Jane Austens Autoverkehrsunfall

Filmkritik: Pride And Prejudice And Zombies
Bildquelle: 
Ascot Elite Entertainment Group

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass Legastheniker keine Literaturverfilmung wagen sollten. Wir alle erinnern uns noch an Joe Wright’s Versuch, Jane Austens «Stolz und Vorurteil» in eine Herzschmerz-Liebesstory à la Brönte zu verwandeln mit einer Rosamunde-Pilcher-Inszenierung. Um Lichtjahre besser ist da Emma Thompsons Interpretation von «Sinn und Sinnlichkeit», welche sich Austens Humor und Sarkasmus bestens bedient. Doch dieser amüsante Subkontext fällt nicht jedem Leser auf. Seth Grahame-Smith ist einer dieser unachtsamen Buchmenschen. Seine Ignoranz gegenüber Austens meisterlichem Werk liess Grahame-Smith sogar mit seinem Roman «Stolz und Vorurteil und Zombies» Literaturerfolg feiern. Das Ende der Menschheit ist somit nur eine Frage der Zeit.

 

Die Bennet Schwestern im Zombie-Kampf. (© Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.)

 

Doch diese Zeit mag früher kommen als gedacht, wurde Grahame-Smiths Werk nun verfilmt. Das Ergebnis ist ein «Film-Verkehrsunfall», von dem man - trotz augenscheinlicher Schwächen und Idiotien – nicht wegsehen kann. Eine Beleidigung des guten Geschmacks, die zu abstrus ist, um sie gänzlich ignorieren zu können. Das Schlimme am Ganzen: Jeder noch so geschmacklose Witz baut auf der Kenntnis jenes Romans auf, den Grahame-Smith übelst beleidigt. Wenn Lady Catherine de Bourgh als Zombiekillerin an Buffy’s beste Zeiten erinnert, versteht der Seher diesen Witz nur, wenn er weiss, wer Catherine ist und welche Rolle sie im Roman spielt. Und dieser kleine, doch weittragende Unüberlegtheit, wird das Scheitern dieses Films sein. Austen-Kenner werden hierfür kein Geld ausgeben und Austen-Neulinge werden der sehr, sehr oberflächlichen Story schwer etwas Gutes abgewinnen können.

 

 

Geheimnissvol und so zurückhaltend wie eh und je: Mr. Darcy. (© Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.)

 

Hier trotzdem der Versuch einer kurzen Zusammenfassung: Eine Zombieplage herrscht über England. Elizabeth Bennet lernt Colonel Darcy (Lichtblick des Films: Sam Riley mit «Jack Kerouac»-Stimme) kennen, den sie für sehr eingebildet hält. Darcy hingegen, kann wenig mit der Verkuppelungsmaschinerie von Elizabeths Mutter anfangen, insbesondere in Zeiten von Zombieangriffen, wenn jedes einzelne Schicksal noch so ungewiss ist. Was sich neckt, liebt sich aber und so finden die beiden zusammen. Und kämpfen weiter. Für England.

 

  

Hände weg von dieser Vergewaltigung eines Klassikers!

  

  • Pride & Prejudice & Zombies (2016)
  • Regie: Burr Steers & Seth Grahame-Smith
  • Drehbuch: Burr Steers
  • Besetzung: Lily James, Sam Riley, Jack Huston, Bella Heathcote, Douglas Booth
  • Dauer: 107 Minuten
  • Kinostart: 16. Juni 2016

 

Tanja Lipak / Mi, 22. Jun 2016