Tiger Army Never Die! Die Psychobilly-Legenden in Zürich.

Konzertkritik: Tiger Army in Zürich
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Facebook: Tiger Army

Zum allerersten Mal überhaupt hat es die Kalifornier von Tiger Army in die Schweiz verschlagen. Ein legendäres Konzert der Psychobilly-Legenden quasi, auf welches viele Schweizer Fans Zeit ihres Lebens sehnsüchtig gewartet haben. Umso erstaunlicher, dass der Dynamo nur halbvoll war und das Publikum an diesem Abend scheinbar wenig tanz- und jubelfreudig. Die Gründe dafür können vielseitig sein: Die letzte Albumveröffentlichung («V», Mai 2016) ist doch auch schon wieder gut ein Jahr her. Ihr Album-Output ist generell nicht gerade hoch frequentiert gewesen über die letzten Jahre hinweg. Werbung wurde im Vorfeld kaum gemacht für diesen doch sehr speziellen Event. Dies, um nur wenige Gedanken dazu zu teilen.

 

Sänger Nick 13 war schon immer der Fels in der Brandung, während die Musiker um ihn herum gewechselt haben seit der Gründung der Band 1996. Zur Aufnahme ihres allerersten Albums hatten Tiger Army noch nicht einmal eine feste Besetzung! Ihr Musikstil hat sich seit damals auch stetig verändert und die Verwandlung von einer Mischung aus Psychobilly und Punk zu sehr country-lastigem Rockabilly ist auf den neueren Alben deutlich zu spüren.

 

Halb Punk, halb Pomade (Zitat schamlos geklaut von rawk.ch) stand Nick 13 nun also stoisch hinter seinem Mikro, legte eine solide, wenn auch eher uninspririerte Show ab, glotzte auffallend häufig auffordernd in die ersten Reihen des Publikums, als wolle er sie zum Mitmachen bewegen, und schunkelte ab und an während Instrumental-Einlagen in der Mitte der Bühne mit dem Kontrabassisten. Nichts besonderes tat sich da zu grossen Teilen auf der Bühne, aber die Musik sollte natürlich im Vordergrund stehen, und das tat sie auch – wäre da nicht einmal mehr eine ziemlich maue Soundqualität gewesen, die man leider im Dynamo viel zu oft antrifft. Gegen Mitte des Konzerts wurde diese aber besser und man hörte schliesslich auch den Gesang ziemlich gut heraus, der vorher beinahe gänzlich unterging.

 

Herausragend war der Kontrabassist, welcher nicht nur eine einzigartige Spielfertigkeit an den Tag legte, sondern auch noch etwas Entertainment bot. Das war eine willkommene Abwechslung zum eher eintönigen Geschehen auf der Bühne. Gegen Ende des Sets spielte er dann auch noch auf dem Rücken liegend mit Bass in der Luft, was fast so etwas wie Begeisterung im bis dahin sehr zurückhaltenden Publikum auslöste.

 

Eigentlich hätte man an diesem Konzert mehr erwartet. Zum Beispiel fliegende Bierbecher. Ein wilder Moshpit. Elektrisierende Spannung zwischen Band und Publikum. Eine ausgeklügelte und spannungshaltende Setlist. Schwelgen in Jugenderinnerungen. Aber es blieb ein zwiegespaltener Eindruck zurück von einem soliden Rockabilly-Konzert – nur halt leider nicht mehr.

 

Natascha Kiefer / Mi, 15. Mär 2017