Rau und gut

Five Finger Death Punch und Papa Roach

Der Umgangston war eher rau an jenem Donnerstagabend, und schon alleine wie oft das Wort «Motherfucker» fiel, war beinahe bemerkenswert. Aber nichts anderes erwartet man schliesslich von Bands wie Papa Roach und Five Finger Death Punch, oder auch Devil You Know, deren Frontman niemand geringeres ist als Howard Jones, der ehemalige Leadsänger von Killswitch Engage. Nun hat Devil You Know noch längst keinen so grossen Bekanntheitsgrad wie Jones‘ alte Band, und so mussten sie sich mit der Support-Rolle zufrieden geben, welche sie aber einwandfrei meisterten. Interessant war dabei besonders das Zusammenspiel von Jones‘ starkem Organ und der schönen Stimme von Bassist Ryan Wombacher.

 

Kurz vor dem Auftritt von Papa Roach war die etwas grössere Turnhalle gerammelt voll, und glücklich war, wer nichts an der Garderobe abgeben musste und eine grosse Blase hatte. Und besonders glücklich waren fast alle, als endlich die Lichter ausgingen, und Jacoby Shaddix mit seinen Kakerlaken-Männern die Bühne betrat und mit «F.E.A.R.» loslegte, dem Titelsong zum aktuellen Album. Es folgte ein Mix aus alten und neuen Stücken, und das Publikum liebte sie alle. Bereits beim dritten Song «Fear Hate Love» wurde gemosht was das Zeug hielt - auf Anweisung von Shaddix. Der Song wurde schliesslich «nur zu diesem Zweck geschrieben». Spätestens beim Oldschool-Song «Last Resort» (2000) war die Stimmung auf dem Siedepunkt, und das Publikum durchgeschwitzt und zu grossen Teilen schon etwas angeschäkert. Oder übersetzt: Erst recht bereit für Five Finger Death Punch!

 

Auch die Amerikaner boten sowohl ältere Songs als auch Stücke aus dem neuen Album «Got Your Six». Zu Beginn war die Qualität noch nicht so gut wie bei Papa Roach - bei denen es teilweise schon fast wie ab Platte klang - nach etwa zwei Songs wurde es aber besser, oder die Ohren gewöhnten sich schlicht an den dumpfen, basslastigen Klang. Sänger Ivan Moody schaffte es sogar, das wilde Publikum zu den akustisch dargebotenen Songs «Wrong Side of Heaven» und «Battle Born» etwas ruhiger werden zu lassen. Am meisten freuten sich die Besucher aber doch über die harten Sachen, besonders als sie «Burn MF» - da ist es wieder, das böse Wort - mitgrölen durften. 

 

Zum Schluss wurde wie immer das Cover «House of the Rising Sun» eingespielt…und wie immer leider nur ab Playback. Trotzdem, das Publikum war zufrieden - ihnen wurden an diesem Abend gleich drei grossartige Live-Bands geboten, die geradezu prädestiniert dafür waren, dazu mal wieder die Sau rauslassen zu dürfen.

 

Five Finger Death Punch und Papa Roach sind super Live-Bands, und das haben sie auch in Winterthur gezeigt. Mit Devil You Know haben sie zudem den richtigen Riecher für Support-Acts bewiesen. 

 

Seraina Schöpfer / Sa, 21. Nov 2015