Das Comeback der Muppets mit viel Selbstironie

DVD-Kritik: The Muppets
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Walter (Die Puppe wurde für den Film entworfen) lebt mit seinem Bruder Gary (Jason Segel, «How I Met Your Mother») und seiner Freundin Mary (Amy Adams, «Sunshine Cleaning») in Smallville, irgendwo in der Pampa der USA. Eines Tages stösst er auf die Muppets-Show und wird sofort zum Fan. Als Mary und Gary Jahre später eine Reise nach Los Angeles planen, um sich dort zu verloben, darf Walter mit und die Muppets-Studios besuchen. 

 

 

Doch die Studios sind heruntergekommen, die Muppets in alle Winde und über die ganze Welt verstreut. Selbst der Studio-Guide (Cameo von Alan Arkin, «Little Miss Sunshine») hat resigniert. Walter seilt sich enttäuscht von der Gruppe ab und bekommt zufällig mit, wie der Ölbaron Tex Richman (Chris Cooper, «American Beauty») über ein Ölvorkommen unter den Muppets-Studios spricht und seinen beiden Handlangern triumphierend erzählt, dass die Muppets nur noch wenige Tage hätten, um 10 Millionen Dollar aufzutreiben, ansonsten würde er die Studios abreissen. Walter beschliesst etwas zu unternehmen und wendet sich an Kermit den Frosch. Gemeinsam trommeln sie die alte Truppe zusammen. Es gilt, das Theater zu retten und eine Spendengala auf die Beine zu stellen. Doch so leicht ist das nicht. Die Muppets sind eingerostet und einen prominenten Moderatoren findet man nicht auf der Strasse.

 

Endlich sind sie weg!

 

Im Styling eines Super-8-Films beginnt das neueste Abenteuer der Muppets. Wir sehen Walter und seinen Bruder, wie sie gut behütet aufwachsen. Dazu Tanznummern und Heile-Welt-Tanzrevuen, die an Filme mit Julie Andrews erinnern. Die Bilder sind nahe an einem Zuckerschock, jedoch geht der Film durchaus ironisch mit der Tatsache um, dass diese heile Welt schlicht nicht mehr existiert. Als nämlich Mary, Gary und Walter Smallville verlassen, fällt das gesamte Tanz-Ensemble auf die Knie und stöhnt erleichtert: «Endlich.» Dass die drei Reisenden nicht auf das glänzende Paradies treffen, dass die Muppets-Videos von Walter vermitteln, ist dagegen herrlich realistisch, unterstreicht sogar das Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart. 

 

 

Denn um die Vergangenheit, zumindest um die der Muppets, geht es im Film. Wie sehr gerade Kermit seine alte Truppe vermisst, zeigt die gelungene Szene, in der er durch sein grosses Haus schlurft, den Kopf gesenkt, eine Ballade singend und plötzlich aus Gemälden an den Wänden seine Freunde in das Lied einsteigen. Der Knackpunkt quasi. Ab hier ist Kermit bereit alles zu tun, um die Muppets-Studios zu retten. Er holt sich bei allen grossen Fernsehstationen Absagen, telefoniert sich die Finger wund, um in Los Angeles einen Moderator zu finden und muss schliesslich frustriert aufgeben. Hier funktioniert das Drehbuch, das die Schicksale der einzelnen Muppets wunderbar skurril einführt, perfekt, weil zu Beginn des Films fein gestreute Mosaiksteinchen plötzlich zusammengefügt werden und sich die Geschichte plausibel entwickelt.

 

Reminiszenzen an das grosse Hollywood-Kino 

 

Die Muppets sind das Herz und die Seele des Films. Alle sind sie da. Von Gonzo über Fozzie Bear, The Animal, den «Smørrebrød» rufenden Koch bis zu den ewig kritisierenden Waldorf und Statler sowie der die Drama-Queen gebenden Miss Piggy. Schön, dass die Puppen, die einst in der Kreativschmiede um Jim Henson (Verstarb 1990) entwickelt wurden, noch einmal durch einen aufwändig gemachten Kinofilm toben dürfen. Durch viel Liebe für Details und einigen Seitenhieben auf die Gegenwart ist gewährleistet, dass «The Muppets» allen Altersgruppen Spass macht. So wirken die Bilder zum Teil wie mit Instagram gemacht oder erinnern an riesige Tanzszenen aus Klassikern des Musicalfilms. Das Drehbuch funktioniert so gut, weil es nicht zu viel will. Anstatt eine wahnsinnig aufwändig konstruierte Story zu erzählen, ist die Geschichte im Grunde in zwei Sätzen erzählt. Dafür haben sich die kreativen Köpfe hinter den Muppets einige Reminiszenen an das grosse Hollywood-Kino einfallen lassen. Nur schon das Erkennen dieser macht grossen Spass. Die Qualität stimmt und so ist es kein Wunder, dass sich einige Stars zu Kurzauftritten überreden liessen. Whoopie Goldberg, Jim Parson, Dave Grohl, Selena Gomez, Mickey Rooney, Zach Galifianakis, Neil Patrick Harris oder Leslie Feist. Die Liste lliesse sich noch lange erweitern. 

 

 

Regie geführt hat James Bobin, der als Autor an «Flight Of The Conchords» beteiligt war. Plötzlich ist klar, wieso der subtile Humor bei den Muppets so gut funktioniert. Die australische Comedy-Truppe besitzt einen ähnlichen. Ein sehr grosses Lob gehört Jason Segel, der scheinbar für Komödien geboren wurde, und ebenfalls das Drehbuch schrieb sowie der einmal mehr hinreissend agierenden Amy Adams. Die beiden Darsteller sind neben dem prominenten Moderator der Muppets-Show – der Name bleibt an dieser Stelle ungenannt -, die menschlichen Bezugspersonen im Film und halten sich dezent zurück. Zwar singen und tanzen sie mit den Puppen, aber den Grossteil des Films überlassen sie den Muppets. 

 

«The Muppets» ist ein Film für die ganze Familie und selbst wer die Muppets in ihrer Glanzzeit nicht selbst erlebt hat, dürfte Freude am Film haben. Denn im Grunde will der Film nicht mehr als unterhalten und das tut er mit einer charmanten Selbstironie. So sagt Walter zu Beginn des Films: «So lange es singende Frösche gibt, Bären, die Witze erzählen, schwedische Köche und Bumerangfische, kann die Welt gar nicht so schlecht sein.» Damit bringt das neueste Mitglied der Muppets die Aussage des Films noch einmal präzise und selbstironisch auf den Punkt.


  • The Muppets (USA 2011)
  • Regie: James Bobin
  • Darsteller: The Muppets, Jason Segel, Amy Adams, Chris Cooper
  • Drehbuch: Jason Segel, Nicolas Stoller
  • Laufzeit: 106 Minuten
  • DVD-Start: 10. Mai 2012

 

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Patrick Holenstein / Do, 10. Mai 2012