geht ja generell um die Auseinandersetzung von Männern mit dem Thema «älter werden», mit dem man sich in der Phase zwischen 35 bis 45 beschäftigt. Man bemerkt, dass alles nicht mehr ganz so unbeschwert ist. Bei meinen Freunden und bei mir habe ich festgestellt, dass uns unsere Verantwortung und Pflicht – ich bin Vater geworden und habe eine Firma – erdrückt und die Sehnsucht nach wieder mehr Leben und Rock’n’Roll da ist. Über diese Art des Selbstmitleids wollte ich mich lustig machen.

 

Wolfi, der «Affenkönig», ermöglicht den Figuren des Films eine Rückkehr zum jugendlichen Leichtsinn.

 

Genau, ich liebe es, mich über das Ego des Einzelnen lustig zu machen. Da muss ich mich auch immer selber an den Hörnern packen. Dabei war mir wichtig, zu zeigen, dass sich die Figuren zwar saumässig aufführen können und gegenseitig verletzen und ausnutzen wollen, aber schlussendlich vor allem nach Freundschaft und Liebe streben. Gleichzeitig wollte ich über die Stränge schlagen, ohne allzu zynisch oder zerstörerisch auf den Zuschauer zu wirken.

 

Trotz dieser Eskapaden hält man den Grossteil des Geschehens im Rahmen des Films für durchaus möglich.

 

Schön, wenn das so wirkt. Mir ist beides wichtig. Einerseits möchte ich Einflüsse und Figuren, die ich ähnlich aus dem echten Leben kenne, in meine Filme einfliessen lassen. Andererseits zeige ich sie natürlich immer extrem überspitzt und möchte das auch so auf den Punkt bringen und einen gewissen Realismus verlassen, um das Publikum zu unterhalten. Mir sind aber dramaturgisch funktionierende Figuren wichtiger als Slapstick.

 

 

Die Hürden, die die Figuren meistern müssen, sind greifbar. Sie brauchen Mut, daher kommt auch der Ausdruck «Kill the Rabbit!», den ich mir habe einfallen lassen. Jede Figur muss sich überwinden und einen Schritt machen, den inneren Angsthasen überwinden.

 

Wir leben in einer Zeit des grossen Jugendwahns und der Tabuisierung des Todes. Gleichzeitig ist der Altersdurchschnitt in den deutschsprachigen Ländern immer höher. Denkst du, dass man heutzutage mit 45 noch jung ist oder schon alt?

 

Das ist die Thematik des Films. In Europa hat sich auch vieles in den letzten Jahrzehnten verändert. Die Generation meines Vaters hatte beispielsweise schon mit dreissig Familie. Heute lässt man sich da viel mehr Zeit. Ich fühle mich auch nach wie vor jung, merke aber natürlich, dass ich jetzt mit «Sie» angesprochen werde und dass dieses Selbstbild nicht mehr stimmt. Viele versuchen dann bis fünfundfünfzig, Sneakers zu tragen. Es gibt aber diesbezüglich grosse Unterschiede zwischen Stadt und Land. In Berlin, wo ich wohne, ist das beispielsweise extrem der Fall. Dort wollen viele Leute zumindest vom Denken her jung bleiben.

 

Hast du dich von Edgar Wright’s  «The World’s End» inspirieren lassen?

 

Die fünf Jugendfreunde, die zusammenkommen? Da, wo dann die Aliens kommen? Ja ja, den kenne ich, den habe ich geliebt. Den habe ich gesehen, während ich am Drehbuch gearbeitet habe. In dieser Zeit habe ich mehrere Filme angeschaut, die thematisch zu meinen Ideen gepasst haben, auch beispielsweise «Hangover». Aber Edgar Wright finde ich supergeil, auch weil er sich wirklich etwas erlaubt.

 

Dein Film bleibt da aber schon realistischer.

Ja. Die Hürden, die die Figuren meistern müssen, sind greifbar. Sie brauchen Mut, daher kommt auch der Ausdruck «Kill the Rabbit!», den ich mir habe einfallen lassen. Jede Figur muss sich überwinden und einen Schritt machen, den inneren Angsthasen überwinden. Ich stelle mir vor, dass die Jugendfreunde sich das damals gegenseitig gesagt haben, um einander zu verrückten Dingen zu animieren. Trau dich – «Kill the Rabbit!».

 

Dazu gibt es ja auch einen Song im Film. Inwiefern warst du involviert bei der Wahl des Soundtracks und der Kostüme?

 

«Kill the Rabbit!» haben wir ja selbst geschrieben. Auf die Filmmusik bin ich ziemlich stolz, ich finde sie einfühlsam. Es war aber nicht ganz einfach, sich im Team zu einigen und die passende Musik zu finden. In der Wahl der Kostüme war ich noch mehr involviert. Mir ist die Geschmacklosigkeit, die eigentlich alle Figuren in der Kleiderwahl zeigen, wichtig gewesen.

 

Trailer zu «Affenkönig»

 

 

Du hast vorher «Hangover» angesprochen. Ich finde, in deinem Film überschreitest du wohl noch mehr Grenzen. Welchen Tag des Filmens wirst du nie vergessen?

 

Es gibt einige Szenen, die wir rausschneiden mussten. Ein paar Dinge waren einfach zu extrem und haben die Testgruppen abgeschreckt. Die skandalöse «Finger im Po-Mexiko!»-Szene ist ein gutes Beispiel. Dort habe ich von den beiden Darstellern wirklich verlangt, diese Szene auch wahrhaft umzusetzen, da ich unbedingt das Authentische in ihren Gesichtern mit der Kamera auffangen wollte. Mit viel Mut und ausreichend Alkohol haben sie sich überwunden und sind den gnadenlosen Weg gegangen. Nach ein paar Testscreenings haben wir dann aber merken müssen, dass dies doch vielen Zuschauern etwas, sagen wir «zu nahe» ging. So haben wir im Schnitt gekürzt, was in Wahrheit «tiefer» ging. Natürlich freuen sich die beiden Darsteller jetzt  gar nicht darüber.

 

Du hattest aber auch Glück mit den gewählten Darstellern. Die Chemie zwischen den Figuren stimmt definitiv auf der Leinwand.

 

Das finde ich auch. Glück war das aber nicht unbedingt. Mit Jule Böwe und Marc Hosemann habe ich ja schon bei «Schwarze Schafe» zusammengearbeitet. Und Samuel Finzi und Hans-Jochen Wagner sind einfach super Schauspieler. Es waren also keine Unbekannten. Auf gutes Casting lege ich grossen Wert.

 

«Affenkönig» läuft ab dem 13. Oktober 2016 im Kino. Unsere Kritik gibt es HIER zu lesen.

 

 

Jonas Stetter / Do, 13. Okt 2016