Emeli Sandé in Hochform am St. Peter at Sunset

Konzertkritik: Emeli Sandé / Marius Bear
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Bäckstage / ©Sandra Rutjens

Sonnenbrille, weisses Shirt und eine Art helle Strickjacke trägt Marius Bear beim Gang auf die Bühne. Dazu eine graue Hose. Also eher leger und gemütlich. Das passt zum herrlichen Sommerabend und zum Mann mit der dunklen Stimme. Inzwischen ist der Schweizer mit der Soulstimme längst im fest im Rampenlicht und von Geheimtipp kann keine Rede mehr sein. Dafür ist Baer ein beliebter Act auf Schweizer Bühnen und seine Shows sind oft ausverkauft.

 

Am St. Peter at Sunset zeigt er sich in bester Laune und erzählt im 90-minütigen Set viel aus dem Nähkästchen. Man habe schon vor zwei Jahren in Kestenholz spielen sollen, dann wurde das Konzert aber wieder abgesagt. Vermutlich ist die Pandemie der Grund, Marius lässt das offen. Das Publikum zeigt mit grossem Applaus seine Freude darüber, dass es jetzt doch noch klappt. «Ihr sitzet da im Sunneuntergang, ich wott eu nöd störe», schiebt Marius ironisch nach. Er stört natürlich überhaupt nicht. Dafür spielt er Songs wie «Roses» oder «Remember Me». Der Platz ist im Vergleich zum Abend mit One Republic aber nicht so gut gefüllt. Das stört Bear nicht. «Iz chunnt en ruhige Song. Chillets biz du de Stüehl», ruft er und hält gleich darauf sein Versprechen.

 

Mitten in St. Gallen den Mond anheulen

 

Exemplarisch für den charmant-redseligen Musiker ist die Geschichte zum Song «Wish I Could Tell The Moon». Er hat ihn während der Corona-Zeit geschrieben. Damals sei er viel im Ausgang gewesen. Eines Nachts hat er mitten in einem Park in St. Gallen den Mond angeheult und diesen Song gesungen. An diesem Sommerabend passt der Song ideal, auch wenn der Mond noch nicht so hoch am Himmel steht. Marius Bear zeigt eine starke Show und heitzt für eine Soul-Lady aus England ein.

 

Fotos: Bäckstage / ©Sandra Rohrer (sandrarohrerphotography.com)

 

Emeli Sandé kann den Schweizer aber überbieten. Sie betritt pünktlich die Bühne. Nur sie und ein Piano stehen im Schweinwerferlicht. Alles deutet also auf ein eher entspanntes Konzert hin und die Stühle auf dem Platz sind bestimmt eine gute Idee. Bei so ruhigen Konzerten besteht aber die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit im Publikum nicht so lange anhält. Tatsächlich wird im Publikum schon bald munter geschwatzt und die Musik gerät in den Hintergrund. Etwas schade, weil Emeli Sandé an diesem Abend nicht gut, sondern grossartig ist.

 

Emeli Sandé begleitet sich selbst am Klavier

 

Mit ihrer Stimme vermag die Musikerin Emotionen zu erzeugen, dass man Gänsehaut bekommt. Songs wie «River», «Hurts» oder «Next To Me», das mit Klatschen begleitet wird, zeigen die Bandbreite in ihrem Können eindrücklich. Sei begleitet sich selbst auf dem Klavier, trotzdem bleibt das ganze Set interessant und man hört ihr richtig gerne zu. Vor «Daddy» meint sie, dass dieser Song der Anfang des Ganzen gewesen sei. Eine schöne Referenz an diesen frühen Song, der ihre Karriere teils mitgeebnet hat.

 

Natürlich fehlt ihr grösster Hit, «Read All About It», nicht und so genial sie ihn auch singt, leider ist es der letzte Song des Abends. Aber irgendwie lässt sich so ein Abend, der ganz im Zeichen des Souls steht, fast nicht besser beenden. Noch einmal fährt Emeli Sandé ihre Stimme auf Hochtouren und dann endet ein beeindruckender Abend mit den letzten Tönen der hochtalentierten Musikerin, die sich in Hochform zeigt.

 

Das Double aus Marius Bear und Emeli Sandé hat bestens funktioniert. Auch wenn die Britin noch etwas mehr begeistern konnte. Wir kommen gerne wieder ans St. Peter at Sunset.

 

Infos zum Konzert

 

  • Act 1: Marius Bear
  • Genre: Soul, Pop, Blues
  • Act 2: Emeli Sandé
  • Genre: Soul, RnB, Pop
  • Datum: 7. Juli 2023
  • Location: St. Peter at Sunset, Kestenholz

 

Sandra Rohrer / So, 09. Jul 2023