Zehn Jahre Bäckstage.ch – ein kurzer Rückblick

Rückblick: 10 Jahre Bäckstage.ch

 

Für das Jahr 2012 prophezeiten manche den Weltuntergang, weil der Kalender der Mayas endete – oder so ähnlich. Bekanntlich dreht sich die Erde zuverlässig weiter. In unserem Fall ist sogar eine neue Welt erschaffen worden. Am 21.02.2012 war Bäckstage.ch erstmals im Netz für alle interessierten Menschen zu finden.

 

Seither hat das Team hinter Bäckstage mit viel Leidenschaft und Herzblut Interviews geführt, Filme und CDs beurteilt, Festivals besucht und ist bei vielen, sehr vielen Konzerten im ganzen Land (und hin und wieder auch im Ausland) in die Stimmung und die Musik abgetaucht. Wichtig war uns von Anfang an, eine Brücke zwischen dem oft verrufenen Mainstream und den kleinen, alternativen Strömungen zu bauen. In beiden Welten gibt es Perlen, aber auch Mist.

 

Relativ bald hat sich ein kleines Fototeam formiert, sodass viele Kritiken mit eigenen Fotos bereichert wurden. Fotostrecken als Ergänzung zu Kritiken zeigten bekannte Namen wie P!nk, Muse, Red Hot Chili Peppers, Dropkick Murphys, The Rolling Stones, Katy Perry, Caroline Chevin, Conor Oberst, Mighty Oaks, Coldplay, Krokus, Joss Stone, Bruce Springsteen, Stefanie Heinzmann, Jennifer Rostock, Iron Maiden, Sunrise Avenue, Kraftwerk, Shawn Mendes, Alice Cooper, Sigur Ros und viele mehr.

 

Nachdem die Politik praktisch alle Massnahmen gegen die Corona-Pandemie aufgehoben hat, nimmt der Kulturbetrieb hoffentlich schnell wieder Fahrt auf, so dass sich unser Magazin wieder etwas mehr mit Konzertkritiken und Fotos füllt. Wir freuen und auf die nächsten Jahre und sind gespannt, was noch kommt.

 

Bevor wir einen Blick auf oft gelesene Artikel sowie Tops und Flops aus den bisherigen Bäckstage-Jahren legen, möchten wir uns herzlich bedanken. Zuerst bei allen kreativen Köpfen, die über die Jahre hinweg die Redaktion begleitet und ihre Gedanken in Worte gefasst haben. Aber auch bei allen Partnern und Veranstaltern, die eine redaktionelle Arbeit erst möglich machten, weil wir Presseplätze und Fotopässe bekommen haben. Und nicht zuletzt danken wir allen Leserinnen und Lesern, die Texte lesen und an Verlosungen teilnehmen.

 

Seit 2012 sind über 2500 Artikel erschienen. Rein an den Klickzahlen gemessen, sind diese zehn Artikel die meistgelesenen:

 

Platz 10: Interview mit Jamie Lawson (2028 Klicks)

 

Platz 9: Konzertkritik: Måneskin im Kaufleuten (2219 Klicks)

 

Platz 8: Filmkritik zu «Toni Erdmann» (2357 Klicks)

 

Platz 7: Konzertkritik: OK KID im Eldorado (2357 Klicks)

 

Platz 6: Interview mit Wincent Weiss (2887 Klicks)

 

Platz 5: Blind Date-Interview mit Fettes Brot (3730 Klicks)

 

Platz 4: Filmkritik zu «Fast & The Furious 6» (4698 Klicks)

 

Platz 3: Filmkritik zu «Turn Me On, Goddammit» (4893 Klicks)

 

Platz 2: Filmkritik zu «Eden» (5578 Klicks)

 

Platz 1: Konzertkritik: Unheilig im Hallenstadion (7582 Klicks)

 


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Über zehn Jahre hinweg sind sehr viele unterschiedliche Erlebnisse und Erfahrungen zusammengekommen. Positive und negative. Wir haben in beiden Bereichen fünf Punkte ausgesucht:

 

Top 5

 

1: Besuch beim Aufbau für «The Wall» im Letzigrund

 

Wenn man bei einem Konzert mit glänzenden Augen vor der Bühne steht und über die grosse Produktion staunt, taucht irgendwann wahrscheinlich der Gedanke auf, was wohl alles nötig ist, um so eine Show über die Bühne zu bringen. Wir hatten beim Auftritt von Roger Waters im Letzigrund (11. September 2013) die Gelegenheit, die Bühnenkonstruktion schon im Vorfeld zu sehen und einen kleinen Einblick zu geben. Veranstalter Good News hat uns sogar ermöglicht, gleich zweimal im Stadion vorbeizuschauen und so den Fortschritt noch etwas genauer zu beobachten. Das ist nicht selbstverständlich und zählt klar zu den Tops in den ersten zehn Jahren.

 

2: Interview mit Frank Turner

 

Schon sehr früh, haben wir versucht, Interviews mit internationalen Acts zu bekommen, sofern sie interessant genug erschienen. Bei Frank Turner, Kultfigur und Punk-Folker, ist das natürlich gar kein Thema. So war das Interview im Februar 2013 zwar nicht das erste internationale, aber mit Blick auf die Entwicklung von Frank Turner auch rückblickend eine gute Gelegenheit. Sein Konzert im kommenden Mai begleiten wir als Medienpartner und verlosen Tickets.

 

3: Berlinale 2020

 

Film war und bleibt bei Bäckstage ein wichtiges Thema. Das Zürich Film Festival war und ist fester Bestandteil der jährlichen Agenda. Im Februar 2020 haben wir uns erstmals für ein Filmfestival ins Ausland begeben. Die renommierte Berlinale war das Ziel unserer Redaktorin Tanja. Im winterlichen Berlin hat sie die Teppiche unsicher gemacht und bei Pressekonferenzen – sogar im 3. Deutschen Fernsehen zu sehen – interessante Fragen gestellt.

 

4: Blind Date-Interview mit Die Ärzte

 

Die selbsternannte «beste Band der Welt» gibt nicht sooo viele Interviews. Daher ist es manchmal etwas Glücksache, dass man Belafarinrod Fragen stellen kann. Durch eine Text-Partnerschaft mit Students.ch konnten wir mit den Ärzten erst ein reguläres Interview und gleich im Anschluss noch ein Blind Date-Gespräch führen. Total also knapp 40 Minuten äusserst amüsantes und herrlich chaotisches Querschwatzen mit allen drei Ärzten.

 

5: Der Besuch am Sziget-Festival in Budapest

 

Bei der Geschichte mit dem preisgekrönten Sziget-Festival mitten in Budapest, spielte der Zufall und ein wenig Networking mit. So hat es sich ergeben, dass wir in Kontakt mit Julia gekommen sind, die 2015 in der Schweiz die Pressearbeit betreute. Wieder war students.ch mit im Boot und so durften wir eine Person aus unserer Redaktion in die Wunderwelt auf einer Donauinsel in Ungarn schicken, um für beide Magazine zu berichten. Über 400‘000 Menschen aus über 90 Ländern reisen jedes Jahr ans Festival, das zu den schönsten auf der Welt zählt. Was auf der «Island of Fredom», wie das Festival auch genannt wird, an Eindrücken auf die Menschen einprasseln, lässt sich kaum in Worte fassen. In jedem Winkel ist Kreativität zu spüren, sind Bäume oder Puppen erleuchten, schweben knallbunte Schirme über den Wegen, man findet Zirkus und Theater, Kunstinstallationen und das Line-up ist so bunt wie riesig. Wir hatten zudem bei einigen Konzerten Zutritt zum Fotograben. Da sind selbst bei Nachmittagsauftritten schon 30 – 40 Leute mit Kamera vor dem Gesicht im Graben und Rücksicht, wie man das in der Schweiz kennt, ist im Grunde Nebensache. Das Sziget war eine durchgehend sehr beindruckende Erfahrung.

 

 

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Flop 5

 

1: Der kurzfristige Entzug der Akkreditierung bei Rag ‘n’ Bone Man

 

Rag ‘n’ Bone Man ist seit ein paar Jahren eine feste und beliebte Grösse im internationalen Musikgeschäft. Vor ein paar Jahren spielte der Mann mit der Reibeisenstimme in Zürich und eine Kritik war geplant. Die Anfrage war rechtzeitig platziert und vom Veranstalter bestätigt, die Vorfreude bei Redaktorin Valeria gross. Doch wenige Stunden vor dem Konzert kam ein Anruf. Die Zusage wurde zurückgezogen. Vom Management und ohne Angabe von Gründen. Das war schon frustrierend. Aber zum Glück ist es das einzige Mal geblieben, dass so etwas passiert ist. Wichtig ist uns dabei, dass selbst der Veranstalter damals nicht wirklich verstehen konnte, wieso das passiert ist.

 

2: Der verpasste Fotopass bei Celine Dion

 

Manchmal ist auch die Technik schuld. So hat Celine Dion am 15. Juli 2017 im Berner Stade de Suisse gesungen und auch hier waren die Anfragen rechtzeitig gemacht und bestätigt. Jetzt ist es aber oftmals so, dass im Vorfeld ein Fotovertrag unterschrieben werden muss, der von Veranstalter per Mail verschickt wird. So auch bei Celine Dion. Leider landete der Vertrag im Spam der Fotografin und wurde so nicht fristgerecht retourniert. Als die Mail entdeckt wurde, was es natürlich zu spät. Eine Kritik gab es dann trotzdem, aber natürlich ohne Fotos. Mit etwas Glück bekommen wir im Juni eine zweite Chance, wenn Celine Dion in Zürich singt.

 

3: Platzende Interviews

 

Interview will man häufig besonders gut machen und bereitet sich tendenziell fast zu gut vor. Es ist schlicht eine Frage des Respekts, dass man sich auf ein Interview richtig vorbereitet. Umso frustrierender ist es dann, wenn Interviews aus diversen Gründen nicht stattfinden. Manchmal sind es Sachen wie ein Stau oder sonst ein Zwischenfall, die dazwischen grätschen, für die niemand etwas kann. Manchmal hat eine Band kurzfristig zu wenig Promozeit – oder auch keine Lust und Energie. Am schlimmsten ist es, wenn eine Band einfach nicht zur vereinbarten Zeit auftaucht und nichts von sich hören lässt. Aber etwas versöhnlich lässt sich sagen, dass solche Sachen nur ganz selten passiert sind und nach Verzögerungen oft für ein Schmunzeln sorgten. Fettes Brot dagegen waren einmal nach einer anstrengenden Fahrt erst sehr kurzfristig in Zürich und trotzdem bereit, den Interviewtermin einzuhalten.

In der Regel lässt man ein Interview gegenlesen und absegnen, bevor es online gestellt wird. Ärgerlich ist darum, wenn eine Band keine Rückmeldung gibt und auch bei Nachfragen keine Reaktion kommt. So sind eine Handvoll Interviews in der Schublade verschwunden. Auch das ist nur ganz selten passiert, ärgert aber nachhaltig, weil man vergeblich Zeit investiert hat. Aber auch hier gilt, 99,99% der Interviews sind spannend und bleiben in guter Erinnerung.

 

4: Harte Fotoverträge

 

Fotografieren an Grosskonzerten hat eine gewisse Magie. Man steht im Bühnengraben, jenem Ort, an den nur wenige Leute reindürfen, und hat für eine begrenzte Zeit die Chance, Fotos vom Geschehen auf der Bühne zu machen. In der Regel gilt: 3 Songs, klein Blitzlicht. Danach muss der Graben wieder verlassen werden. Was erlaubt ist und was nicht, wird mit Verträgen geregelt. Meist sind die einigermassen fair. Es werden Dinge geregelt wie das Verbot, mit den Bildern kommerziellen Produkte zu erstellen und sie zu verkaufen. Regelmässig dürfen Bilder ausschliesslich in Kombination mit der Berichterstattung zum Konzert genutzt werden, also inklusive begleitende Fotostrecken in Social Media. Daneben gibt es alle Extreme. Bruce Springsteen oder die Rolling Stone haben überhaupt keine Fotoverträge verlangt. Bei anderen Band, die wir namentlich nicht nennen, wurden die Fotos sogar vor der Veröffentlichung vom Management abgesegnet, was der Fotograf erst 5 Minuten vor dem Fotografieren erfahren hat. Andere wollten die Rechte an den Bildern übertragen haben. In solchen Fällen überlassen wir es den Fotografinnen und Fotografen selbst, ob sie das Konzert fotografieren möchten. Wir haben durchaus schon auf Fotostrecken von sehr grossen Namen verzichtet.

 

5: Corona

 

Natürlich kann bei diesem Punkt niemand etwas dafür. Und natürlich ist der kulturelle Kahlschlag für Künstlerinnen und Künstler, Veranstalter, den Leuten von Technik, Licht, Ton, Catering usw. deutlich schlimmer als für unser kleines Magazin. Trotzdem bedeutete der Wegfall sämtlicher Konzerte und Filme praktisch kein Content mehr. Es zeigten sich zwar Menschen kreativ und wir haben mit einigen Musikerinnen und Musikern Interviews geführt, Filme für das Heimkino besprochen und über CDs geschrieben, aber die Live-Energie hat gefehlt. Hoffentlich hat sich das Thema Corona wirklich einigermassen erledigt und ist bald nur noch als Bier oder als Kreis um die Sonne bei einer totalen Finsternis im Wortschatz.

 

Wir möchten uns abschliessend herzlich für 10 Jahre Interesse an Bäckstage bedanken und freuen uns auf weitere spannende Momente.

 

Eure Bäckstage-Redaktion

 

Bäckstage Redaktion / Mo, 21. Feb 2022