Aaron Asteria: «Mindestens die Hälfte meiner Songs sind von Horrorfilmen inspiriert»
Schon mal den Namen Aaron Asteria gehört? Möglich ist das problemlos. Der Schweizer Musiker mit englischen Wurzeln ist seit einiger Zeit gemeinsam mit Bligg unterwegs und im Duett haben sie die Single «Milchstrass» veröffentlicht. Allerdings ist Aaron schon länger auch solo durchaus bekannt. Jedenfalls ist in der Kulturszene schon seit ein paar Jahren sein Name als Versprechen für die Zukunft zu hören.
Jetzt erscheint mit «No Time For Heroes» sein bemerkenswertes Debüt. Bemerkenswert, weil es lyrisch erfreutlich viel Herz und Seele hat. Musikalisch variieren die Songs im besten Songwriterstil mit einem schönen Flirt im Pop bzw. Indie. Nicht zuletzt bleibt die dunkle, voluminöse Stimme von Aaron Asteria im Ohr.
Wir haben Aaron zum Album befragt. Wir lange hat er daran gearbeitet? Wie ist er an das Album herangegangen? Wie geht er mit Druck um? Was bedeuter ihm Musik? Was ist «Tea Time»? Und wieso hat er die Film-Hexe Thomasin als Einfluss für einen Song gewählt?
Du hast englische Wurzeln. Ist der Name «Tea-Time» für dein neues Live-Youtube-Format ein Bezug darauf?
Unbewusst wahrscheinlich schon. Wäre ich Vollblut-Schweizer würde das Format vielleicht «Kafichränzli» heissen. Aber da ich Tee-Trinker bin, ist der Titel «Tea Time».
Was machst du in «Tea-Time»?
«Tea Time» ist ein Live-Format, also ungeschnitten und nicht nachbearbeitet. Jeden Sonntagabend trinke ich einen Tee in meinem Wohnzimmer und spreche mit meinem Publikum, welches über einen Live-Chat direkt interagieren kann. Ich bereite manchmal ein Thema vor, z.B. zeige ich in einer Folge meine liebsten Fan-Geschenke, aber durch die Publikumsinteraktion kann sich die Teestunde auch in eine komplett andere Richtung entwickeln.
Du hast einiges an Live-Erfahrung – solo, aber auch mit Bligg. Was bedeutet Musik bzw. das Spielen von Konzerten für dich?
Ich komme mir vor, als hätte ich enorm viel Verantwortung, sobald ich meine Songs vor einem grossen Publikum spiele. Dadurch ist jede Show für mich eine grosse Ehre. Ich liebe es, zu sehen, wie die Menschen auf meine Songs reagieren.
Bereits vor dem Stimmbruch ist meine Stimme meiner Primarschullehrerin aufgefallen. Da begannen meine Rockstar-Fantasien.
Für die Musik hast du einst dein Studium abgebrochen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Das Studium an der ETH ist sehr zeitintensiv. Als die Musik immer mehr Zeit in Anspruch nahm, musste ich mich entscheiden. Und ich entschied mich für den Weg, den ich als meine wahre Berufung sehe: die Musik.
Beim Hören deiner Songs sind mir zwei Dinge aufgefallen. Zuerst die kraftvolle, dunkle Stimme. Wann hast du gemerkt, dass deine Stimmfarbe auffällt und ideal zum Singen ist?
Bereits vor dem Stimmbruch ist meine Stimme meiner Primarschullehrerin aufgefallen. Da begannen meine Rockstar-Fantasien. Wie sich meine Stimme dabei entwickelt, war für mich nebensächlich. Mich faszinierte viel mehr die Idee auf der Bühne abzurocken und mich in Songs zu verwirklichen.
Wie viel Arbeit und Training steckst du in deine Stimme?
Zu wenig. Vor Studio-Aufnahmen schaue ich die Songs mit meiner Gesangs-Coachin Lily Martin an und vor Shows mache auch brav meine Gesangsübungen. Aber mittlerweile habe ich keine Zeit mehr, um regelmässig an meiner Stimme zu arbeiten.
Wir haben das Album innerhalb eines knappen Monats fertiggestellt.
Das zweite ist, dass du scheinbar ein reflektierter, nachdenklicher Mensch bist. Jedenfalls erlauben deine Texte, die auch mal Literatur als Einfluss nehmen, diesen Schluss.
Ja, mein Alltag besteht zu einem grossen Teil aus Aufgaben, die nicht viel Hirnleistung beanspruchen. In der Zeit schweife ich mit den Gedanken ab und sinniere über Gott und die Welt. Manchmal entsteht dabei eine Song-Idee.
Bist du mit einem klaren Plan an das Album herangegangen oder lässt du dich lieber fallen und schaust, wo es dich künstlerisch hintreibt?
Ich lasse mich lieber von meiner Intuition treiben. Allerdings habe ich bewusst ein paar schnelle Songs geschrieben, damit diese bei meinen Konzerten für ordentlich Party-Stimmung sorgen.
Wie lange hast du am Album gearbeitet und wie war es für dich, die Fortschritte zu sehen?
Wir haben das Album innerhalb eines knappen Monats fertiggestellt. Vergleichsweise eine sehr kurze Zeit, aber je grösser der Zeitdruck, desto eher kommen die Entscheidungen aus dem Bauch statt aus dem Kopf. Aus künstlerischer Sicht ist das gar nicht so schlecht.
Aaron Asteria - «Don’t Worship Me»
Ich würde gerne auf zwei Songs näher eingehen. «Ages of Peace» ist mir besonders aufgefallen, weil es ein ruhiger Song ist, der aber später aufbricht. Zudem hat er den Albumtitel im Text. Wie siehst du den Song?
Hätte mein Producer, Stee Gfeller, nicht die Idee gehabt, einen Rock-Teil anzuhängen, hätte ich den Song gar nicht aufs Album genommen. Jetzt ist es einer meiner Favoriten. Es geht darin um die Frage, ob es sich lohnt, für Veränderung zu kämpfen oder ob wir uns mit Arbeiten und Netflix schauen zufriedengeben sollten. Ich finde, der Song wird von Tag zu Tag relevanter.
Wieso ist gerade Zeile «No Time For Heroes» zum Titel des Albums geworden?
Weil sie eine doppelte Bedeutung hat. Bei «Ages of Peac»e ist sie ironisch gemeint und ruft dazu auf, sich aus dem Alltagstrott zu befreien und Heldentum anzustreben. Bei anderen Songs wie «Don’t Worship Me» geht es um die Gefahren von Personenkult. Zusammenfassend lautet eine Kernaussage des Albums «Verehre keine Heldenfiguren – sei selbst eine.»
Der andere Song ist «Thomasin». Als Horrorfilmfan muss ich den ansprechen. Wieso hast du hier die Hexe aus dem Film «The Witch» in den Fokus gestellt?
Ich bin auch ein Riesenhorrorfilmfan! Im Film «The Witch» verlässt «Thomasin» ihre puritanische Familie, um eine Hexe zu werden. Sie ist ein Symbol für Selbstbestimmung und ein Vorbild für mich.
Es fällt mir schwer, über ernste Themen zu sprechen, sehe es aber als meine Songwriter-Pflicht, darüber zu schreiben.
Die Lyrics bilden den emotionalen roten Faden des Albums. Mal erzählst du von Trennungen, vom Fliehen in andere Galaxien oder wie in «Insane Together» von Wahnsinn. Wo findest du die Inspiration für deine Texte?
Mindestens die Hälfte meiner Songs sind von Horrorfilmen inspiriert. Das merkt man den Songs aber nicht so stark an, da ich im unheimlichen auch immer das schöne und hoffnungsvolle sehe. Dazu kommen Bücher, Bilder und ganz normale Alltagsmomente in denen ich Elemente finde, die ich zu Songs verarbeiten möchte.
Spannend finde ich, dass es dir trotz durchaus ernster Themen gelingt, hoffnungsvoll und energetisch zu klingen. Wie bewusst arbeitest du darauf hin?
Ich kann fast nicht anders. Es fällt mir schwer, über ernste Themen zu sprechen, sehe es aber als meine Songwriter-Pflicht, darüber zu schreiben. Den Zugang zu diesen Themen finde ich mithilfe von Humor und Selbstironie. Davon habe ich viel, vielleicht nicht zuletzt wegen meiner englischen Wurzeln.
Du spielst stark mit Dynamiken. Beispielsweise im Refrain von «Love Hard», wo die Bässe im Kopfhörer schön wuchtig sind. Wie lange hat es gedauert, bis du den richtigen Mix gefunden hast?
Auch hier haben wir uns nicht viel Zeit gegeben. Wir haben alle Entscheidungen spontan gefällt und bis heute nicht bereut. Der erste Impuls ist oft der richtige.
Nach dem Release fange ich sofort an, neue Songs zu schreiben, denn nach dem Album ist vor dem Album.
Die Songs auf «No Times For Heroes» klingen sehr unterschiedlich. Wo siehst du deine Einflüsse?
Benson Boone, Lana del Rey, Lorde, Pete Doherty, Teddy Swims.
Bereits 2023 haben mir mehrere Leute gesagt, man solle ich deinen Namen merken, weil man von dir noch viel Gutes hören werde. Bekommst du solches Lob mit und falls ja, was machen Erwartungen mit dir?
Das freut mich! Ich höre auch manchmal den Satz «von dir wird man noch viel hören». Das bestärkt meinen Ehrgeiz, denn ich möchte, dass diese Menschen Recht behalten. Ich bin froh, dass meine Karriere bis jetzt ein stetiger Aufstieg war, und dass mein Debut-Album am 6. Februar erscheint. So macht es hoffentlich Spass, ein Aaron-Fan zu sein.
Was ist nach dem Release des Albums für das Jahr 2026 bei dir geplant?
Nach dem Release fange ich sofort an, neue Songs zu schreiben, denn nach dem Album ist vor dem Album. Mit den Songs «No Time for Heroes» werde ich auf Tour gehen, damit möglichst viele Menschen die Musik live hören können. Nebenbei will ich meine Online-Formate wie «Tea Time» und die «Traffic Jams» weiter ausbauen.
(Das Interview wurde schriftlich geführt)
- Aaron Asteria
- Genre: Pop, Rock, Songwriter
- Aktuelles Album: No Time For Heroes
- Info: Website von Aaron Asteria























