Nazareth bringen ein Stück Musikgeschichte ins Z7

Konzertkritik: Nazareth im Z7
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Lars Müller

Wo Nazareth drauf steht, ist Nazareth drin - auch nach einem halben Jahrhundert Bandgeschichte. Gut, von den Gründungsmitgliedern ist inzwischen nur noch Bassist Pete Agnew mit von der Partie. Aber auch Gitarrist Jimmy Murrison und Drummer Lee Agnew spielen schon seit den 90er-Jahren für die erfolgreiche schottische Hardrock-Band. Hingegen fast schon brandneu ist Sänger Carl Sentance. Er hat 2015 Dan McCafferty ersetzt, vermag die grossen Fussspuren aber gut auszufüllen. Mit ihm hat die Band letztes Jahr auch das neuste Studio-Album «Tattooed on My Brain» veröffentlicht, das sich ebenfalls nicht hinter seinen zahlreichen Vorgängern verstecken muss und übrigens von einem Basler produziert wurde. 

 

Auch an diesem 4. April kommen die Besucher im Prattler Z7 nach einem sehr langen Dudelsack-Intro in den Genuss neuer Songs wie «Razamanaz» oder den Titelsong, abwechslungsreich eingerahmt von älteren Hits wie «Hair of the Dog», «Dream On» oder natürlich der Mega-Ballade «Love Hurts», die fleissig mitgesungen werden. Was auffällt: Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, die so viele Jahre auf dem Buckel haben, werden auch die neuen Songs vom Publikum freudig angenommen und abgefeiert. Und das, obwohl es sich um die «50 Years Anniversary Tour» handelt und nicht etwa um die zugehörige Tournee zum neuen Album. 

 

Auffallend ist auch - angesichts der langen Existenz der Band - das junge Alter vieler Zuschauer. Sie feiern die alten und neuen Songs von Nazareth mindestens so ab wie die etwas reiferen Besucher. Die Band selbst scheint sich währenddessen mindetens so jung zu fühlen wie ihr Publikum. Jedenfalls sind sie voller Energie und scheinen mit keinem Song müder zu werden. Die Töne sitzen und die Qualität ist wunderbar - hier besteht im Z7 aber sowieso selten Grund zur Klage. 

 

Luft nach oben besteht hingegen bei der Support-Band. Formosa aus Essen spielen zwar guten, frischen Hardrock in 80er-Jahre-Manier. Leider aber bleiben die Songs kaum im Gedächtnis, was natürlich besonders schwierig ist, wenn danach so eine Wahnsinns-Band wie Nazareth kommt. Mit ein bisschen knackigeren Melodien hätte Formosa aber grosses Potenzial. 

 

Nach gut eineinhalb Stunden Spielzeit verliessen die Besucher zufrieden das Lokal. Einmal mehr haben Nazareth bewiesen, dass sich ein Besuch ihrer Konzerte noch immer lohnt - sowohl mit alten als auch mit neuen Songs.

 

Ein sehr gelungenes Konzert an dem Mega-Hits in ernster Konkurrenz zu den neuen Songs der legendären Band standen - eine Seltenheit. 

Seraina Schöpfer / Sa, 13. Apr 2019