Kurz vorgestellt: Sivilian

Kurz vorgestellt: Sivilian
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Pressebild / ©Sivilian

Das Genre der Songwriter ist aktuell international wieder gross in Mode - Musikerinnen und Musiker, die mit stilsicheren Beobachtungen das Leben in kleinen, musikalischen Edelsteinchen abbilden und so zum Nachdenken anregen. Im Optimalfall verpackt in ein eindringlich klingendes Gewand. Dazu zählt Sivilian. Der junge Musiker wuchs im kleinen Dorf Goldiswil auf, umringt von rund 1000 Menschen, die eine kreative Gemeinschaft bildeten. Schon früh blühte seine Liebe zur Musik auf. Die erste Schulband folgte und 2013 gründete er seine erste Band mit einer früheren Klassenkameradin. 2020 schliesslich fühlte er sich bereit für eine Solokarriere. Der Künstlername Sivilian ist bewusste Konstruktion: «Meine Schwester heisst Silvia, ich heisse Adrian. Sie hat mich damals zu meinem Solo-Projekt ermutigt, deshalb steckt ein Teil von ihr und ein Teil von mir im Namen. Zudem gefällt mir die englische Bedeutung von «civilian» [deutsch: Zivilist], es hat etwas Nahbares und Bodenständiges.» Sivilian war schon früh wichtig, sich für Offenheit und Stärkung von individueller Freiheit in der Gesellschaft einzusetzen «und queere Lebensrealitäten mehr Sichtbarkeit verschaffen». Schliesslich hat er als queerer Mensch aus einem kleinen Dorf unmittelbare Erfahrungen. «Zudem möchte ich zeigen, dass auch aus einem kleinen Schweizer «Dörfli» glitzernder Indie-Pop entspringen kann», so Sivilian.

 

Mit der Single «Versailles» greift der Musiker nun lyrisch ein aktuelles Kapitel auf: Kosten in Alltag. Jetzt nicht unbedingt das Thema, das von einem Songwriter primär erwartet wird. Im konkreten Fall war aber das Leben beteiligt, dass Sivilian den Finger in die soziale Wunde legt. Die Grossmutter von Sivilian ist tragischerweise verstorben. So wurde ihm bewusst, was damit für Kosten verbunden sind, vom Papierkram ganz abgesehen. Fast zeitgleich hat er seine Wohnung in Zürich wegen einer Mieterhöhung aufgeben müssen und bekanntlich ist die Wohnungssuche in der Limmatstadt kein Zuckerschlecken.  So ist ihm die Zeile «I can’t afford to live, can’t afford to die» eingefallen und sie wurde zur ersten Zeile des Chorus`. Der Titel «Versailles» spielt natürlich auf die dekadente Lebensweise in Frankreich vor der Revolution an und ist aus einem Gefühl von Überforderung entstanden. Steigende Kosten, Wohnungssuche, Rechnungen und der menschliche Verlust führt Sivilian als Einflüsse auf. Aber auch «diesen bedrückenden Gedanken, dass ich mir heute weder das Leben noch das Sterben leisten kann.» Aber – und das merkt man rasch beim Hören – Sivilian lässt sich nicht hängen, erkennt die hellen Stellen um ihn herum. So sieht er den Song gleichzeitig als Liebeslied an «Menschen, an Freundschaften, an all jene Beziehungen, die für mich den wahren Luxus im Leben ausmachen. Für mich ist «Versailles» deshalb eine Person, vielleicht auch mehrere Menschen und Freundschaften, die mein Leben prägen.»

 

«Versailles» zeigt künstlerisch zwei Aspekte. Einerseits ist da die musikalische Identität, die sich irgendwo zwischen Beats, die etwa an Harry Styles erinnern, und klassischem Songwriting bewegt, und rasch klar macht, wohin uns Sivilian künstlerisch führen möchte. Dazu kommt der Text, der wie bereits erwähnt, soziale Themen aufgreift. Sivilian war das schon immer wichtig. Dazu hält er immer wieder Beobachtungen in einer Notizbuch-App fest. So habe ihn auch der Text zu «Versailles» deutlich länger begleitet, «als es der finale Song vermuten lässt». Manche Sätze wurden gar über Wochen und Monate immer wieder bearbeitet und geschliffen. So hatte Sivilian viele Eindrücke und Einflüsse, die am Tag X doch rasch zum Song führten: «Den finalen Text habe ich gemeinsam mit Songwriterin Dana Burkhard und dem Produzenten Benjamin Schmid innerhalb eines Tages geschrieben.»

 

Bleibt abschliessend eine letzte Frage zu «Versailles»: Wie geht man ein so ernstes Thema an, damit es poppig-locker klingt? Sivilian sieht das pragmatisch: «Humor war fast die einzige Möglichkeit, diese schweren Themen in einen Song zu übersetzen. Mich hat genau dieses Spannungsfeld gereizt. Ein Song, der charmant daherkommt, vielleicht fast verspielt wirkt, und erst im zweiten Moment seine eigentliche Tiefe entfaltet.»

 

* «Versailles» ist ab dem 17. April 2026 überall erhältlich.

* Mehr Informationen zu Sivilian gibt es auf der Künstlerwebsite.

 

 

Bäckstage Redaktion / Fr, 17. Apr 2026