Der Nebel vor dem blendend weissen Himmel

Moviekritik: A White, White day
Bildquelle: 
© Xenix Filmdistribution

«A White, White Day» meint nicht einen verschneiten Wintertag mit der Familie vor dem Kaminfeuer. Wer sich schon einmal länger im Norden aufhielt, wird es nur zu gut kennen; der Nebel liegt tief und verschleiert den hellweissen Himmel dahinter. Man sieht nur, was sich direkt vor einem befindet und manchmal auch dies nicht so recht. Wenn der Dunst sich auflöst, erscheint die weltliche Kulisse vor dem immer noch blendend weissen Himmel, der wie ein Bettlaken dahinter aufgespannt scheint. Vor diesem Hintergrund spielt der Film von Hlynur Pálmason.

 

Die erste Einstellung des Films zeigt ein kleines Gebäude auf einer hügeligen Wiese. Langsam beginnen die Bauarbeiten am kleinen Haus, manchmal sind Islandpferde zu sehen und der Himmel ist im stetigen Wechsel, mal strahlend blau, mal mit Wolken, dann wieder düster und verdunkelt. An diesem Haus arbeitet Ingimundur (Ingvar Sigurðsson) für seine Enkelin und Tochter und ihren Freund, der dann auch einziehen dürfte. Als Polizist kann er nicht mehr arbeiten, dafür trifft er sich regelmässig mit einem Therapeuten, der ihm mit den immer gleichen Fragen begegnet. Seine Frau verstarb bei einem Unfall, als sie an einem weissen Tag die Kurve in der Strasse nicht rechtzeitig sah und mit ihrem Auto durch die Absperrung ins Meer hinunterfuhr. Nebst der Trauer um seine verstorbene Liebe, beschäftigt Ingimundur aber auch die Frage wie und mit wem seine Frau ihr Leben verbrachte.

  

Das Werk ist der zweite Langfilm des finnischen Regisseurs, der bereits mit «Vinterbrødre» 2017 auf sich aufmerksam machte und am Wettbewerb des Locarno Film Festivals mit vier Preisen ausgezeichnet wurde. Bevor er sich zum Filmemacher an der Danish National Film School ausbilden liess, war er als bildender Künstler tätig. «A White, White Day» ist sowohl visuell - dank der Kameraführung von Maria Von Hausswolff - wie auch inhaltlich ein wunderschönes Werk geworden. Für Hlynur Pálmason war es wichtig, wie er in einem Interview sagte, dass der Film – gleich wie andere Kunstwerke, die er mag – respektvoll und offen für Interpretation bleibt. Daher bleibt es den Kinobesuchern selbst überlassen, was sie für sich mitnehmen; eine düstere, etwas schräge Geschichte eines erschütterten Mannes, der seiner verstorbenen Frau nachspioniert oder ein einfühlsames Portrait eines Grossvaters, der seine Enkelin bedingungslos liebt und für sie ein Haus an der eindrücklichen Küste Islands baut. Unterstrichen werden die verschiedenen Emotionen im Film durch einen bewegenden Soundtrack. Der Film endet mit Leonard Cohens Memories mit den Liedzeilen «I walked up to the tallest and blondest girl […] in solemn moments such as this I have put my trust and all my faith to see , I said all my faith to see, her naked body».

 

  • A White, White Day (Island, Schweden, Dänemark, 2019)
  • Regie: Hlynur Pálmason
  • Besetzung: Ingvar Sigurðsson, Ída Mekkín Hlynsdóttir, Hilmir Snær Guðnason, Björn Ingi Hilmarsson, Elma Stefanía Ágústsdóttir, Sara Dögg Ásgeirsdóttir
  • Länge: 109 Minuten
  • Kinostart: 4. November 2019

 

Der Film wird am Zurich Film Festival viermal gezeigt:

 

  • 28. September, 18:00 Uhr, Arena 3
  • 30. September, 15:45 Uhr, Corso 2
  • 04. Oktober, 21:30 Uhr, Corso 2 (laut zff.com mit Anwesenheit von Regisseur Hlynur Pálmason)
  • 06. Oktober, 20:45 Uhr, Arthouse Piccadilly
  • Ticktes gibt es auf zff.com

 

Charlotte Foxall / So, 29. Sep 2019