Syd Barrett und ein rosa Känguru

Konzertkritik: The Australian Pink Floyd Show
The Australian Pink Floyd Show in Zürich
Bildquelle: 
www.bäckstage.ch / © Danny Schwenter

Es ist zwanzig Uhr. Ein kreisrunder Screen beginnt zu leuchten, eine grüne Lebenslinie schlägt munter aus, die Erde schält sich aus dem Hintergrund, umkreist von Symbolen, ikonische Gegenstände, die die Themen von «Dark Side Of The Moon» vorwegnehmen. Geld etwa oder eine Uhr. Zwei Themen, die im Kontext von Pink Floyds legendärem Album um die Welt gingen. Der Platte widmen The Australian Pink Floyd Show die erste Hälfte des Abends. 

 

Bild 1: Die Show ist ein audio-visuelles Spektakel mit viel Laser, aber auch (Bild 2) leisen Momenten, etwa dem Tribut an Pink-Floyd-Gründungsmitglied Syd Barrett. (Mit Maus über Bild fahren.)

 

Der pulsierende Herzschlag, der «Dark Side Of the Moon» eröffnet, pumpt auch im Kongresshaus als Intro zu zwei Stunden mit der Musik der englischen Psychedelic-Rockband. The Australian Pink Floyd Show sind zwar nicht das Original, aber inzwischen gelten die Australier als die beste Pink-Floyd-Coverband der Welt.

 

Selbst das markante Lachen ist da. 

 

«So geil!» tönt es aus dem Dunkel des Saals, als Laser zum ersten Mal durch die Luft flirren. Wem die Stimme gehört, ist nicht zu erkennen. Die Show stört der Zwischenruf jedoch überhaupt nicht. Die sieben Musiker und drei Background-Sängerinnen lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Vom ersten Herzschlag über das etwas dreckiger gespielte Intro bei «Us And Them» bis zum markanten Lachen - im Original von Roger Waters - bei «Eclipse» zelebriert das eingespielte Team zum 40-jährigen Jubiläum von «Dark Side Of The Moon» die komplette Platte. 

 

                Stimmlich haben sich Lorelei McBroom (Bild 1) 

                und Sänger Alex MacNamara (Bild 2) bestens 

                bewährt. 

 

Kleine Freiheiten nimmt sich die Band allerdings. Das können Andeutungen auf dem Screen sein wie George W. Bush bei «Brain Damage» oder eine Explosion, die wohl als Referenz an den Film «Zabriskie Point» gedacht ist, für den Pink Floyd die Musik geschrieben haben. Aber auch, dass sich das berühmte Stimmsolo bei «The Great Gig In The Sky» Lorelei McBroom, Lara Smiles und Emily Lynn, die als Background-Trio einen guten Job machen, teilen. Oder - und damit beendet die Band den ersten Teil des Sets - man flechtet bei «Another Brick In The Wall Part II» ein Keyboardsolo ein.  

 

Vor Leidenschaft sogar die Finger verbrannt

 

Nach der Pause startet die Band quasi in eine Best-Of-Phase. «In The Flesh», flankiert von popkulturellen Symbolen wie Pulp Fiction oder den Symbolen für Radioktivität und der Warnung vor Kameraüberwachung, «Wish You Were Here», mit «Down Under» von Man At Work als Intro beim Suchlauf im Radio, «Sorrow» und natürlich «Comfortably Numb» bilden dabei die Schwerpunkte. Letzterer sorgt dafür, dass sich eine junge Frau mit «Steht auf»-Rufen erst nicht so beliebt macht und dann zum Vergnügen der Zuschauer gleich selbst mit einem Feuerzeug durch die Reihen rennt. So lange, bis sie sich die Finger verbrennt. Die Musik von Pink Floyd weckt eben noch immer Leidenschaft. 

 

Bild 1: Zum Schluss besucht das rosa Känguru und Bandmaskottchen die Bühne. Aber schon zuvor zeigt sich die Band im besten Licht (Bild 2).

 

Was bei keiner Show von The Australian Pink Floyd fehlen darf, ist der Respekt vor dem Original. So flimmern David Gilmour, Roger Waters, Nick Mason und Rick Wright gleich mehrmals über die Leinwand, aber die circa 10 Minuten von «Shine On Your Crazy Diamond» gehören alleine dem verstorbenen Syd Barrett, der Pink Floyd mitgegründet hat. Die Band weiss inzwischen sehr genau, was sie tut und wie sie die Effekte einsetzen muss. Die Laser funktionieren immer, aber auch die dezenten Lichtsequenzen kommen beim Publikum gut an. Für Szenenapplaus sorgen einzelne Soli und natürlich das grosse rosa Känguru, das zum Schluss auf der Bühne steht. The Australian Pink Floyd Show zeigen im Kongresshaus, warum sie so einen exquisiten Ruf haben. Wer die Show schon mehrfach gesehen hat, könnte jedoch den Eindruck gewinnen, dass die Australier sich ein wenig in einem selbstgestrickten Korsett befinden. Sie spielen zwar technisch gut und gehen mit dem Material von Pink Floyd sehr geschickt um. Aber sie variieren nur minimal und immer gleich. Wieso nicht mal eine der Background-Sängerinnen «Wish You Were Here» singen lassen? Vielleicht wäre das ein zusätzlicher Wow-Effekt. Nichtsdestotrotz gelten The Australian Pink Floyd Show, wie sie in Zürich beweisen, zurecht als die beste Coverband von Pink Floyd.

 

Alle Bilder: @ Danny Schwenter für Bäckstage. Mehr Bilder in der Galerie.

Patrick Holenstein / Mo, 06. Mai 2013