Peter Doherty loves The Smiths

Peter Doherty im Kaufleuten
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Handybild Tanja Lipak

 

Peter Doherty: Ein Musiker, der keine Vorstellung benötigt. Der englische Rockstar lud am Sonntag ins Zürcher Kaufleuten zum Gig seiner «Eras Tour» ein. Warum auch nicht. Seine Musikkarriere spannt fast 30 Jahre und ist geprägt von unterschiedlichen Ären mit den Libertines, den Babyshambles, den Puta Madres und seiner einzigartigen Solokarriere.

 

Sehenswert ist auch die Formation, mit welcher Peter Doherty aktuell in Europa tourt. Mike Joyce von The Smiths - einer von Peters Lieblingsband, doch dazu später mehr - brillierte am Schlagzeug. Die beiden Gitarren wurden virtuos von Mike Moore (Liam Gallagher) und Jack Jones (Puta Madres, Trampoline) bespielt. Peters Frau Katia deVidas Doherty (ebefalls Puta Madres) ergänzte das Dream Team am Keyboard und Mark Neary am Bass.

 

Peter zeigte sich an diesem Abend sehr zugänglich und gut gelaunt. Support Act Junior Brother kündigte er in ruhiger und zufriedener Manier an. Umso eindringlicher blieb einem der Auftritt des Junior Brothers in Erinnerung. Dieser holte mit seiner Stimme und Gitarre eine unglaubliche Wucht hervor. Alternative Folk mit Gänsehausfaktor war das Ergebnis. 

 

Doch zurück zum eigentlichen pièce de résistance des Abends: Peter Doherty. Dieser begann sein Konzert mit «The Last of The English Roses», mit dem er sich als romantischer Lyriker zementierte. Direkt in Anschluss folgte «Killamangiro», quasi als direkter Gegenbeweis: Doherty, der britische Rockstar, liefert auch im mittleren Alter und mit Diabeteserkrankung genauso ab wie früher. Aber er ist nun dankbar, clean und am Leben zu sein, so das Fazit seines dritten Stücks «Felt better alive». Jahrzehnte und komplett verschiedene Lebensentwürfe liegen zwischen beiden Songs und doch passen sie an diesen Abend perfekt zueinander. Widersprüchlichkeiten zu vereinbaren war schon immer eines von Peters grossen Talenten. Und er lockt damit ein sehr heterogenes Publikum an. Junge Punks stiessen gefühlt aus dem Nichts zur Bühne hervor, als die ersten Takte der Babyshambles-Hymne «Fuck Forever» erklangen. Wie Ertrinkende hoben sie ihre Arme und Köpfe zuvorderst auf dem Bühnenrand empor. Alles, um nur ein Stück von Peters Mikrophon zu erhaschen, dass dieser ihnen entgegen hielt beim eingängigen Refrain des Songs. 

 

Peter liebt nicht nur seine Fans, er zelebriert auch äusserst öffentlich und schonungslos seinen eigenen Fanboy. Dies insbesondere für zwei Bands. Zum einen The Velvet Underground, dessen «Ride into the Sun» zum Standardrepartoire gehört. Zum anderen natürlich für The Smiths, deren Lieder oft als Intro vor seinen Show abgespielt werden. Und nun steht mit Joyce ein Original Bandmiglied mit auf Peters Tourneebühne. Kein Wunder stand im Kaufleuten «How soon is Now» auf dem Programm. Und als grosse Zugabe schliesslich «There’s a light that never goes out» -  inklusive lauthals mitsingendem Publikum. Ein Triumph für Peter, für The Smiths, fürs Leben und fürs Zelebrieren unterschiedlicher Musikrichtungen, Lebenswege und Generationen.

 

Tanja Lipak / Do, 19. Feb 2026