Glen Hansard zaubert ein Lächeln auf die Lippen

Konzert-Kritik: Glen Hansard im Volkshaus
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Bäckstage / © Stephane Kaeser

Glen Hansard begann seine musikalische Karriere als Straßenmusiker in Dublin. Neben seiner Solokarriere ist er Sänger und Gitarrist der irischen Rockband The Frames und machte im Jahre 1991 erste Erfahrungen als Schauspieler im Musikfilm «The Commitments». Zusammen mit Markéta Irglová nahm er 2006 unter dem Namen The Swell Season ein gleichnamiges Album auf und gemeinsam schrieben die beiden 2006 die Filmmusik zum grossartigen Musikfilm «Once». Für den Titel «Falling Slowly» aus dem Soundtrack erhielten sie 2008 den Oscar in der Kategorie Bester Song. Im Herbst 2011 tourte Hansard als Solokünstler durch Europa und begann anschließend in New York mit den Arbeiten am ersten Solo-Album, das im Juni 2012 unter dem Namen «Rhythm and Repose» veröffentlicht wurde. Im Frühjahr 2015 erschien sein zweites Soloalbum «Didn’t He Ramble», mit welchem er nun auf Tour ist. 

 

Hansard ist bekannt für grossartige Live-Shows. Was seine Konzerte einzigartig macht, sind die bedingungslose Liebe zur Musik sowie grosse Authentizität, seine Freude an der Interaktion mit dem Publikum und vor allem aber seine grossartige Stimme, in welche er persönlichste Emotionen zum Ausdruck bringt. 

 

Fotos: Bäckstage / © Stephane Kaeser

 

Das Konzert im Volkshaus wurde eröffnet mit Songs des neuesten Albums «Didn’t He Ramble», so etwa «Grace Beneath the Pines», «Winning Streak», «Little Ruin», «McCormacks Wall». Allesamt grossartige Songs, wunderbar arrangiert mit Bläsern, Streichern und einer insgesamt 11 Köpfe starken Band. In diesem Setup war klar zu erkennen, dass sich Hansard über die letzten 20 Jahre als Singer-Songwriter etabliert hat und nun reifere, gesetztere Musik präsentieren darf, ohne sich ständig die Kehle wundschreien zu müssen. Hansard schafft es nun, all die Elemente und Einflüsse seiner langen Karriere zu verdichten und miteinander zu kombinieren, so, dass seine Musik mal als irischer Folk daherkommt, mal nach Bob Dylan mit der Stimmkraft und dem Enthusiasmus von Bruce Springsteen tönt, und neuerdings auch nach New Orleans Jazz riecht. Damit deckt er ein derart weites Spektum ab, von nachdenklichen Liebesliedern bis zu rockig mitreissenden Balladen, um jeden Musikliebhaber für sich und seine Musik einzunehmen. 

 

Glen und der Tour-Gitarrist auf dem Mischpult. (Handyfoto: © Markus Frei)

 

Richtig spannend und persönlich wurde es bei den Zugaben, wo er und sein Gitarrist auf dem Mischpult des Tontechnikers, in der Mitte des Konzertsaales, standen und zwei Songs rein akustisch und ohne Verstärkung darboten. Ganz nah beim Publikum trank Glen ein ihm hingehaltenes Bier in einem Schluck aus und spielte weiter. Zurück auf der Bühne dann, immer noch ganz akustisch – was das Publikum verstummen liess, um nichts zu verpassen – sang jedes Bandmitglied von der Cellistin über den Posaunisten bis zur Pianistin eine Strophe, in guter irischer Tradition, wie man im Pub zusammen Musik macht. 

 

Alles in allem: Erwartungen wieder einmal übertroffen, das Publikum verlässt das Volkshaus mit einem Lächeln auf den Lippen und einem erwärmten Herz.  

 

markusfreiwillis / Mo, 19. Okt 2015