Coheed and Cambria im Z7

Konzertkritik: Coheed and Cambria im Z7
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Alternative Press

Nach einer ausverkauften Mini-Tour, bei der an jedem von vier Tagen ein Album in voller Länge gespielt wurde, kam die «Neverender»-Tour letzten Dienstag auch nach Europa, genauer gesagt ins Z7. Mit im Gepäck hatten Coheed and Cambria das Album «Good Apollo, I’m Burning Star IV, Volume One: From Fear Through The Eyes of Madness», welches im Jahre 2007 der Band den ersten kommerziellen Durchbruch verschaffte.

 

Die Vorband Dinosaur Pile-Up versuchte den paar Zuschauern im wenig gefüllten Z7 mit ihrem Mix aus Nirvana, hartem Rock und ein wenig Metal einzuheizen, was nicht immer gelang, da die meisten Songstrukturen sich sehr ähnelten. 

 

Kurz nach 21:00 Uhr betrat nach dem Intro des Albums ab Band Claudio Sanchez die Bühne, um das Lied «Always & Never» akustisch anzustimmen. Die anwesenden Zuhörer kannten die Texte des Konzeptalbums gut, nur schade, haben so wenige den Weg nach Pratteln gefunden: die Halle war gerade mal zu einem guten Viertel gefüllt. Die Band hingegen liess sich nicht gross beirren und zeigte sich in hervorragender Spiellaune und bediente die Instrumente souverän und geübt. Die ersten sechs Songs markierten das Beste, was Coheed and Cambria jemals hervorgebracht haben, ausgefeilte aber trotzdem sehr eingängige Melodien, eine moderne Mischung aus Iron-Maiden-Licks, Pop-Punk-Refrains und Rush-artige Gesänge. 

 

Anschliessend gab es von der Tracklist des Albums bedingt einige Durchhänger, die im Vergleich zu den ersteren Tracks deutlich abfielen. Trotzdem traf man im Publikum alles glückliche Menschen, denen man deutlich anmerkte, dass ihnen die Band und das Album in einem bestimmten Lebensabschnitt sehr viel bedeutet hat. Diese sind nun gekommen, um jene erneut aufleben zu lassen und den Abend zu geniessen. Das 10-minütige Stück «The Final Cut» liess die Gitarristen Claudio Sanchez und Travis Stever anhand mehrerer Gitarrensoli duellieren, ein sehr passender Song, das Konzeptalbum und das reguläre Set zu beenden.

 

Die Band gab sich hingegen sehr wortkarg, Sänger Claudio ist kein grosser Redner, er lässt lieber seine Stimme und Gitarrensolis sprechen, letztere behandelt er gerne auch Hendrix-mässig mit den Zähnen über dem Kopf. 

 

So geht nach annähernd zwei Stunden ein musikalisch perfekter Abend über die Bühne, dem ein wenig mehr Zuhörer nicht geschadet hätten.

 

David Schaufelberger / Mo, 19. Jun 2017