Kleines Publikum - grosse Wirkung

Konzertkritik: Lacuna Coil im Z7
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Promobild

Seit rund 20 Jahren touren sie durch die Welt, haben acht Studio-Alben veröffentlicht, und gehören zu den erfolgreichsten italienischen Metalbands.

 

Im Z7 spielen Lacuna Coil am Montag, 7. November, trotzdem vor einem verhältnismässig kleinen Publikum – in Mini-Z7-Produktion, aber dennoch auf der grossen Bühne. Die Zuschauer haben somit viel Platz und Luft, und können sich ganz auf den Auftritt der Mailänder konzentrieren.

 

Vorher aber stehen zwei andere Bands auf dem Programm. Die Symphonic-Death-Metal-Band Genus Ordinis Dei haben Lacuna Coil gleich aus Italien mitgebracht. Die vier Männer können das Publikum aber leider nur spärlich aus der Montags-Lethargie reissen, was keinesfalls an mangelnder Qualität liegen kann. Eine Wand aus Riffs und rauhen Growls mischt sich mit orchestralen Melodien, und macht den Sound so auch für Nicht-Death-Metal-Fans sehr ansprechend.    

 

Bei der zweiten Support-Band ist Frauenpower angesagt. Frontfrau Maja Shining ist der unangefochtene Wirbelwind der Truppe, und sieht mit ihren schwarzweissen Haaren ein bisschen aus wie Avril Lavigne, die Metal für sich entdeckt hat. Gitarristin Maja Partsch hingegen erinnert an Schauspielerin Emily Blunt, und Bassist Mikkel Haarstrup an einen nicht ganz so extrovertierten Marilyn Manson. Die dänische Band präsentiert mitreissende Rockstücke, die vor allem von der facettenreichen Stimme leben, und das Publikum sofort abholen.

 

Lacuna Coil schliesslich, lassen ihr Publikum noch eine ganze Weile warten, ehe sie in ihren «Delirium-Anzügen» die Bühne entern und «Ultima Ratio» anstimmen. Nicht nur das Outfit sitzt, sondern auch die Töne und die Qualität – da hat man von Lacuna Coil schon ganz andere, schlechtere Auftritte gesehen. Es scheint fast, als sei die Band auf einem qualitativen Höheflug.

 

Das Publikum ist entsprechend begeistert. Besonders über die älteren Stücke wie «Spellbound» oder «Our Truth». Natürlich nehmen aber den grössten Teil der Setlist Songs aus dem aktuellen Album «Delirium» ein. Zum ebenfalls schon älteren «Depeche Mode»-Cover «Enjoy the Silence» kommt dann sogar noch eine Stimme dazu – Maja Shining von der Support-Band Forever Still teilt mit Cristina Scabbia die Bühne.

 

Viel Zeit mit Worten wird nicht verschwendet. Trotzdem ist nach 13 Songs und drei Zugaben bereits Schluss.

 

Lacuna Coil überzeugen in ihrer aktuellen Live-Show musikalisch mehr als auch schon, leider ist sie um so kürzer geraten. Dafür sind die beiden guten Supportbands ein klarer Mehrwert.

Seraina Schöpfer / Fr, 11. Nov 2016