Einbruch in die Freiheit

Movie-Kritik: Elysium
Bildquelle: 
Walt Disney Pictures

Wir schreiben das Jahr 2154. Nach dem Zusammenbruch von Ökologie und Ökonomie haben die Seligen und Reichen sich und ihre Besitztümer auf einer Raumstation in Sicherheit gebracht. Hoch oben im Erdorbit läuft täglich «Space Night», Champagner ist ein Grundnahrungsmittel und jede Krankheit kann per Knopfdruck geheilt werden. Es ist das Elysium, die Kolonie der Elysianten. Und der Rest der Erdbevölkerung? Alles potentielle Asylanten. Verlumpter Pöbel, der auf einem ausgebrannten Planeten darbt. In diesen endlosen Schrebergärten der Vorhölle hält sich auch der gebrochene, mehrfach vorbestrafte Max (Matt Damon, «Ocean’s Eleven») mit Fliessbandjobs über Wasser. Als er jedoch nach einem schweren Arbeitsunfall nur noch wenige Tage zu leben hat, ist er gezwungen, seine unmögliche Kindheits-Elysion zu erfüllen; nämlich an Bord der Raumstation zu gelangen. Nur dort kann er die Strahlungsschäden rückgängig machen. Das verzweifelte Unterfangen eskaliert zum Himmelfahrtskommando, denn das höchste Promille der Menschheit wird jede Grenze überschreiten, um Unwürdige ihrem Kreis fernzuhalten …

 

Bild 1: Max hat nur noch wenige Tage zu leben und kämpft sich auf die elitäre Raumstation Elysium. Dort könnte sein Leben gerettet werden. Aber Jodie Foster (Bild 2) als skrupellose Stationsleiterin will das verhindern. (Mit Maus über Bild fahren) 

 

Jung-Regisseur und Drehbuchautor Neill Blomkamp macht quasi dort weiter, wo sein erster abendfüllender Film, „District 9», aufhörte. Nun lebt nicht mehr bloss eine Million Aliens in einer abgekrachten Sperrzone aus Containerhütten, sondern die ganze Menschheit. Und erneut bietet Blomkamp Schauspielfreund Sharlto Copley («A-Team») auf. Mimte dieser in «District 9» noch den leicht vertrottelten Helden wider Willen, so ist er als (a)bartig sadistischer Cyber-Samurai mit Lederpatina kaum mehr wiederzuerkennen. Ein Schweinehund so zäh wie ein Budget-Schnitzel, und der heimliche Star des Streifens. Daneben erleben wir Matt Damon mit gewohnt strengem Charisma, eine betörende Alice Braga («I am Legend») und William Fichtner («Armageddon») als versteinerten Teenager. Einzig enttäuschend die Darbietung von Jodie Foster («Contact») als skrupellose Stationskommandantin. Sonst für ihre lodernde Korona bekannt, stottert sie sich hier seltsam entrückt durch das Script.

 

Bild 1: Max kämpft sich langsam in Richtung Elysium. / Bild 2: Die futuristischen Sets erinnern an Genre-Ikonen wie «Mad Max» (Bild 2). (Mit Maus über Bild fahren)

 

«Elysium» darf zurecht zu den besten Sci-Fi-Thrillern der Filmgeschichte gezählt werden. Weil der Streifen mit lebensechten Figuren und Effekten aufwartet, erdig und staubig rüberkommt wie ein Spaghetti-Western und dennoch Bolognese-Exzesse meidet. Weil er so durchdacht ist wie Tony Starks Geschäftspläne und so enthemmt wie eine Wolverine-Attacke. Vor allem aber, weil Blomkamp verstanden hat, was richtig gute Science-Fiction im Kern ausmacht; brisante gesellschaftliche Anliegen in die Zukunft zu projizieren. Denn der Südafrikaner denkt nicht nur weit, er träumt auch gross. Zuletzt gar den Traum Obamas. 

 

  • Elysium – USA 2013
  • Regie und Drehbuch: Neill Blomkamp
  • Schauspieler: Matt Damon, Jodie Foster, Sharlto Copley, Alice Braga
  • Dauer: 109 Minuten
  • Budget: ca. 100 Mio. Dollar
  • Kinostart Deutschschweiz: 15. August 2013
Mike Mateescu / Sa, 10. Aug 2013