Belle and Sebastian feiern 30 Jahre Spielfreude gleich doppelt im Bierhübeli
Die schottische Pop-Band Belle and Sebastian kann auf eine äusserst erfolgreiche, 30 Jahre umspannende Karriere zurückblicken. 1996 brachten sie nicht nur ein, sondern gleich zwei Debütalben heraus. Angeblich reichten im Sommer 1996 nur drei Tage aus, um «Tigermilk» aufzunehmen. Es reichte aus, um wenige Monate später vom Musiklabel Jeepster unter Vertrag genommen zu werden. So erschien bereits im November 1996 das zweite Debütalbum mit dem Titel «If You’re Feeling Sinister». Seither sind weitere zehn Alben voller melodischer Indie-Klänge entstanden, die belegen, dass die anfängliche Produktivität kein Einzelfall war.
Um ihre beiden Debüts zu feiern, ist die Band aktuell auf Welttournee. Von Europa über Süd- und Nordamerika bis nach Australien und Japan werden sie verschiedene Kontinente bereisen und ihre Fans begeistern. Diese Woche waren sie in Bern, um am Dienstag «Tigermilk» und am Mittwoch «If You’re Feeling Sinister» zu feiern. Wir durften bei beiden Konzerten dabei sein und berichten in diesem Text darüber.
Als Vorband wurde an beiden Abenden Sandra Zettpunkt bzw. ihr Kunstname Music for your heart gewählt. Nach einer 18-jährigen Bühnenpause wurde sie von Belle and Sebastian gebeten, erneut aufzutreten, was sie wiederum gerne machte, wie sie erzählte. Während ihr Auftritt am Dienstagabend noch sehr ungeschickt wirkte und ihre Unsicherheit deutlich spürbar war, blühte sie am zweiten Abend komplett auf.
Vor dem Auftritt des Hauptacts um 21 Uhr wurden an beiden Abenden eine Art Dokumentarfilme gezeigt. Am ersten Abend zeigten sie alte Videoaufnahmen der Band, vermutlich vom Sommer 1996, und eine Off-Stimmen erzählte, wie sie sich gefunden und in nur drei Tagen ihr Debütalbum erschaffen haben. Am darauffolgenden Abend wurde im zweiten Video eine Aufnahme von Ciara MacLaverty gezeigt, die auf dem Cover von «If You’re Feeling Sinister» abgebildet ist. Sie erzählte, wie es dazu kam und welchen Bezug sie zur Band hatte.
Belle and Sebastian zeigten sich an beiden Abenden in guter Spiellaune. Sie trugen die Lieder an beiden Abenden in exakt der chronologischen Abfolge der Alben vor. Während am Dienstagabend die Lichter auf der Bühne und im Publikum in Blautönen leuchteten, waren es am Mittwochabend Rottöne. Eine stilistisch perfekte Anpassung an die beiden Alben. Entsprechend war die Energie am Dienstag, passend zu «Tigermilk», ein wenig melancholischer, ein wenig bluer. Außer bei der Zugabe. So begab sich Frontmann Stuart Murdoch für «Lord Anthony» mitten ins Publikum, um Toblerone-Schokolade zu verteilen. Im Song kommt eben auch «Toblerone» vor. Einen Sprung ins Publikum wagte Stuart aber auch am Mittwoch. In diesem Sinne ist es sehr schwierig, die beiden Abende miteinander zu vergleichen oder zu bestimmen, welcher «besser» gewesen wäre.
Ein Highlight an beiden Abenden war die Performance von «The Boy with the Arab Strap», bei der Stuart und seine Band das Publikum beherzt auf die Bühne luden. Denn wenn Belle and Sebastian eines nie verlernt haben, dann ist es, die Nähe zu ihrem Publikum zu bewahren. Ein weiteres Argument für einen Konzertbesuch bei den Schotten ist die Qualität ihrer Live-Auftritte. Es überrascht deshalb nicht, dass viele Fans an beiden Tagen zum Bierhübeli kamen. Die intime Atmosphäre des Konzertlokals eignete sich perfekt für die angenehmen Musikabende.
Uns so freuen wir uns auf die nächsten 30 Jahre mit dieser liebenswerten Truppe. Möge sie unser Leben weiterhin mit dem Chaos von Hindernissen färben.





















