Plattenkritik: Honig - Empty Orchestra

Plattenkritik: Honig - Empty Orchestra
Bildquelle: 
www.honigsongs.de/

Etwas seltsam mag es einem erscheinen, dass der junge Düsseldorfer Singer/Songwriter Stefan Honig ausgerechnet seinen Nachnamen benutzt, um als Sänger unterwegs zu sein. Und dass der junge, sympathisch dreinschauende Herr an der Gitarre seine musikalischen Wurzeln in einer Metal-Band haben soll, will man nur schwer glauben.

 

Musikalische Wurzeln in einer Metal-Band

 

Honig ist der aufstrebende Stern am deutschen Singer/Songwriter-Himmel, heisst es – und das wollten wir genauer wissen. Sein neues Album «Empty Orchestra» ist seit Mitte September offiziell draussen und hat mit Honigs wilder Vergangenheit nicht mehr viel zu tun. Nach seinem Erstlingswerk «Treehouse», auf welchem er hauptsächlich Arrangements von Produzent Jan Sedgwick einspielte, war es ihm ein Anliegen, beim neuen Album alles selber zu machen. So gründete er für den Release auch gleich sein eigenes kleines Label.

 

«Empty Orchestra» nimmt einen schon beim ersten Song mit auf eine spannende Reise durch sensibel gestalteten Indie-Folk, begleitet von Honigs sanfter und leicht nasaler Stimme. Diese weiss er geschickt einzusetzen und entwickelt an einigen Stellen eine kratzige Rauheit, die seiner Musik das gewisse Etwas verleiht und den Zuhörer sofort gefangen nimmt. Auch setzt er Streicherensembles, Bläser, Chorgesänge und Trommelparts gezielt ein und lässt dadurch seine Lieder in träumerische und atmosphärisch dichte Klangwelten ausbrechen.

 

Atmosphärisch dichte Klangwelten

 

Nach mehrmaligem Hören des Albums beschäftigt mich immer mehr die Frage, warum Honig sein Wunderwerk «Empty Orchestra» nennt, da es reichlich instrumentalisiert ist. Vielleicht kommt der Name daher, dass er Gitarre und Gesang zuerst live aufgenommen hat und die restlichen Instrumente und Gesänge nachträglich dazukamen? Man weiss es nicht. Nichtsdestotrotz haben seine liebevoll arrangierten Songs Ohrwurmcharakter und animieren zum Mitsingen. Durch Honigs charmant natürliche Bühnenpräsenz und seine eingängige, optimistische Musik zieht er auch immer mehr Publikum an. Lange war er alleine mit der Gitarre unterwegs, mittlerweile tritt er aber oft mit vollbesetzter Band auf. Seine ausgedehnte Herbst-Tournee ist leider soeben zu Ende gegangen. Wer ihn in der Schweiz live sehen möchte, hat dazu trotzdem bald die Möglichkeit: Am 25. Januar 2013 wird er als Support von Wallis Bird in der Roten Fabrik in Zürich auftreten.

 

 

 

 

Natascha Kiefer / Mi, 21. Nov 2012