Eine Stimme für die guten Geister

Buchkritik: Gute Geister
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1962, Jackson, Mississippi. Martin Luther King ist auf dem Vormarsch, aber noch gilt die strikte Rassentrennung. In Wohnvierteln, Schulen, Bussen und sogar öffentlichen Toiletten. Wer sich nicht daran hält, bekommt es mit Fäusten zu spüren. Egal ob es ein Schwarzer ist, der ein Schild überlesen hat, oder ein Weißer, der für die Rechte der Schwarzen kämpft. Es sei gut so wie es ist und es soll sogar noch strenger werden, meinen die führenden Damen der weißen Gesellschaft. Die Frauen haben es nicht leicht; sie sind gut genug, die Kinder ihrer weißen Ladys zu erziehen, den Haushalt zu führen und zu kochen, aber sie werden wie Vieh behandelt und dürfen ihre Meinung nicht äußern.

 

So sind auch Minny und Aibileen gezwungen, ihren Lebensunterhalt als Hausmädchen unter dem Mindestlohn zu verdienen, denn als schwarze Frau hat man keine Wahl. Das Leben der weißen Frauen dagegen verläuft völlig anders. Sie gehen aufs College, suchen sich einen Ehemann und gehen zu Wohltätigkeitsveranstaltungen während ihre Hausmädchen zuhause auf die Kinder aufpassen. Eugenia Phelan, genannt Skeeter, passt jedoch nichts ins Klischee. Mit 23 Jahren ist sie immer noch nicht verheiratet, was für ihre Freundinnen und ihre Familie untragbar scheint. Außerdem träumt sie davon Schriftstellerin zu werden und auf eigenen Füßen zu stehen, obwohl sie dank ihres Elternhauses ein sorgenfreies Leben führen könnte. Vorerst bekommt sie eine Stelle bei der örtlichen Zeitung. Sie soll eine Kolumne für Haushaltstipps verfassen. Woher aber soll ein weißes Mädchen der feinen Gesellschaft Ahnung vom Haushalt haben, wenn es dafür Angestellte gibt? Skeeter holt sich Rat bei Aibileen, dem Dienstmädchen ihrer besten Freundin. So kommen sich langsam zwei Welten näher, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die Frauen freunden sich heimlich, abseits der Blicke von Schwarzen und Weißen, an.

 

Eine Toilette entzweit die Freundschaft

 

Skeeter beginnt, die farbigen Angestellten mit anderen Augen zu sehen und so ist sie entrüstet, als ihre Freundin Hilly in der League, einem Wohltätigkeitsverein der weißen Damen der Gesellschaft, die Initiative für Hauspersonal-Sanitäranlagen vorstellt. Die Farbigen würden angeblich Keime und Krankheiten ins Haus bringen, deshalb könne man von keinem Weißen verlangen, sich eine Toilette mit dem Hauspersonal zu teilen. Erstmals beginnt Skeeter an ihren Freundinnen zu zweifeln und ihr wird klar, was die schwarze Bevölkerung alles still ertragen muss.

 

Da kommt sie auf eine Idee: sie möchte ein Buch verfassen, indem die Dienstmädchen von ihrem Alltag in einem weißen Haushalt erzählen. Als Skeeter diese Idee einer Lektorin in New York vorträgt, verschlägt es dieser die Sprache. Das Buch trifft den Geist der Zeit, denn Martin Luther King ruft zum Protestmarsch auf, dennoch ist es mehr als gefährlich solch eine Geschichte zu schreiben. So kann Skeeter zuerst auch nur Aibileen und ihre Freundin Minny überreden, bei dem Buch mitzumachen, denn schon allein die Freundschaft zwischen Schwarz und Weiß kann einem das Leben kosten. Nach und nach werden es jedoch immer mehr Frauen, die den Mut fassen, ihre Geschichte erzählen zu wollen.

 

Kathryn Stockett schreibt sowohl aus der Perspektive der farbigen Dienstmädchen Minny und Aibileen als auch aus der Sicht der jungen Weißen Skeeter. Auf diese Art fällt es dem Leser leicht, den Protagonisten ganz nahe zu kommen. Man versteht die Probleme der jungen Skeeter, empfindet nach wie einsam sie sich fühlt und wie schwer es ist, zu merken, dass auf die ehemals besten Freundinnen kein Verlass mehr ist. Aibileens stoische Art, ihr Leid zu ertragen, bringt einen zum Weinen, während man der temperamentvollen Minny am liebsten den Mund zuhalten möchte, damit sie sich nicht noch mehr in Schwierigkeiten bringt. Dabei birgt jede Persönlichkeit noch erstaunliche Charakterzüge, die man ihnen nicht zugetraut hätte und jede von ihnen steht für eine ganze Generation. Man erfährt von den unglaublich rassistischen Ansichten der feinen, weißen Gesellschaft, dem Leid und Elend der schwarzen Bevölkerung und wie schwierig es ist, sich gegen diese Stimmung zu wehren. Stocketts Roman berührt und schockiert zutiefst, man taucht in ein ganz anderes Zeitalter, in eine andere Gesellschaft ein. Kein Wunder, dass der Roman ein Bestseller wurde und die faszinierende Geschichte mit Emma Stone, Viola Davis und Octavia Spencer unter dem Originaltitel des Buches, „The Help“, verfilmt wurde. Wir empfehlen jedoch: lesen und sich eine eigene Meinung bilden!

 

  • Autor: Kathryn Stockett
  • Verlag: btb
  • ISBN: 978-3-442-75240-9
  • Im Handel erhältlich
Carola Denzel / Mo, 15. Okt 2012