Ronnie Wood im Volkshaus: Ein Meister des echten Rock 'n' Rolls

Kritik: Ronnie Wood im Volkshaus Zürich
Bildquelle: 
Bäckstage / ©Joe Bürgi

Artikel von Joe Bürgi

 

Zum Auftakt seiner Europa-Tournee begeisterte der 79-jährige Rolling-Stones-Gitarrist das Zürcher Publikum mit großer Hingabe, zeitlosen Klassikern und berührender Nähe.

 

Welch ein Privileg für alle Anwesenden im fast ausverkauften Volkshaus: Anstatt vor zehntausenden Fans in gigantischen Arenen aufzutreten, wählte Ronnie Wood für den Start seiner europäischen Solotournee bewusst den intimen Rahmen eines Clubs. Nach 16 Jahren Pause als Solo-Künstler präsentierte sich der legendäre Rolling-Stones-Gitarrist am Dienstagabend hautnah. Es war ein Abend, der die reiche musikalische Reise des 79-Jährigen auf berührende Weise erfahrbar machte.

 

Feines Gespür für zeitlose Songs

 

Seine tiefe Verbundenheit mit der Musik war von der ersten Sekunde an spürbar. Mit einer ehrlichen Ansprache zu Beginn und den sympathischen Worten «Wish us Luck» gewann er die Herzen im Saal im Flug. Wenn ein Musiker mit einer solch gewaltigen Lebensleistung so nahbar auf die Bühne tritt, verzeiht man ihm auch eine anfängliche, charmante Bedenklichkeit im Blick. Mit federnder Leichtigkeit, unverwechselbarer Ausstrahlung und einem wunderbar feinsinnigen Gitarrenspiel trug Wood sein Publikum durch zwei mitreißende Stunden.

 

Alle Fotos: Bäckstage / ©Joe Bürgi

 

Der Abend veranschaulichte eindrücklich, über welch exzellenten musikalischen Horizont das Urgestein verfügt. Seine Zusammenstellung erwies sich als gelungene Hommage an seine Jahrzehnte umspannende Laufbahn: Von legendären Highlights der Faces-Ära über Solowerke bis hin zu inspirierten Interpretationen von Ikonen wie Aretha Franklin, Ike & Tina Turner oder unvergesslichen Blues-Meilensteinen. Der absolute Höhepunkt war eine mitreißende, hochenergetische Version des Stones-Klassikers «Can’t You Hear Me Knocking», bei der die grenzenlose Spielfreude des Meisters den gesamten Saal erfasste.

 

Perfekte Harmonie auf der Bühne

 

Dass Ronnie Wood als Gitarrist meisterhaft Atmosphäre erschafft, bewies er in jedem Riff. Wo sein charakteristischer, rauer Gesang an seine natürlichen Grenzen stieß, setzte er auf ein erstklassiges Zusammenspiel: Zusammen mit der irischen Sängerin Imelda May bildete er ein fantastisches Gespann. Mit ihrem leidenschaftlichen, kraftvollen Soul- und Gospelgesang ergänzte sie seine Stimme auf wundervolle Weise und verlieh den Arrangements zusätzliche Tiefe.

 

Das Zürcher Publikum erlebte ein durch und durch stimmungsvolles Konzert einer wahren Ikone. Ronnie Wood unterstrich eindrücklich, dass er keineswegs nur im Gefüge einer Weltband glänzt, sondern auch als nahbarer Bandleader das Zürcher Publikum souverän und mit enormem Charme zu begeistern weiß.

 

Bäckstage Redaktion / Do, 03. Sep 2026