Growling in the rain

Konzertkritik: Linkin Park in Zürich
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Pressebild / ©Live Nation UK

Letztes Jahr sollten Linkin Park im Berner Expo-Gelände auftreten. Die Fans reisten bereits an, als eine halbe Stunde vor Türöffnung die Show - aufgrund Krankheit - abgesagt wurde. Ein Jahr später waren sie nun fürs Letzigrund angekündigt und die Fans versammelten sich einmal mehr. Doch auch diesmal sollte das Glück nicht lange halten.

 

Es war ein anstrengender Dienstag, das Wetter drückend, die Hitze kaum mehr auszuhalten und der Regen angekündigt. Und die Hoffnung war immens, dass dieser seinen ersehnten Auftritt nach Linkin Parks Show im Letzigrund haben würde. Doch die Macht war nicht mit uns. Zwar spielte das «Star Wars»-Theme schön bedächtig als Intro vor den Nu-Metal-Heros, aber nützen tat es wenig. Nach fünf Liedern, darunter «The Emptiness Machine» und «Over each other» vom letzten Album «From Zero», verabschiedete sich die Band kurzfristig von der Bühne. Grund waren heftige Regenschauer.

 

Die Fans waren einmal mehr ratlos. Interessanterweise hatten sich die wenigsten Menschen auf den Stehplätzen mit wasserfester Kleidung oder Pellerinnen ausgerüstet. So standen die meisten durchnässt, mitten im Stadium, und versuchten sich irgendwie die Zeit zu vertreiben. Aus 15 Minuten wurden 30 und nach gut 45 Minuten ging die Show dann weiter. Mit einem sehr interessanten und fast schon ein wenig fragwürdigen Publikumsspiel. Mike Shinoda verliess die Bühne, um unters Publikum zu einem «sehr speziellen» Gast zu gelangen. Gemeint war ein kleiner Junge, mit dem Shinoda - sehr einstudiert - ein Baseball Cap austauschte. Erinnerungen an Taylor Swifts Eras Tour an just genau demselben Ort mit genau derselben Geste kamen auf. Ein Zufall? Sicherlich eines der wohl überraschendsten Elemente an jenen Abend.

 

Weiter ging es dann mit bekannteren Songs. Natürlich ging die Menge (leider) vor allem bei «Numb» und «One Step Closer» ab. Neumitglied Emily Armstrong gab alles und hielt alles mit ihrer Wunderstimme zusammen. Vom Growling in the rain bis zur Ballade im Trockenen demonstrierte sie eine immense Bandbreite an Stimmbändern. Und auch am Schlagzeug bewies sie ihr Talent.

 

Zuletzt waren es dann vor allem ihre und Shinodas Gesten mit dem Publikum, die viele versöhnlich stimmten, trotz der doch regelrecht ins Wasser gefallenen Show.

 

Letztes Jahr Krankheit, dieses Jahr Petrus. Linkin Park wurde einmal mehr mit Pech verfolgt in der der Schweiz. Erfreulicherweise liess sich die Band nicht davon abhalten und gab an ihrem letzten Tourstop nicht auf. From Zero zum Wet(ter)-Hero sozusagen.

 

Tanja Lipak / Fr, 03. Jul 2026