Uhura geil!

Movie-Kritik: Star Trek: Into Darkness
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© 2013 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Nachdem James «Jim» Tiberius Kirk (Chris Pine, «Unstoppable») eine Weile seinem Traum als Captain des Forschungsschiffes Enterprise frönen durfte, bringen ihn – moralisch gerechtfertigte – Verstösse gegen die strenge Dienstvorschrift abrupt um seinen Rang. Doch es bleibt kaum Zeit, dem einstigen Status nachzutrauern. Die Sternflotte wird von einer Reihe Attentate erschüttert, wodurch Kirks Suspendierung vorübergehend verfällt. Wild entschlossen zieht er von seiner jungen Schiffscrew unterstützt los, den feigen Mörder seines Mentors zur Strecke zu bringen. Noch weiss er nicht, dass sein Gegner ein Übermensch mit ausgefeilten Racheplänen ist …

 

Bild 1: Die eigenständigen Charaktere und ungleichen Freunde Spock und Kirk ziehen am gleichen Strang, um den Bösewicht, gespielt von Benedict Cumberbatch, zu jagen. (Mit Maus über Bild fahren.)

 

Hollywoods Wunderknabe J.J. Abrams trat kein leichtes Erbe an, als er sich 2008 als Nicht-Trekkie daran machte, die legendäre Saga aus ihrem historischen Tief zu holen. Das einst so ergiebige TV-Format war unter der Führung der jahrzehntelang gleichen Produzenten ein dröges Latex-Panoptikum geworden. Und die zum «Raumschiff Rentnerprise» verkommenen Leinwand-Abenteuer der gealterten Piccard-Crew erbrachten längst keine Grosserfolge mehr. Kam erschwerend hinzu, dass die mit viel Philosophie geschwängerte Franchise neben dem simplen Gut-Böse-Denken der Starwars-Galaxien seit jeher an einer gewissen Behäbigkeit gelitten hatte. Die Kapitäne der totalreglementierten Föderation wurden allesamt von Shakespeare-Darstellern verkörpert, und mit ihren Schiffen erforschten sie weniger Sternennebel und Supernovas als die tiefgründigsten aller existentiellen Fragen. Nahrhaft für Geist und Seele, zweifelsohne, aber leider hatten Pyromanen wie etwa Popcornheld Michael Bay längst ihre Brandspuren in der Scifi-Welt hinterlassen. Wollte sich der neue Chef also kommerzielle Relevanz erkämpfen, würde er manch eingefleischtem Fan Angriffsfläche bieten müssen.

 

Intergalaktische Bromance

 

Abrams tat zwei Dinge. Zunächst zog er mit dem Fernsehhit „Battlestar Galactica“ gleich, indem er den Reboot wählte. Er bediente sich altbekannter Figuren und Schauplätze, während er mit Veränderungen zeitlicher Abläufe und Biographien Raum für neue Wendungen schuf. Und da selbst die gefährlichsten Kriegsschiffe der Sternflotte eher wie raumtaugliche Labors wirkten, schnitt er sich ein grosses Stück bei den militanten Lucas-Filmen ab. Damit er nun ein wirklich neues Publikum erreichen konnte - eines, das den Unterschied zwischen Pebbles und Photonentorpedos nicht zu wissen brauchte, legte er den Hauptfokus statt exotischer Galaxien auf die Erde. Nahm sich Zeit bei der Rekrutierung der Crew. Widmete sich liebevoll der Zeichnung zwischenmenschlicher Befindlichkeiten. Das war vor drei Jahren und brachte ihm mehr Wohlwollen als Wahres. Was also bietet der neue Film? Aufgrund der Übereinstimmungen könnte man «Star Trek - Into Darkness» fast einen Abklatsch des Vorgängers schimpfen. Ein rachsüchtiger, abtrünniger Bösewicht aus einer anderen Zeit, die Abwendung planetarer Katastrophen, Hochrisiko-Basejumping ins Nichts, Warpkern-Krisen, Spocks Wutausbruch und ein Angriff auf San Francisco. Dennoch handelt es sich um ein massives Upgrade. Die zweite Ausgabe startet überall dort durch, wo 2009 noch Sand in den Warpgondeln steckte. Getreu dem Reboot-Motto folgt die Story lose den Geschehnissen des zweiten Star-Trek-Movies «Der Zorn des Khan» von 1982. Benedict Cumberbatch («Sherlock») monetarisiert brillant sein Renommee als Intelligenzbestie und bringt von Vergeltung getrieben Terror über die Föderation. Sein überlegener Intellekt und seine schiere Unverwüstlichkeit katapultiert die Besatzung der Enterprise an die letzte Schmerzgrenze. Das schürzenjagende Glutauge Kirk und seine rechte Hand, der störrische Norm-Neurotiker Spock (Zarachy Quinto, «24», «Heroes»), müssen weit über sich hinaus und vor allem als Team zusammen wachsen, um Kahns finstere Pläne zu durchkreuzen. Und genau diese tiefe Bromance ist Dreh- und Angelpunkt des Star Trek Universums, wo Männerfreundschaften schon immer oberste Priorität hatten. 

 

Bild 1: Lieutenant Uhura scheint hochkonzentriert und hat wohl alles im Griff, während Ingenieur Scottys Gesichtsausdruck nichts Gutes erahnen lässt. (Mit Maus über Bild fahren.)

 

Das ist richtig; die Filmwelt von Star Trek war schon immer eine reine Chauvinistendomäne gewesen. Zwar gilt Schöpfer Gene Roddenberry als verdienter Vordenker der Gleichheit zwischen Ethnien und Geschlechtern, doch dieser Altruismus beschränkte sich auf die Mattscheibe. Im Kino waren Damen stets trivialere Aufgaben zugedacht. Medizinische Trikorder Gassi führen, Charme versprühen und im Ernstfall mal – ui! - einen Phaser abfeuern oder die Brücke hüten. Mit der unvergessenen Ausnahme von Alice Krige, die einst die bitterböse Borgkönigin mimte. Und selbstverständlich Kommunikationsoffizierin Nyota Uhura, die, 1966 von der dunkelhäutigen Nichelle Nichols gespielt, eine neue Ära im amerikanischen TV einläutete. Hier offenbart sich das wahrhaft unentdeckte Land der Star Trek Reihe; die weibliche Grossartigkeit. Möge bitte das nächste Abenteuer entsprechend Kurs nehmen. 

 

Enterprise entfesselt!

 

Ihrem Ruf als Ikone der Science Fiction würdig, ist dies der erste Spielfilm überhaupt, der mit IMAX-Kameras gefilmt und in der Nachproduktion auf 3D getrimmt wurde. Das flirrende Resultat ist optisch atemberaubend, auch wenn der Paramount-Berg immer noch ausschaut wie ein vergammeltes Stück weisser Toblerone. Es hat ja auch nur 47 Jahre gebraucht, für die insgesamt 703 Folgen aller fünf TV-Serien. Und die zwölf Kinofilme. Ich habe sie alle gesehen. Zweifach. Ohne je einen einzigen Merchandise-Artikel besessen zu haben. Und ich darf mit Fug und Recht behaupten; dies hier ist schlichtweg die beste Fassung. Weil sie ihrer reichhaltigen Vorgeschichte tiefen Respekt erweist, ohne sich nicht gleichzeitig mit einer gepfefferten Prise Ironie von ihr zu distanzieren. «Into Darkness» mag nicht die originellste Story aufweisen, aber mit Sicherheit die stimmigste der gesamten Reihe. Solch rasantes, schlagfertiges und intelligentes Kino weckt geradezu orbitale Erwartungen an das, was Abrams demnächst mit seiner anderen Weltraumreihe, der ebenfalls im Argen liegenden Star Wars-Saga, anstellen wird. 

 

  • Star Trek – Into Darkness (USA, 2013)
  • Regie: J. J. Abrams
  • Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Karl Urban, Zoe Saldana, Benedict Cumberbatch, Christopher Pike, Peter Weller, Simon Pegg, Alice Eve u. a. 
  • Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman
  • Dauer: 129 min
  • Budget: ca. 185 Mio. $
  • Schweizer Kinostart: 9. Mai 2013

 

Bildquelle: © 2013 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Mike Mateescu / So, 05. Mai 2013