Neues aus Schnuffhausen

Konzertkritik: Die Höchste Eisenbahn
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Foto: Sonja Stadelmaier

Wenn die Tage deutlich kürzer werden, der erste Schnee fällt und man lansgam, aber sicher in Weihnachtsstimmung versetzt wird, dann kann einem nichts Besseres passieren als Die Höchste Eisenbahn. Die Höchste Eisenbahn, das sind die beiden Singer-Songwriter Francesco Wilking und Moritz Krämer, die als Band-Kombo in Berlin stationiert sind.

 

Nicht nur sind die zwei Jungs gemeinsam mit ihren Mitmusikern eine durch und durch sympathische und liebenswürdige Truppe. Ihre Musik ist auch eine Wolke aus Gutfühlen und Umarmt-werden, ein musikalisches «über den Kopf Streicheln» quasi, einfach eine grosse Portion Liebe, die direkt aus den Boxen ohne Halt ins Publikum überschwappt. Was kitschig klingt, entpuppt sich als angenehmes und unaufdringliches Erfolgsrezept der Band. Auch wenn man sich sträubt und gerne genüsslich dem Winterblues frönen möchte, kann man sich nicht dagegen wehren. Denn die Stimmung sowohl in der Band wie auch im Publikum ist derart erfrischend herzlich und unverblümt ehrlich freudig, dass man sich diesem Gemeinschaftsgefühl überhaupt nicht entziehen kann.

 

Einfach nur das Leben, wie es ist, mit all seinen Ecken und Kanten.

 

 

Und so wippt der Fuss sogleich gesellig zu den dahinplätschernden und eingängigen Pop-Songs mit, der Kopf schwenkt sich im Takt zur Seite und das Grinsen auf den Lippen wird breiter und breiter. Die Texte sorgen für verständnisvolle Gesichter im Publikum, sind sie doch direkt aus dem Leben eines Durchschnittsbürgers und Mittdreissigers gegriffen und handeln von Themen wie Freundschaft, Liebe, Leid, Arbeit und diversen Alltags-Sörgeli und -Ängschtli. Die Höchste Eisenbahn brauchen kein Beschönigen, kein Daherreden, keine poetischen Höchstleistungen, nein, sie präsentieren ihren Zuhörern einfach nur das Leben, wie es ist, mit all seinen Ecken und Kanten.

 

Auch die Show ist dementsprechend dezent und trotzdem läuft da was auf der Bühne, wechseln sich Krämer und Wilking schliesslich immer wieder unter den Instrumenten und Mikros auf der Bühne ab. Auch die Anekdoten und Witzeleien zwischen den Songs sorgen für ein noch gemütlicheres, familäreres Ambiente und Zurufe aus dem Publikum werden sorgfältig und gekonnt mit in die Unterhaltung eingebaut. So sorgt auch der Zuruf «Ihr seid solche Schnuffis!» für den nächsten Wortwechsel zwischen Band und Publikum, woraufhin die Frontmänner dann trocken kommentieren, dass sie ursprünglich ja auch alle aus Schnuffhausen kämen, ausser einer der Band, der stamme aus Schnuffingen. Und nach soviel musikalischer Liebe und Freude nimmt man den Jungs diese Plattitüden auch gar nicht krumm, passen sie doch genau ins Gesamtkonzept des Abends.

 

Es bleibt ein wohliges Lächeln auf dem Gesicht zurück und dem Zürcher Publikum hätte nichts Schöneres passieren können, als dass Die Höchste Eisenbahn ihre Tour noch ein wenig verlängert haben und nach der ausverkauften Zürcher Show im Frühjahr nun dieses intime, wunderbare Konzert im Papiersaal gespielt haben. Merci!

 

Natascha Kiefer / Di, 21. Nov 2017