Routine mit Mitsinggarantie
Das volle X-TRA erinnert beim Betreten mehr an ein Klassentreffen von 35-Jährigen als an ein Rockkonzert. Es haben sich all jene versammelt, die das Debütalbum «Tourist History» von Two Door Cinema Club bei seinem Erscheinen im Jahr 2010 gehört und gefeiert haben. Das Versprechen der Band für diesen Abend: Vertraute Momente ohne Umschweife. Folglich steht nicht das jüngste Werk der Gruppe um Alex Trimble im Zentrum, sondern die offizielle «Tourist History 15th Anniversary Tour».
Die Nordiren lösen dieses Versprechen von Anfang an ein: Sie beginnen mit fünf Songs, die allesamt von der Debutplatte stammen. Während das Publikum bereits bei den ersten Klängen zu tanzen beginnt, bringen Klassiker wie «I Can Talk» oder «This Is the Life» die Menge vollends zum Kochen. Der Einstieg bietet enorm viel Energie, leidet jedoch unter Problemen in der Abmischung: Das Schlagzeug – insbesondere die Snare – ist zu laut und drängt den ohnehin leisen Gesang streckenweise in den Hintergrund. Immerhin bessert sich das Klangbild zwischendurch bei Titeln wie «Come Back Home», das live noch dynamischer wirkt als auf CD, oder «Do You Want It All», bei dem die Instrumente deutlich ausgeglichener zueinander stehen. Dennoch kehrt die dominante Snare bis zum Schluss immer wieder zurück. Womöglich nicht ganz ohne Absicht: Der durchgehende, treibende Rhythmus hält das Publikum in Bewegung.
Sehr präzise, aber auch spürbar mechanisch spielt sich die Gruppe durch die Hits der ersten Jahre. Musikalisch sitzt – abgesehen von einigen Wacklern im Gesang bei «Bad Decisions» – jeder Ton, fantasievolle Experimente sucht man allerdings vergebens. Die Band spielt ihr Set zielsicher herunter und hält sich nah an den ursprünglichen Studioaufnahmen. Dass der Fokus so stark auf den alten Klassikern liegt, begründet der Gitarrist scherzhaft von der Bühne: «We want to give you value for your money!» Fast schon entschuldigend kündigt er einen der wenigen neueren Songs an – und versichert, dass man danach direkt wieder zu den alten Hits zurückkehren werde. Das Publikum irritiert dieser kurze Ausflug kaum, im Gegenteil: Die Nostalgiewelle trägt den Abend mühelos.
Zum Finale gibt es schliesslich kein Halten mehr: Bei «Sun» singt der gesamte Saal aus voller Kehle mit, bei «Undercover Martyn» verwandelt sich das X-TRA in ein hüpfendes Meer. Den krönenden Abschluss bildet «What You Know», bei dem die Band dann doch noch eine verlängerte Version mit dynamischen Variationen wagt, bevor nach einer Stunde und fünfzehn Minuten um 22:00 Uhr bereits Schluss ist. Auch hier nehmen die Musiker Rücksicht auf ihr Publikum, das – wie sie selbst – längst keine zwanzig mehr ist.
Für das Publikum ein mitreissendes Fest der Nostalgie und eine perfekte Party. Durch die extrem hohe Treue zum Debütalbum und die spürbare Routine wirkte der Auftritt stellenweise allerdings etwas gar vorhersehbar.





















