Welcome to the Hotel ...

Moviekritik: Suicide Tourist
Bildquelle: 
© DCM Films

Der Film erzählt die Geschichte des an einem unheilbaren Hirntumor erkrankten Max (Nikolaj Coster-Waldau, «Game of Thrones»), der nach der Diagnose beschliesst, seinem Leben ein Ende zu setzen, bevor sich seine Persönlichkeit unwiderrufbar verändert. Seiner Frau Laerke (Tuva Novotny, «Borg») verheimlicht er sein Vorhaben. Ein Versuch, sich zu erhängen, scheitert an seinem Durchhaltevermögen und das mit dem Ertrinken will auch nicht so recht klappen.

 

Kurze Zeit später erhält er einen überraschenden Anruf seiner früheren Kundin Alice (Sonja Richter), die er als Versicherungsdetektiv betreut hat. Sie möchte das Verschwinden ihres Mannes Arthur aufdecken, um endlich seine Lebensversicherung in Anspruch nehmen zu können. Bei seiner Recherche stösst Max auf einen Abschiedsfilm von Arthur, der anscheinend in das mysteriöse Aurora-Hotel eingecheckt hat. Ein Hotel, das geplante und betreute Suizide anbietet, natürlich massgeschneidert auf die Wünsche des Gastes. Einmal dort eingecheckt, gibt es kein Zurück mehr. Max nimmt schliesslich aus eigenem Interesse Kontakt auf unter der Vorgabe, die Spuren Arthurs zu verfolgen. Im Hotel angekommen, begibt sich Max auf eine existentielle Reise auf der Suche nach Wahrheit und der Unausweichlichkeit des Todes.

 

Wem gehört der Tod?

 

Sterbehilfe ist in vielen Ländern noch illegal, abgesehen von der Schweiz, Mexiko, den Niederlanden und wenigen anderen Ländern. Daher gibt es viele Leute, die ihr Heimatland verlassen, um diese Dienstleistung anderswo in Anspruch nehmen zu können. Der dänische Regisseur Jonas Alexander Arnby («When Animals dreams») greift dieses Thema auf und inszeniert einen düsteren, mit wenigen humorvollen Momenten gespickten Thriller. Einige Szenen sind makaber, andere wieder fühlen sich an, als wäre mit dem eigenen Kopf etwas nicht in Ordnung. Was genau ist Realität und was sind Max’ Wahnvorstellungen? Durch Max’ Hirntumor wissen wir nie genau, was imaginär ist. Die Landschaft, in der sich das Aurora-Hotel befindet, ist atemberaubend und bedrohlich zugleich. Und helfen die Pfleger den Gästen tatsächlich bei der Erfüllung ihrer Wünsche oder spielen sie ein doppeltes Spiel? Das Ende ist unerwartet und bleibt offen, damit sich jeder perplexe Zuschauer eine eigene Meinung über Max’ Schicksal bilden kann.

 

Es sind kontroverse und dabei so wichtige Fragen, die Arnby aufgreift: Wie gehe ich mit einer unheilbaren Krankheit um? Wann ist der richtige Zeitpunkt, zu gehen? Wie viel kann ich meinen Nächsten zumuten? Lieber eines natürlichen Todes, wenn der Körper den Kampf über die Psyche verloren hat oder umgekehrt? Alleine oder im Beisein der Familie? Max’ Auseinandersetzen mit diesen Fragen und die Konfrontation mit seiner eigenen Sterblichkeit, der Wille zum Sterben, aber dann wiederum das verzweifelte Festhalten am Leben, gehören zu den starken Momenten des Films.

 

Definitiv keine leichte Kost, aber sehenswert.

 

  • Suicide Tourist (DNK, NOR, DE 2019)
  • Regie:Jonas Alexander Arnby
  • Darsteller:
    Nikolaj Coster-Waldau, Kate Ashfield, Tuva Novotny
  • Spielzeit: 90 Minuten
  • Kinostart: 11. Juni 2020

 

Jasmin Honegger / Di, 02. Jun 2020