Deine Cousine: «Texten ist immer ein bisschen wie Therapie»

Interview mit Deine Cousine
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Pressebild / ©Capadol

Deine Cousine wirbelt seit ein paar Jahren über die Bühnen und versprüht mit deutschem Wortwitz und knackigem Punk gute Stimmung. Was so locker klingt, ist aber manchmal schwere Arbeit. Wir habe mit Deine Cousine über das Texten gesprochen, sie auf Zweifel, ihre bisherige Karriere und das Musikbusiness angesprochen und Themen wie Hamburg als Lebensmittelpunkt, Udo Lindenberg oder die Teilnahme an «Sing meinen Song» geredet.

 

Am 1. Oktober hast du in Zürich deine Tour gestartet. Wie fühlst du dich jeweils, kurz bevor eine Tour startet?


Es ist immer eine Mischung aus sehr aufgeregt sein, aber auch total angespannt. Ich will den Leuten eine gute Show liefern und bis die Proben wirklich am Ende sind und die erste Tour-Show gespielt ist, ist immer noch ein bisschen Unsicherheit da. Aber, ich kann mir keinen schöneren Tour-Start vorstellen als eine hochverlegte Show in Zürich. Am Ende des Tages heisst das ja nur, dass viel mehr Leute kommen, als wir gerechnet haben. Und das freut mich natürlich total.

 

Worauf darf sich das Publikum auf der Tour freuen?


Ich glaube, auf eine ordentliche Portion Energie, wie man es von der Cousine gewohnt ist. Es wird sicherlich auch Inhalte zu «Sing meinen Song» geben. Ich bin ja damit gesegnet, dass unter den Menschen, die zu meinen Konzerten kommen, von Kindern bis zu älteren Leuten alles dabei ist. Das heißt, am Ende des Tages wird es ein grosses, herzliches Familientreffen.

 

Musik war immer ein Teil deines Lebens. Du hast schon als Kind in der Schule gesungen, dann später als Teenie die erste Band gehabt, dann aber doch einen bürgerlichen Beruf erlernt und dich erst Jahre später entschlossen, alles auf die Musik zu setzen. Was war damals die Initialzündung, dass du gesagt hast, jetzt will ich es wissen?


Ich glaube, es war eine Unzufriedenheit. Gar nicht nur mit dem Job, in dem ich steckte, sondern mit dem Weitblick aufs Leben. Ich hatte schon echt viel, hatte bereits die Meisterprüfung fertig und neben der Arbeit angefangen zu studieren. Doch habe ich mich immer ein bisschen gefragt: «Ja und dann?» Da war musikalisch nicht mehr viel zu holen. Ich habe meine alten Kolleginnen und Kollegen gesehen und gedacht: «Okay, in 40 Jahren bin ich diese Person und warte auf den einen Auftritt im Jahr. Das hat mir nicht gereicht» Ich hatte irgendwie die Sehnsucht, dass da draußen noch mehr ist. Ausserdem, je länger der Job in meinem Leben war, umso mehr verschwand Musik. Dass diese Kurve so diametral verläuft, war mir nicht klar, als ich angefangen habe. Ich dachte mir, dass sich Beides vereinen lässt, aber irgendwann ist mir aufgefallen, dass das gar nicht geht. Da habe ich mir gedacht, dass ich später einfach sehr, sehr unglücklich werde, wenn ich das jetzt nicht nochmal probiere.

 

Wenn du dann merkst, am Ende des Monats reicht es nicht mehr für die Miete, weil du da ein bisschen naiv reingerauscht bist, ist das natürlich eine sehr prägende Lebensphase.

 

Und dann bist du nach Hamburg aufgebrochen und hast dir zuerst mit Nebenjobs deinen Traum vom Musik machen erarbeitet. Wie prägend war diese Zeit für dich?


Super prägend. Davor habe in meinem Leben nie wirklich erfahren, wie es ist, mich finanziell stark einschränken zu müssen. Ich komme alles andere als aus reichem Hause, eher aus einem ganz normalen, familiären Umfeld, wo beide Eltern gearbeitet haben. Natürlich wurde jetzt nicht jedes Jahr nach Malibu geflogen, aber wir konnten jedes Jahr in einen ganz normalen Dänemark-Urlaub fahren. Mir hat es an nichts gemangelt. Ich hatte aber Freunde und Freundinnen, die auf Sozialhilfe angewiesen waren. Bei mir waren es eher erzieherische Maßnahmen, wenn meine Eltern gesagt haben, ich kriege irgendetwas nicht, aber nicht, weil man sie sich nicht leisten konnte. Als ich meinen gut bezahlten Job hingeworfen habe, war ich schon 24 Jahre alt. Das heisst, ich war natürlich auf mich selbst gestellt und wollte von niemandem Geld annehmen. Dazu wäre in meinem Umfeld auch niemand in der Lage gewesen. Ich habe mit 16 Jahren angefangen, Geld zu verdienen und gar nicht so schlecht Geld verdient. Wenn du dann merkst, am Ende des Monats reicht es nicht mehr für die Miete, weil du da ein bisschen naiv reingerauscht bist, ist das natürlich eine sehr prägende Lebensphase. Ich habe dadurch sehr, sehr viel gelernt und bin nochmal ein Stück selbstständiger geworden. Es geht darum, Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen und in dem Moment nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern zu erkennen, was für Möglichkeiten man hat? Am Ende ist manchmal die letzte Möglichkeit, die Akustikgitarre zu greifen und sich zu sagen: «Ich kann zwar nur drei Akkorde, aber ich gehe jetzt mal auf die Straße und gucke, ob irgendjemand zwei Euro einen Hut wirft.» Da habe ich unfassbar viel von mitgenommen und auch mal eine andere Lebensrealität kennengelernt. Dafür bin ich sehr dankbar, weil in all diesen Sorgen, die ich manchmal hatte, eine unfassbare Freiheit versteckt war und dadurch war es mit die glücklichste Phase meines Lebens. Da steckte so viel Hoffnung drin, auch in diesem Wissen: «Boah, krass, ich bin jetzt in Hamburg, ich bin jetzt richtig frei und kann meinen Weg komplett selbst bestimmen».

 

Wieso hast du für Hamburg entschieden? Die Stadt ist ja in der deutschen Musikgeschichte schon nicht unwichtig. Hat das eine Rolle gespielt?


Es war halt die Stadt, die ich am meisten kannte, weil es die nächste Stadt war, zu der wir als Jugendliche gefahren sind, um Konzerte zu gucken. Dadurch war das immer ein Sehnsuchtsort. Berlin war für mich gefühlt wie ein Moloch, da hatte ich keine Ahnung von. Bei Hamburg war eher der Eindruck: «Ja, da sind doch die Leute in der großen Freiheit». Und ich habe Hamburg zu der Zeit noch viel mehr als Musikstadt wahrgenommen als alle anderen Städte.

 

Einer deiner ersten Förderer war Udo Lindenberg, den du durch die Teilnahme am Panikpreis getroffen hast. Wie wichtig war sein Support? Wie viele Türen hat dir das geöffnet, dass Udo dich unterstützt?


Da sind unfassbar viele Meilensteine, die ich ihm zu verdanken habe, die ohne ihn nicht möglich gewesen wären. Erstens natürlich, dass du plötzlich in diese Kreise reinkommst, du nach Konzerten in den Hotelbars und im Backstage bist. Allein dadurch habe ich so viel mehr Menschen aus der Branche kennengelernt oder Menschen, die auch einfach kreativ arbeiten. Das heisst, es war eine super inspirierende, aber auch eine super netzwerkende Zeit. Dann ist es einfach sehr, sehr, sehr bestärkend und motivierend, wenn so ein großer Star dich im Prinzip unterstützt, obwohl er dich eigentlich nur gesehen hat, wie du vor 20 Leuten deine eigenen Songs spielst und ein paar Coverjobs gemacht hast und der plötzlich sagt: «Ja, eine Arena-Tour, das wird die schon hinkriegen». Da habe ich ja selber nicht an mich geglaubt, an dem Punkt, aber er hat halt dran geglaubt. Das ist etwas, was den Menschen immer unfassbar guttut, wenn es eine Person gibt, die sehr an dich glaubt. Der dritte Punkt ist, dass es ein sehr, sehr gut bezahlter Job war und ich endlich wieder ein paar Monate das Gefühl hatte, dass ich nicht total hustlen muss. Allein die Tatsache, dass ich so einen Job hatte, hat mir ein bisschen Freiheit gegeben, um meine eigenen Sachen voranzutreiben, weil nicht komplett jeder Euro umgedreht werden musste. So konnte ich das Geld wieder in Deine Cousine stecken, denn so ein Karriereaufbau ist nicht so günstig.

 

Deine Cousine - «Ich weiss, wie dieser Abend endet»

 

Musik war, das habe ich schon angesprochen, immer um dich herum, vermutlich auch diverse Einflüsse und Berührungen. Wie hast du den Stil von Deine Cousine, den du heute machst, erarbeitet bzw. gefunden?


Am Ende habe ich ihn gefunden, dadurch, dass ich ehrlich zu mir selbst war. Ich war sehr, sehr lange nicht ehrlich zu mir selbst, gerade in der ersten Zeit in Hamburg. Ich habe eher versucht zu überlegen, was ich machen muss, damit Musik funktioniert, damit ich Musikerin sein kann. Ich habe mir dann Gedanken gemacht und erkannt, dass ich zu viel nach links und rechts geguckt habe, was andere Leute machen. Es gab irgendwann zwei Gespräche mit einer Freundin und einem Freund von mir, die mir die richtigen Fragen gestellt haben: «Warum klingen deine Texte aktuell nicht, wie die Person, die neben mir am Frühstückstisch sitzt? Wo willst du eigentlich hin?» In meinem Kopf war das alles total klar. Die Beiden haben mich aber einfach angeguckt und gesagt: «Nee, das ist gerade überhaupt nicht klar. Ich weiß, wenn ich deine Lieder höre, überhaupt nicht, wer du bist.» Ich habe damals Angst davor gehabt, weil ich als laute Frau, als lautes Kind, oft die Erfahrung gemacht habe, dass das für manche Menschen zu viel ist und ich abgelehnt werde. Am Ende des Tages wollen ja die meisten Menschen auch ein bisschen geliebt werden. Ich hatte Angst, dass ich, wenn ich ehrlich bin mit den Leuten und mit meiner Kunst, wieder nur Ablehnung erfahre. Das Lustigste oder das Bestärkendste war, als ich einfach nur gemacht und gezeigt habe, wer ich bin und ganz ehrlich mit der Welt war. Da kriegte ich plötzlich extrem viel Liebe zurück.

 

Das ist ein gutes Stichwort. Ich habe das Gefühl, dass du gerne aktuelle Themen aufgreifst und auch mal sagst, was du denkst, zum Beispiel in der neuen Single «Ich weiß, wie dieser Abend endet». In einer Zeit, in der man kaum mehr was sagen kann, ohne ein Wort auf die Goldwaage zu legen, wie wichtig ist dir, klare Rede, klare Ansagen zu machen?


Ich glaube auf jeden Fall nicht, dass wir in einer Zeit leben, in der man nicht mehr alles sagen kann. Aber ich verstehe den Punkt, dass es sich immer so anfühlt, als würden alle das auf die Goldwaage legen. Mir fällt es immer auf, wenn ich Kommentare lese. Manchmal lese ich sie, teils aus Belustigung, teils aus Recherche. Es ist witzig, dass die gleichen Leute, die diesen Punkt kritisieren, sich bei wie «Scheiß auf Ironie» grammatikalisch total angesprochen fühlen, obwohl der Song ganz klar, auf eine einzelne Person abzielt. Ich sage die ganze Zeit «du». Da wird dann die Grammatik plötzlich vollkommen außer Acht gelassen. Ich würde ja alle Männer meinen. Bei einem Song wie «Königin von Deutschland» wird mir dagegen vorgeworfen, dass ich damit die Monarchie ausrufen möchte. Da denke ich so: «Witzig.» Da schaffen sie es dann, sich die Meinung so zurechtbauen, wie es ihnen passt. Die Art von Menschen wird es immer geben. Ich konzentriere mich nicht auf die Leute, sondern auf jene, mit denen man ein sachliches und vernünftiges Gespräch führen kann. Auch ich werde noch ganz oft falsch liegen in meinem Leben. Und ich hoffe, dass Menschen dann nicht sofort rumschreien und sagen, «Wie kann sie nur», sondern im besten Fall reagieren, wie man es mit Freunden am Küchentisch auch machen würde. Dass man sich sagt: «Das sehe ich gerade komplett anders» oder «Ich finde, du bist gerade unfair bei diesem Punkt.» Ich weiß nicht, ob es richtig ist, immer seine Meinung zu sagen. Ich habe auch nicht zu allen Themen immer eine Meinung. Aber ich weiß, dass es mir persönlich auf gar keinen Fall funktioniert, den Mund zu halten, wenn ich eine Meinung habe.

 

 

Es gibt natürlich ein paar Texte, die sind ein Gehirnschiss, also gar nicht unbedingt nur die Lustigen, manchmal auch sehr ehrliche.

 

 

Wie erarbeitest du dir deine Texte oder auch Themen, wie, wenn du ein Thema aufgreifst, wie schwer fällt es dir, diesen in einen Text zu gießen?


Meistens sehr schwer. Ich finde, Texten ist immer ein bisschen wie Therapie. Es ist auch wie ein politisches Gespräch und eine schwierige Diskussion. Es gibt natürlich ein paar Texte, die sind ein Gehirnschiss, also gar nicht unbedingt nur die Lustigen, manchmal auch sehr ehrliche. Die kommen einfach raus. Dann muss man aber trotzdem noch durch diesen Prozess durch und sich fragen: «Möchte ich das jetzt wirklich mit der Menschheit teilen? Möchte ich das jetzt gerade? Stehe ich auch morgen noch zur Haltung, die ich jetzt gerade habe?» Ich glaube, das ist halt genau der Punkt. Ich muss das immer wieder hinterfragen, ich muss Sachen schreiben und dann muss ich die ein bisschen liegen lassen und gucken, ob ich meinen Gedanken von gestern, heute immer noch teilenswert finde? Oder ist das einfach nur verkopfte Scheiße? Ist es selbstgerecht? Ich bespreche das oft im Freundeskreis und zeige neue Songs rum. Manchmal ist es so, dass ich irgendwas total toll finde und dann alle um mich herum sagen: «Das ist total blöd.» Dann beschäftigt es mich natürlich und ich muss einen Monat später entscheiden, ob ich das auf ein Album packe oder nicht. Am Ende des Tages ist es wie Puzzeln, es ist eine schöne Denkaufgabe und es hält einen immer wieder wach und selbstreflektiert.

 

Was ich an deinen Texten sehr mag, ist, dass du mit Zitaten arbeitest, ob das der Bezug zum Film «Fight Club» ist in «Küsschen links, Küsschen rechts» oder die Referenz an Grönemeyer mit «Wann ist ein mein ein Mann», in «Scheiße auf Ironie». Wie findest du das passende Zitat für die richtige Stelle im Text?


In meinem Kopf ist so viel mehr Musik vorhanden, als ich mir vorstellen kann. Am Ende des Tages sind sehr, sehr viele schlaue Sachen schon gesagt worden und wir werden diese Sprache nicht mehr komplett neu erfinden. Es gibt ja Leute, die sagen, Musiker denken sich nichts Neues mehr aus. Das ist Quatsch. Die meisten Leute, die das sagen, die haben bloß keinen Bock auf die Sprache von Ski Aggu. In der Sprache, wie ich sie benutze und wie ich sie spreche, wurden einfach sehr, sehr viele Sachen schon auf sehr, sehr gute Art und Weise gesagt. Manchmal, wenn mich etwas berührt in einem Thema, finde ich, ist ein Zitat der einzig richtige Weg, um es nochmal in diese klaren Worte zu fassen. Zudem finde ich, dass es eine Referenz ist und man manchen Leuten schon Tribut zollen kann für die Zeilen, die sie geschrieben haben. Es gibt ja noch ein Grönemeyer-Zitat. In «Keine Liebe verdient» sage ich, «Keine Flugzeuge im Bauch». Manchmal weiß ich, weil ich einfach jünger bin, gar nicht, ob es diesen Ausdruck vorher in der deutschen Sprache gab. Ich kenne ihn ja nur von Herbert Grönemeyer. Ich kann in dem Moment nur dieser unfassbar lyrisch-schönen Beschreibung, die er da gefunden hat, Tribut zollen.

 

Dann habe ich, wenn ich deine Musik höre, den Eindruck, dass du durchaus ernste Themen aufgreifst, aber sowohl rhythmisch als auch sprachlich eine lockere Attitüde pflegst. Täuscht dieser Eindruck oder ist das, ist dir das irgendwo wichtig?


Das musst du mir sagen. Ich vermute, das hat was damit zu tun: «Koddrige Schnauze nach außen, aber innen dann doch vielleicht ein bisschen tiefgründiger, als man es im ersten Augenblick vermutet.» Ich habe keine Ahnung von Musik und kenne Musiktheorie nicht. Wenn ich mit Leuten arbeite, die Ahnung von sowas haben, merke ich, dass sie rasch erkennen und sagen, was speziell ist bei dem, was ich gerade tue. Da ist ganz viel natürlich entstanden, durch die Musik, die ich gehört habe. Dann ist es immer ein bisschen auch Unvermögen. An manchen Stellen, versucht man irgendwas, was man nicht besser wusste und irgendwann ist es dann in einem drin. Entweder versucht man es nochmal zu verändern oder es passt. Ich mache einfach, wie es sich gut anfühlt.

 

Du warst 2026 Teil von «Sing meinen Song». Wie ist das, wenn man plötzlich mit diesen Größen wie den Scorpions auf dem Sofa sitzt? Was hast du für dich aus dieser Sendung mitnehmen können?


Es ist für mich wie eine Aschenputtel-Geschichte gewesen mit all diesen Meilensteinen meiner Karriere, wo man an jeder Stelle hätte sagen können: «Okay, krass, dass das jetzt noch passiert ist, aber weiter wird sie es nicht schaffen.» Manchmal muss ich mich selber kneifen, damit ich immer wieder denke, welches Level gerade wieder freigeschaltet wurde. Das war auf jeden Fall eine der bereichernden Erfahrungen meines Lebens. Aber das hört man über «Sing meinen Song» ja auch nicht zum ersten Mal von Künstlerinnen und Künstlern. Ich kann all diese Geschichten wirklich nur bestätigen. Es ist ein super wertschätzendes, tolles Format und natürlich war es für mich, meine Familie und mein ganzes Umfeld total aufregend, mich das erste Mal im Fernsehen über so eine längere Strecke und so persönlich sehen zu müssen. Menschen kennen das manchmal, wenn sie das erste Mal eine Aufnahme von sich hören und sagen: «Ach so klingt meine Stimme.» So war es, mir selbst dabei zuzugucken. «Ach, so bin ich? Die ganze Zeit? Das ist ja anstrengend.» Nein, ich habe es sehr genossen. Wir haben alle Folgen mit ganz vielen Freunden und Freundinnen geguckt und das war schon einfach eine superschöne Erfahrung. Wertschätzung von anderen Künstlern und Künstlerinnen auf dem Level zu erfahren, da kann das Herz ganz schön lange von zerren.

 

 

Ich vermute, das hat was damit zu tun: «Koddrige Schnauze nach außen, aber innen dann doch vielleicht ein bisschen tiefgründiger, als man es im ersten Augenblick vermutet.»

 

 

Ich kann mir vorstellen, es ist auch nicht so einfach, die Cover-Version einzuspielen von diesen doch bekannten Songs, grad «Still Loving You», das du gesungen hast. Wie schwierig war das für dich, diesen Ansatz zu finden?


«Still Loving You» war nicht schwierig, weil ich da von vornherein eine ganz klare Vision hatte. Als es darum ging, dass die Scorpions dabei sind und ich dabei bin, habe ich mich durch den Katalog gehört und habe gesagt: «Ich muss «Still Loving You» machen.» Das ist ja ein bisschen, wie bei eigenen Songs, wenn du eine ganz klare Vision hast, dann floated es und macht Spass. Vielleicht gibt es nochmal ein, zwei Stellen, die ein bisschen schwierig werden, wo du sagst: «Mann, ich weiß nicht, wie ich die Zeile lösen soll», aber dann geht das Puzzlen wieder los. Es gab andere Songs, wo ich nicht direkt so eine klare Vision hatte und viel mehr arbeiten musste.

 

Ich habe bei der Recherche gelesen, dass dir mit 18, die die Ärzte gesagt haben, du wirst nie mehr professionell singen, weil die Stimmbänder verletzt sind. Wie sieht das heute aus? Ist dieses Problem geheilt oder hast du da immer noch gesundheitliche Probleme mit der Stimme?


Die Stimmbandknoten sind immer noch da. Ich habe nur gelernt, mit ihnen zu leben und ich singe die ganze Zeit mit Stimmbandknoten, wo wahrscheinlich sehr viele klassische Sängerinnen und Sänger sagen würden: «Ach du liebe Güte.» Ich habe mittlerweile akzeptiert, dass sie ein Teil von mir sind und dass ich sie gut behandeln muss. Ich kann dadurch einfach manche Sachen nicht machen. Ich kann zum Beispiel nicht gut leise Singen deswegen.

 

Damit kann man sich eventuell arrangieren.


Ja, am Ende des Tages und vielleicht hatte ich die Knoten schon mein ganzes Leben, wer weiß das schon so genau.

 

 

Bäckstage Redaktion / Mi, 14. Okt 2026