20 Jahre Razorlight in der Mühle Hunziken

Konzertkritik: Razorlight @ Mühle Hunziken
Bildquelle: 
Tanja Lipak Handyaufnahme

 

Vor 20 Jahren veröffentlichte die britische Indie-Rock-Band Razorlight ihren Erfolgssong «America». Die Band wurde Anfang der 2000er-Jahre von Johnny Borrell, dem ehemaligen Bassisten der Libertines, gegründet. Mit der Single «America» aus dem Jahr 2006 schaffte die Band den Durchbruch und tourte als Vorband von Rockgrössen wie Queen, The Rolling Stones und Oasis. Der Erfolg hatte jedoch auch seine Schattenseiten: Borrell erlitt mehrere Drogenrückfälle und sein Streit mit dem Schlagzeuger Andy Borrows führte zu dessen Ausstieg aus der Band. In den 2010er-Jahren erfolgte eine längere Pause, ehe sich die Band 2018 mit ihrem vierten Studioalbum «Olympus Sleeping» zurückmeldete – inklusive eines ironischen Intros von Adam Green in seiner «Aladdin»-Paraderolle.

 

 

Während am Samstagabend vielerorts verkleidete Menschen Halloween feierten und in anderen Städten Showacts und Publikum zu Kostümen griffen, ging es in der Mühle Hunziken outfittechnisch beschaulich zu. Nach dem fulminanten Auftritt von The K’s stürmten Razorlight energetisch die kleine Bühne. In bester Indie-Rock-Manier, mit Skinny Jeans und Chucks. Und mit einer speziellen Installation für Andy Borrows, der Anfang der 2000er Jahre wieder mit Borrell Frieden schloss und zu Razorlight zurückkehrte. Ein Ventilator sorgte während des Konzerts für seine Abkühlung. Die praktische Aufstellung glänzte mit einem ästhetischen Nebeneffekt: Borrows lange Locken wurden während des Konzerts werbespotmässig aus seinem Gesicht geblasen. Von diesem Spektakel konnte Borrell dank seines durchtrainierten Oberkörpers ablenken, den er deutlich sichtbar unter einem roten Blazer präsentierte. 

 

Zum Glück gab es etwas für die Augen, denn direkt zu Konzertbeginn versagte die Technik. Während der ersten beiden Songs ging Borrells Stimme komplett unter, erst ab dem dritten oder vierten Song war die Panne behoben. Die Setlist, bestehend aus 20 ihrer bekanntesten und beliebtesten Songs, liess keine Fanwünsche unerfüllt. Insbesondere die sehr gut gewählte Abwechslung zwischen den Songs und die doch eher mutige Entscheidung, «Wire to Wire» mitten in der Show statt als Zugabe zu spielen, sorgten für frühe Höhepunkte im 90-minütigen Showact. Ebenso wie Borrells Entscheidung, sich dann doch rasch seines Blazers zu entledigen und in Iggy-Pop-Manier den Frontmann zu geben. 

 

Borrells Stage Banter liess Fragen aufkommen, ob die anfänglichen technischen Schwierigkeiten vielleicht kalkuliert waren. So betonte der Frontmann von Razorlight, dass ihre Show ohne Trickserei und voraufgenommene Showeinlagen auskomme. Es sei ein echtes Rockkonzert und als solches gebe es auch Fehler und Korrekturen. Gerade diese machten die fünfköpfige Band an diesem Abend besonders sympathisch. Das Publikum sog die energetische Darbietung auf und gab der Band ebenso viel Dynamik und Vitalität zurück. Kurz: Es wurde geschwitzt, getanzt und lauthals mitgesungen. 

 

Wie erwartet beendeten Razorlight ihre Zugabe mit «America» als Abschlusslied. Dem Publikum blieb nichts anderes übrig, als festzustellen, dass diese Show alles andere tat als «totally sucks».

 

Während die Roadies nach Showende rasch die Instrumente einpackten – die Band trat schliesslich am Folgetag in Brüssel auf –, wünschten sich so manche Konzertbesucher ein neues Album und ein baldiges Wiedersehen. 

 

 

 

Tanja Lipak / So, 01. Nov 2026