Synthie-Pop trifft Hardcore-Punk: Awolnation

Konzertkritik: Awolnation
Bildquelle: 
Facebook: Awolnation

Eliza and the Bear waren ganz klar eine Vorband, die es in sich hatte: Sie durften den Konzertabend im Zürcher Dynamo für Awolnation eröffnen. Die in London stationierte Band hat sich dem abwechslungsreichen und optimistischen Indiepop verschrieben. Die blumige Fassade und der Gute-Laune-Sound mögen jedoch arg täuschen, denn ihre Songs sind durchs Band weg packend und sehr abwechslungsreich. Trotzdem kam man während dem Konzert nicht drumherum, zu ahnen, die eine oder andere Hookline bereits einmal irgendwo gehört zu haben. Oder meinte es auch nur, da man von den Jungs einen Hit nach dem anderen um die Ohren gepfeffert bekam. Jedenfalls schafften Eliza and the Bear es, trotz etwas poppigerer Stilrichtung als die der Hauptband, dem Publikum ordentlich einzuheizen und den meist eher zurückhaltenden Zürchern bereits vor dem Hauptgig einige Mitklatscher zu entlocken.

 

stimmiger Spannungsbogen

 

Pünktlich um 21 Uhr war es dann Zeit für den sehnlichst erwarteten Hauptact: Awolnation. Einmal mehr konnte man sich live davon überzeugen, dass hinter der gehypten Band mit Red-Bull-Label im Rücken tatsächlich eine wahnsinnig talentierte und vielversprechende Truppe steckt. Mit ihrem brandneuen dritten Studioalbum «Here Come The Runts» im Gepäck starteten sie mit Vollgas in ihr Set. Dieses war vor allem geprägt von neuem Material, jedoch schien die Liederauswahl sowieso keine Rolle zu spielen: Jeder Song wurde vom Publikum frenetisch gefeiert wie die grössten Hits. Und das zurecht, denn ein derart stimmiger Spannungsbogen, der durchs ganze Konzert durch anhält, erlebt man recht selten. Awolnation schaffen es scheinbar mühelos, in ihrer Musik einen nahtlosen Übergang zwischen poppigen Indierocksongs mit Synthie-Hinterlegung hin zu regelrechten Hardcore-Punkhymnen mit Growl-Einlagen herzustellen – und trotzdem ihrem ganz eigenen Stil konstant treu zu bleiben.

 

quasi willenlos fügen

 

 

Getragen von den eindrücklichen Tanz- und Hüpfeinlagen des charismatischen und trotzdem leicht einschüchternden Frontmanns Aaron Bruno und dessen unvergleichlich starken und flexiblen Stimme baute die Band eine solide Klangmauer auf, die messerscharf durch die Boxen drang und einen zeitweise beinahe umzuhauen drohte. Ein Glück auch, ist das Dynamo ein massiver Betonbau: Die exzessiven Hüpfeinlagen des Publikums bis in die letzten Reihen hätte einen weniger stabilen Boden wohl zum Einstürzen gebracht. Die energiegeladene Stimmung auf der Bühne ergriff vom ersten Ton an die Macht über die Zuschauer. Man musste sich der magischen und rhythmisch einnehmenden Musik der Band unweigerlich hingeben und sich den beschwörenden Gesängen Bruno’s sowie den teuflischen Gitarrensoli quasi willenlos fügen.

 

 

ein überwältigendes und eindrückliches Erlebnis

 

 

Dieses Zusammenspiel von perfekt eingespielter Band, fantastischen und abwechslungsreichen Songs, gutem, sattem Sound und starker Bühnenpräsenz von Frontmann Aaron Bruno sorgte dann auch dafür, dass das Konzert bis zum letzten Ton der zweiten Zugabe, nämlich ihrem Überhit «Sail», ein überwältigendes und eindrückliches Erlebnis wurde.

 

Awolnation: Eine Band, die man unbedingt weiterhin auf dem Radar haben sollte!

 

Natascha Kiefer / Mi, 11. Apr 2018