Play it again, Tom

Movie-Kritik: The Edge of Tomorrow
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© 2014 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Im Monbijou Quartier in Bern gibt es eine Scientology Kirche. Augenrollen und doofes Grinsen gehören dazu, wenn man dort vorbeigeht. Und über den bekanntesten Scientologen der Welt witzeln. Dass dieser aber nach wie vor Garant für gute Sci-Fi-Unterhaltung ist, wird meist vergessen. Zeit also, mit Tommy-Boy wieder einmal die Welt zu retten. Und da Übung bekanntlich den Meister macht, scheitert Cruise in diesem Film gefühlte tausend Mal. Kein Problem für den Actionhelden, denn er erlebt den gleichen Tag immer wieder.

 

Cage macht weder im Gefecht (Bild 1) noch vor Rita (Bild 2) eine gute Figur. (Mit Maus über Bild fahren).

 

In naher Zukunft haben bösartige Aliens die Erde angegriffen. Europa ist binnen kurzer Zeit in deren Hände gefallen. In England wird deshalb ein letzter entscheidender Angriff vorbereitet, der die Befreiung der Normandie zum Ziel hat. Dieser strategische Schachzug soll der Menschheit zugleich neue Hoffnung geben. Deshalb plant General Brigham (Brendan Gleeson, «The Guard») eine grossangelegte mediale Übertragung, die von Major William Cage (Tom Cruise, «The Minority Report», «Vanilla Sky») geleitet werden soll. Doch dieser ist im Nahkampf komplett unerfahren und weigert sich mitzumachen. So wird er kurzerhand als Deserteur an die Front geschickt und stirbt. Einmal, zweimal, dreimal, bis er die Geschehnisse seines letzten Tages, der sich in eine Endlosschleife verwandelt hat, zu nützen beginnt.

 

Beim 10., 15., 20. Mal zeigt Rita Interesse (Bild 1 & 2).

 

Das Ziel von Actionfilmen ist Spannung. Die Wiederholung von immer gleichen Ereignissen fördert das Gegenteil, die Langweile. Und diese vermeidet Regisseur Doug Liman («The Bourne Identity») in seiner Adaption der Hiroshi-Sakurazaka-Novelle perfekt. Cages finalen Tag erleben wir immer wieder aus neuen Blickwinkeln und so formt sich erst mit der Zeit ein Gefühl dafür, was jeweils wirklich vorging. Erfrischend ist ebenso der Schauplatz Europa. Nach «District 9» auch bitter notwendig. Die durchtrainierte Emily Blunt gibt zudem als «Full Metal Bitch» Rita Vrataski ihr überaus gelungenes Actionfilmdebut. Die Rollenverteilung überzeugt durch die komplette Umkehr der Stereotypen, denn es ist Rita, die dem schwachen Cage jeden Tag von neuem trainiert. Ohne die sonst obligate, weichgekochte 08/15-Romanze, denn die hat die Kampfamazone nicht nötig. Gefallen an Cruise findet man trotzdem, denn dieser kann in diesem explosionsgewaltigen Epos auch charakteristisch glänzen. Wirkt er zu Beginn aalglatt, wechselt er gekonnt zu durchtrieben als er sich mit einer Erpressung vor dem Kampf drücken will. An der Front angekommen ist er dann der schweissdurchnässte Feigling, der es nicht mal schafft, seine Waffe zu entsichern. Boom - Tot. So geht es dann amüsante x-weitere Male, bis er sich Schritt für Schritt zu einem sympathischen Helden entwickelt.

 

«The Edge of Tomorrow» liefert nicht nur erstklassige Action und 3D-Effekte, sondern überzeugt mit einer spannenden und intelligenten Story, die einen - insbesondere durch ihr geniales Ende - komplett den Atem raubt.

 

 

  • The Edge Of Tomorrow (2014)
  • Regie: Doug Liman
  • Drehbuch: Christopher McQuarrie, Jez Butterworth, John-Henry Butterworth
  • Besetzung: Tom Cruise, Emily Blunt, Bend Mandelsohn, Bill Paxton, Brendan Gleeson
  • Dauer: 113 Minuten
  • Ab dem 29. Mai im Kino
Tanja Lipak / Mi, 28. Mai 2014