Hanreti - Wenn Kreativität freien Lauf bekommt

CD-Kritik: Hanreti - Deep Sea Dream
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Plattencover / © Little Jig Agency

«Deep Sea Dream» heisst das aktuelle Album der Luzerner Band Hanreti und es empfängt mit einem eingängigen Basslauf, der entspannt in den Opener «Green In Green» übergeht und die dritte Platte der Bandgeschichte viel versprechend eröffnet. Schon im ersten Track zeigt sich, wie gekonnt Hanreti ihre Songs verstehen. Wenn beispielsweise der Song ausklingt und ein Mosaik aus Klängen langsam erlischt. Das macht hellhörig, zeugt von Verstand für Dynamik. Hat der Eröffnungssong zu viel versprochen? 

 

So viel vorneweg: nein, hat er nicht. Hanreti können die Leichtigkeit in den Melodien zwischen Jazz und Pop bis zum letzten Ton der Platte halten, überraschen immer wieder. «Poncho» etwa klingt in Facetten wie die sehr frühen Coldplay bzw. erinnert an jene Phasen, als Chris Martin und seine Band noch Hidden Tracks versteckten, die besser waren als die ganzen Alben. In anderen Momenten fühlt man sich an Phil Carmen erinnert. Aber das kann auch daran liegen, dass er auch Luzerner Wurzeln hat oder dass Hanreti sich schlicht nicht um Genre-Grenzen scheren. Denn etwas sind Hanreti nicht: eine Band ohne Profil. Sie wissen genau, was sie wollen, auch wenn die Platte extrem locker klingt, steckt sicherlich harte Songwriting- bzw. Arrangement-Arbeit drin. Beim neuen Album von Hanreti merkt man schnell, dass es eine kleine Wundertüte ist, eine die musikalisch hochwertig überrascht. 

 

Hanreti - «Allday (live) / Produced by MIGN.ch»

 

Angefangen hat das Projekt Hanreti auf dem Schreibtisch von Timo Keller. Er ist Songwriter und Multiinstrumentalist, hat bis dahin für andere geschrieben und immer mal wieder Songskizzen in der Schublade behalten. Keller ist Herz und Kopf von Hanreti, geht durch die Welt und lässt sich inspirieren, wo es nur geht. Den rhythmischen Boden für die Experimente bildet dann aber schon früh in der Bandgeschichte das Schlagzeug von Mario Hänni. Am Bass, in den passenden Sekunden dominant, zurückhaltend, wenn nötig, verstärkt Rees Coray und an der Gitarre zaubert Jeremy Sigrist. So steuert jeder der vier Musiker seinen Teil zum unmöglich in eine Schublade quetschbaren Sound von Hanreti und erschaffen so eine Platte, die auch nach mehrmaligem Hören noch neue Geheimnisse offenbart. 

 

Abschliessend sei «Songbird» erwähnt, weil der Song zeitlos und gerade im Winter voller wärmender Klänge ist - vom eleganten Spiel der Instrumente über das reduziert wirkende Arrangement und dem eingängigen Gesang bis zum stylischen Pfeifen. Ein unaufdringlicher Ohrwurm und einer der schönsten Schweizer Songs seit sehr langer Zeit. 

 

Hanreti sind eine Entdeckung wert. Die dritte Platte zeigt, was entsteht, wenn vier Musiker ihrer Kreativität freien Lauf lassem. Absolut hörenswert.

 

  • Band: Hanreti
  • Album: Deep Sea Dream
  • Im Handel: bereits erhältlich. 
  • Info: Website der Band

 

Bäckstage Redaktion / Mi, 21. Feb 2018