Zwischen Rückbesinnung und Abgesang
Der stetig maskierte und beinahe unverwundbar gepanzerte Kopfgeldjäger Mando macht Jagd auf hochrangige Akteure des untergegangenen Galaktischen Imperiums. Dabei schreckt er auch vor einer Allianz mit den hinterlistigen Hutts nicht zurück, die ein Verbrechersyndikat leiten. Ausserdem muss sich Mando ständig um seinen kleinen, minderjährigen Begleiter kümmern; ein verfressenes Alien, das sich der Macht bedienen kann und sich mit seiner Unbekümmertheit immer wieder in die Bredouille bringt.
Machen wir uns nichts vor: Star Wars, die einst grösste IP des Planeten, ist in sehr schlechtem Zustand. Mit seiner ersten Trilogie veränderte George Lucas die Filmemacherei, doch schon der Nachfolger, die Prequel-Trilogie, erntete gemischte Kritiken. Nur sieben Jahre nach dem sechsten Film verkaufte George sein Imperium an den Disney-Konzern. Die neue Chefin von Lucasfilm, Kathleen Kennedy, fuhr die Serie während ihrer vierzehnjährigen Schreckensherrschaft sauber und zielsicher gegen die Wand. Weil sie die beliebte Bücherserie, das Expanded Universe EU, zur Fan-Fiction degradierte und damit den offiziellen Umfang der Saga wesentlich schmälerte. Weil sie keinen Fahrplan für die Sequel-Trilogie ausarbeiten liess, und diese Orientierungslosigkeit die Entlassung mehrerer Regisseure nach sich zog. Von Drehbuchautoren, die sich dem Studium der Vorgeschichten kategorisch verweigerten, ganz zu schweigen.
Das Resultat waren sinkende Einnahmen an den Kinokassen, unzählige Fernsehserien, die auf immer weniger Interesse stiessen, sowie die Schliessung eines Star Wars-Hotels, dessen Bau eine Milliarde Dollar verschlungen hatte. Viele Fans reagierten erst mit Verblüffung, dann mit Zorn und schliesslich mit Apathie. Dennoch gab es inmitten dieses Abstiegs zwei Lichtblicke: das inzwischen vollendete Meisterwerk «Andor» und jene Serie, auf welcher dieser neueste Streifen basiert. Und der Grund für den anfänglichen Erfolg von «The Mandalorian» ist schnell gefunden. Während die Sequel-Trilogie dreissig Jahre nach «Die Rückkehr der Jedi-Ritter» spielte und sich gegenüber der originalen Trilogie äusserst respektlos gab (man gewährte ja nicht mal den drei Hauptfiguren eine gemeinsame Szene), stellte «The Mandalorian» ungefähr jene Fortsetzung dar, auf die Fans mittlerweile 36 Jahre gewartet hatten.
Serienmacher Favreau und Filoni erzählten relativ autonom die simple Geschichte eines stoischen Kopfgeldjägers, der in eine Vaterrolle schlüpfen muss. All dies vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen einer auf tönernen Füssen stehenden Neuen Republik und den widerspenstigen Überresten des eben erst besiegten Imperiums. Das fühlte sich endlich wieder an wie Star Wars und funktionierte zwei Staffeln lang erstaunlich gut – bis sich das Management einmischen musste und die dritte Staffel zu einer unausgewogenen Angelegenheit verkam. So wurde die vierte Staffel in einen Film umgewandelt – diesen Film –, und viele Fans fragten sich im Vorfeld, ob es sich dabei nicht bloss um eine langgezogene TV-Episode handeln würde.
Kurze Antwort? Ja, aber. «The Mandalorian and Grogu» funktioniert als Fortsetzung der eingestellten Fernsehserie, ohne dass man diese gesehen haben muss. Von exotischen Welten über Raumschiffschlachten bis hin zu den obligaten grusigen Viechern ist hier alles vorhanden, was sich Fans wünschten könnten. Die Story ist unterhaltsam, der Film an sich kurzweilig und man sieht wirklich jeden einzelnen Rappen, der investiert wurde. Die Kehrseite ist jedoch die schmerzlich offensichtliche Resteverwertung. Längst bewegt sich Star Wars im Kreis, referenziert sich endlos selbst und kommt ohne bewährte Elemente einfach nicht mehr aus. Man jagte das Zugeständnis an die Fans, indem man sich auf Dinge besann, welche die Saga einst gross gemacht hatten. Doch verlor man dabei den Blick auf jene Ideen, die einen Weg in die Zukunft weisen könnten – notabene eine Zukunft, in der nicht länger die wahrhaftig unterwältigende Sequel-Trilogie lauert.
«Favreau und Filoni präsentieren ein optisch schillerndes, kurzweiliges Weltraumabenteuer, das mit unerwarteten Wendungen und frischem Soundtrack punktet, am Ende aber kreatives Malen nach Zahlen innerhalb einer zerrütteten Saga bleibt.»
- Star Wars: The Mandalorian and Grogu / USA 2026
- Regie: John Favreau
- Cast: Pedro Pascal, Sigourney Weaver, Martin Scorsese uva.
- Laufzeit: 132 Minuten
- Kinostart: 20. Mai 2026





















