Party ohne Ende: Friska Viljor brachten Zürich zum Kochen

Konzertkritik: Friska Viljor
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Promobild / Friska Viljor

Gegen eine fröhlich und ungehemmt herumschwatzende Menschenmenge kommt man alleine mit Gitarre selten an. So musste leider auch die kanadische Singer/Songwriterin Mo Kenney als Support von Friska Viljor im Stall 6 kräftig gegen eine Wand von Geplapper ankämpfen – und konnte dadurch leider nur ein paar wenige aufmerksame Zuhörer erreichen. Dabei stand da vorne auf der Bühne ein wirkliches Juwel, das einiges zu bieten hatte: Eine angenehme, leicht rauchige Alt-Stimme, kreative, leichtfüssig vor sich hinplätschernde Gitarrensongs und hübsch anzuschauen war die junge Sängerin auch noch. Zu schade, war das eher junge Publikum bereits bis in die Zehenspitzen auf Party eingestellt und deshalb ungeduldig auf den Hauptact wartend kaum von der ruhigen, sympathischen Kanadierin zu überzeugen. Mo Kenney liess sich davon aber die Laune nicht verderben und zog ihr Set tapfer und gewissenhaft durch, was man ihr mit ihren zarten 25 Jahren hoch anrechnen muss.

 

Bis in die Zehenspitzen auf Party eingestellt

 

Friska Viljor machen es einem wirklich nicht einfach, ein Review zu schreiben. Schliesslich sollte man ja, trotz Emotionen, nicht allzu subjektiv berichten, sondern einen fundierten Beitrag schreiben. Wenn einen aber vom ersten Ton an die Musik schlichtweg überrennt und man kaum mehr eine Sekunde stillstehen kann, wenn die Gitarre sich ins Hirn schlängelt, das Schlagzeug in den Beinen vibriert und der Bass im Bauch dröhnt, dann fällt es wirklich schwer, objektiv zu sein.

 

Die schwedischen Jungs von Friska Viljor sind seit ihrer Gründung vor ziemlich genau 10 Jahren bekannt als Partykommando und ausserordentlich wilde Liveband. Diesem Ruf wurden sie auch im Stall 6 in Zürich wieder mehr als gerecht. Mittlerweile kann die Band schon auf eine ordentliche Karriere zurückblicken und zeigte mit dem Set einen bunten Querschnitt aus ihren bisher 6 Studio-Alben. Das letzte davon, My Name is Friska Viljor, ist gerade erst diesen Sommer erschienen. Sowohl die alten Hits wie auch das neue Material funktionierten live bestens und das dankbare Publikum zeigte sich tanz- und singwillig. Kein Wunder, denn bei beinahe jedem ihrer Songs überkommt einen unwillkürlich das ungestüme und völlig irrationale Bedürfnis, wie blöd herumzuhopsen und mit den Armen zu fuchteln.

 

Gutes Händchen für Dramaturgie

 

 

Trotz dieser ausgewogenen Mischung an Songs und dem stetigen Spannungsbogen explodierte die Stimmung im Stall natürlich erst recht bei Hits wie «Shotgun Sister», «Arpeggio», «On and on», «Oh-Oh» oder dem neuen Hit «In My Sofa I’m Safe». Hier bewiesen die Schweden übrigens ein sehr gutes Händchen für Dramaturgie: bereits nach einer Dreiviertelstunde verliessen die Jungs die Bühne – aber auch nur, um danach kaum mehr mit Zugabeblöcken aufhören zu wollen und die Stimmung mehr und mehr zum Kochen zu bringen.

 

Trotz Soundbrei bei den ersten paar Songs, was später zum Glück deutlich besser wurde, war es einmal mehr ein typisches, energie-überschäumendes, ekstatisches Friska-Viljor-Konzert. Trotz 10-jährigem Jubiläum haben sie keine Spur an Qualität und Spielfreude eingebüsst, ganz im Gegenteil: die Band scheint besser und besser zu werden. Also ein rundum erfreulicher und elektrisierender Konzertabend.

 

Friska Viljor sind ein Garant für gute Laune und erstklassige «Hüpf»-Musik. Die Schweden sind nach zehn Jahren ein eingespieltes Team und das Publikum feiert sie. So soll es sein. 

Natascha Evers / Di, 10. Nov 2015