Jessie J suchte an der Baloise Session die Nähe zum Publikum

Kritik: Jessie J / Dana @ Baloise Session
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Bäckstage / ©Sandra Rutjens

Die Bieler Sängerin Dana ist aktuell in aller Munde und konsequent dabei, sich in der Musikbranche fest zu etablieren. An der Baloise hat sie kurz für einen kleinen Schreck gesorgt. Ihre Stimme klang hörbar heiser beim Sprechen. Oftmals ist das kein gutes Omen, doch Dana liess sich beim Singen nichts anmerken. Stabil und kraftvoll startete sie ihr Set und zog professionell durch. Dana, die den Abend eröffnete, trug ein blaues Kleid, dass nur an einer Schulter gehalten wurde.

 

Dana feierte mit ihrer Wahlfamilie

 

Immer wieder erzählte Dana Hintergründe zu ihren Songs. «Alright» dreht sich um Momente, in denen es einem nicht so gut geht. «Making up a Dad» thematisiert schwierige Beziehungen zu einem Elternteil. Aber man wählt sich seine Familie teilweise selbst aus. Das sieht auch Dana so und betonte: «Wie zum Beispiel meine Band.» Die Familie besteht aus Keyboard, Schlagzeug, Gitarre und Bass. «Coming Come» sei ihr erstes glückliches Liebeslied, betonte Dana später im Set. Bei den Zugaben drückte die Band so stark auf‘s Gas, dass sogar das Keyboard kippte. Die tanzenden Menschen am Rand der Bühne feierten mit Dana und die Festivalchefin überreichte Dana zum Schluss Blumen. Das war ein starker Einstieg in einen Abend voller Frauenpower.

 

Ebenfalls Probleme mit der Stimme hatte die zweite Frau des Abends, die britische Pop-Sängerin Jessie J. Sie sei heute noch beim Arzt gewesen, erwähnte sie und meinte, dass der Arzt auch im Saal sei. Den Saal richtig ausgenutzt hatte Jessie beim Opening. Sie startete zwar etwas zu spät mit «Big White Room», dafür schlenderte sie entspannt mitten durch das Publikum, begrüsste manche und ging langsam zur Bühne. Auf der Bühne angekommen, machte sie klar, was der Abend bringen sollte. Die Show werde akustisch sein und die Leute sollen nicht mitsingen, wenn sie an der Bühne stehen. «Ich kann euch hören.» Wie ernst das gemeint war, ist nicht so klar, aber Jessie meinte weiter, eigentlich solle man gar nicht nach vorne kommen. Zum reduzierten Set, nur mit Gitarre, Piano und ihrer Stimme, passte das aber durchaus.

 

Fotos: Bäckstage / Sandra Rutjens (sandrarohrerphotography.com)

 

Schon als dritten Songs stand «Price Tag» auf der Setlist und lancierte den Abend so richtig. Aber Jessie sprudelte vor Charme, ging auf die Leute ein und zeigte sich nahbar. Nach «Who You Are» umarmte sie ein Mädchen und bei «Burning Up» lud sie Leo aus dem Publikum auf die Bühne ein, damit er die Rap-Parts übernehmen konnte. Schon früh im Set danke Jessie für die vielen Nachrichten, die sie bekomme, wie «Jessie, du hast mein Leben gerettet». Dabei sei das gar nicht sie gewesen, sondern sie hätte nur den Soundtrack geliefert. «Ihr habt es alleine geschafft.»

 

Unveröffentlichter Song in der Setlist

 

Natürlich zeigte die erfolgreiche Britin auch ihr Können und klang – obwohl sie meinte, die Stimme sei angeschlagen – sicher und stark. Selbst «I Have Nothing» von Whitney Houston stemmte sie und das ist keineswegs einfach. Dafür bekam sie Standing Ovation. Selbst einen unveröffentlichten Song, «Sunflower», sang sie und meinte dazu, dass der Song vielleicht gar nie veröffentlicht werde. Irgendwann war die gedruckte Setlist fertig, aber Jessie J sang weiter. Wie spontan das wirklich war, bleibt ihr Geheimnis. Sympathisch ist es aber auf alle Fälle.

 

Nach rund zwei Stunden beendete Jessie das Konzert so, wie sie es begonnen hat: quer durch den Saal. Wieder flanierte sie langsam durch die Menschen und sang den letzten Song des Abends nicht für, sondern mit den Leuten an der Baloise Session.

 

Jessie J redete viel und schuf so eine Vertrautheit, eine Bühnenpräsenz, die schlicht der Wahnsinn war. Sie ging auf die Leute ein, sprach manche im Publikum direkt an, umarmte beispielsweise einfach eine Frau, weil sie weinte und sprach ihr Mut zu.

 

Jessie J war ein Genuss. Ich bin zum Fan geworden und werde sie hoffentlich wieder live sehen.

 

  • Act 1: Dana
  • Genre: Pop, Songwriter
  • Aktuelles Album: «Future Daughters»

 

  • Act 2: Jessie J
  • Genre: Pop, Soul, Hip Hop
  • Aktuelles Album: «Price Tag (Sped Up) feat. B.o.B» / Single

 

  • Location: Baloise Session
  • Datum: 1. November 2023

 

Sandra Rohrer / Fr, 03. Nov 2023