Im Killergarten

Movie-Kritik: The Hunger Games 2
Bildquelle: 
© Impuls Pictures Ag

Eigentlich haben Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) ausgesorgt. Als Gewinner der letztjährigen Hungerspiele sind sie bis an ihr Lebensende weitgehend vor der Willkür ihrer Herrscher sicher. Doch Präsident Snow (Donald Sutherland, „Italian Job“) denkt nicht im Albtraum danach, die beiden im Ruhestand zu lassen. Weil Katniss geschummelt hat und die Popularität des angeblichen Paares beim Pöbel allmählich seinen Einfluss untergräbt. Also verschärft er zum 75sten Jubiläum des sadistischen Festivals mal eben die Vorgaben. Dieses Jahr werden die Kandidaten nicht aus einem Pool Minderjähriger gezogen, sondern aus den Reihen aller vergangenen Sieger. Wegen der mauen Erfolgsquote ihres Heimatdistrikts müssen Peeta und Katniss sodann einmal mehr zum Morden antreten. Diese Runde nicht gegen kleine Kinder, sondern die gefährlichsten Killer des Reiches. Nun ist alles anders. Nicht nur die Spielregeln …

 

Bild 1: Katniss und Peeta sind wider Willen bei den Hunger Games dabei und Katniss wird (Bild 2) von der Konkurrenz bedrängt. (Mit Maus über Bild fahren)

 

Für die Fortsetzung stand dem neuen Regisseur, Francis Lawrence, ein doppelt so grosses Budget zu Verfügung, und er wusste es effizient einzusetzen. Die Schnitte der Kleider, das Design der Schiffe, die Frisuren und Zähne. Alles ist schöner, grösser, frischer. TV-Moderator Caesar Flickerman beispielsweise (Stanley Tucci, «Devil wears Prada») sieht gegenüber Teil 1 locker zehn Jahre jünger aus. Der Grundton ist ernster und reifer. Das wird früh im Gespräch zwischen Snow und der Protagonistin deutlich, und diese Unterhaltung markiert erst den Beginn vieler delikater und köstlicher Interaktionen reich dekorierter Persönlichkeiten. Sutherland und Philip Seymour Hoffman («Capote») im selben Raum. Alleine das ist das Kinoticket wert. In Essenz ist es die Gravität der Darsteller, die diesen Film zu einem furiosen Erlebnis erster Güte macht. Für das Scifi-Genre eher unüblich. 

 

Schmelz über Sinn

 

Ansonsten schlägt sich der Film mit den gleichen Schwächen wie im Original herum. Selbstzentrierte Göre mit Hummeln und Assburgern im Hintern gibt Interviews. Trägt Kleidchen. Schlägt sich mit Weichei durch den Dschungel. Dass sie eine brillante Bogenschützin ist, leuchtet bei ihrem Wohnort und ihren Essgewohnheiten sofort ein. Warum die vom Zufall Berufene jedoch gleichzeitig eine hochgradig wehrfähige Kriegerin sein soll, mitnichten. Es ist einzig Jennys feuriger Präsenz zu verdanken, dass man überhaupt Verständnis und Mitgefühl für diese Katniss Everdeen aufzubringen vermag. Voller Widersprüche ist dann auch die Welt, in der sie lebt. Angeblich soll Volkes Zorn mit einem Funken Hoffnung auf Besserung im Siegesfall des entsendeten Teams auf Sparflamme gehalten werden. Doch was als Mediokratie verkauft wird, ist in Wahrheit die reinste Gewaltherrschaft. Das Zielpublikum in den 11 verlumpten Distrikten bekommt die Propaganda aufgrund mangelnder Stromanschlüsse und Hardware ja wohl kaum mit. Und würde es der Liveübertragung tagelang per Public Viewing harren, bestünde es bloss aus unproduktiven Sklaven, die nicht für die Opulenz der Hauptstadt im Stollen schuften. 

 

Bild 1: Die Tribute sind in Abendgarderobe für die Show bereit. Derweilen verschwören sich (Bild 2) Präsident Snow und der Spielleiter.  

 

Wirklich hitzig wird es im letzten Viertel. Dort machen die Ereignisse - so mitreissend und überwältigend sie auch umgesetzt sein mögen - leider gar keinen Sinn mehr. Besonders unter Berücksichtigung von Katniss’ legendärer Unberechenbarkeit. Ausser vielleicht, man hat die Bücher gelesen. Doch bei einer Laufzeit von immerhin zweieinhalb Stunden darf man auch als Uneingeweihter einen stimmigen Ablauf erwarten. Trotzdem unterhält der Film derart grandios, dass einem die schweren Ungereimtheiten des Finales erst während dem Abspann ins Gehirn bluten. Dann, wenn man endlich wieder zu Atem kommt und auf die Fortsetzung brennt.

 

 

  • The Hunger Games: Catching Fire / Die Tribute von Panem: Catching Fire (USA 2013)
  • Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Donald Sutherland, Woody Harrelson, Philip Seymour Hoffman, Stanley Tucci, Lenny Kravitz, u.v.a.
  • Regie: Francis Lawrence
  • Drehbuch: Simon Beaufoy, Michael Arndt, Suzanne Collins (Roman)
  • Budget: 140 Mio. Dollar
  • Laufzeit: 146 Minuten
  • Deutschschweizer Kinostart: 21. November 2013
Mike Mateescu / Do, 21. Nov 2013