Von Fischen und Marionetten

Movie-Kritik: A Most Wanted Man
Bildquelle: 
Im Verleih von Ascot Elite

Keine Lust auf drei Stunden Mittelerde oder den ganzen Weihnachtsquatsch im Kino? Zollt Philip Seymour Hoffman einen letzten Tribut in seiner letzten, zugegebenermassen grossartigen Rolle in A most wanted man.

 

Eine braune Mauer. Dreckiges Abwasser schwappt in Wellen daran hoch und runter. Eingeblendet wird der Kontext in dem der Film spielen wird. Von 9/11 ist die Rede, von Attentätern, die in Hamburg unbemerkt eine der folgenreichsten Katastrophen des 21. Jahrhunderts planen konnten und von Fehlern, die nie wieder gemacht werden sollen. 

Schnitt. 

Hamburgs Hafen. Ein Mann steigt aus der Elbe. Er ist auf der Flucht.

 

 Agent Günther Bachmann hofft auf einen grossen Erfolg. 

 

Der Beginn von «A  Most Wanted Man» ist exemplarisch für den gesamten Film. Nüchtern, fast analytisch wird der Zuschauer Zeuge eines neuen Falles des Agenten Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman), der auf einen letzten Erfolg hofft. Manipulationen sind an der Tagesordnung. Mit kleinen Fischen sollen Grosse gefangen werden, wer aber hier klein und wer gross ist, das weiss zunächst niemand.

 

Dem Regisseur Anton Corbijn («The American») gelingt ein eher nüchterner Agentenfilm (nach dem Spionageroman «Marionetten » von John le Carré), der so gar nichts mit dem Glamour eines James Bond gemeinsam hat. Agenten reisen nicht (nur) um die halbe Welt um Verbrecher zu jagen, sie haben auch eine Menge Büroarbeit und diplomatische Ränkespiele vor sich.

 

 Bachmann und seine Kollegen bei einer Überwachungsaktion. 

 

«A Most Wanted Man» fährt mit einem grossartigen Cast auf. Schauspielern wie Willem Dafoe, Rachel McAdams aber auch Nina Hoss, Daniel Brühl oder Herbert Grönemeyer (der nebenbei auch die tolle Filmmusik gemacht hat) schaut man gerne zu, auch wenn sie gegen Hoffman schauspielerisch manchmal den Kürzeren ziehen. Auch könnte es sein, dass das deutschsprachige Publikum zunächst irritiert ist, all die bekannten deutschen Schauspieler (Hoss, Brühl und Co.) in eher kleinen «unwichtigen» Nebenrollen zu sehen.

 

Trotzdem lohnt sich «A Most Wanted Man». Philip Seymour Hoffman in einer letzten grossen Rolle, ein wunderbar unaufgeregtes Hamburg als Schauplatz, und eine spannende Geschichte mit viel Stoff zum Nachdenken: Was will man mehr?!

 

  • A most wanted man
  • Regie: Anton Corbijn
  • Drehbuch: Andrew Bovell
  • Darsteller: Philip Seymour Hoffman, Rachel McAdams, Grigoriy Dobrygin, Willem Dafoe, Robin Wright, Nina Hoss, Daniel Brühl, Kostja Ullmann, Herbert Grönemeyer
  • Laufzeit: 123 Minuten
  • Kinostart: 11. Dezember 2014

 

Bilder: Im Verleih von Ascot Elite

Corinna Haag / Do, 11. Dez 2014