Max Herre hält sein Versprechen

Konzertkritik: Max Herre im Komplex
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Universalmusic

Es ist der letzte Tourtag. Das Komplex ist sehr voll und wirkt chaotisch. Der Balkon ist dicht. „Zuerst müssten zehn Leute runterkommen“, erklärt einer der Security. Also bleibe ich unten und auch auf der Konzertfläche stehen die Leute dicht an dicht. Auf der Bühne ist nichts zu sehen. Nur ein Gartenhäuschen steht einsam neben Musikequipement, das verrät, dass hier gleich ein Konzert stattfinden soll. Plötzlich leuchtet ein «On Air»-Schild am Gartenhäuschen auf, ein Dach wird nach oben geklappt und gibt den Blick auf einen DJ frei. 

 

Erste Beats dröhnen bereits aus der Boxenanlage, als sich die Bühne langsam füllt. Zuletzt betritt der deutsche Sänger Max Herre die Szenerie und gibt den Leuten im Komplex, was sie wollen. In Jeans, blauem Hemd und weissem Shirt sowie einer braunen Mütze auf dem Kopf wirkt er locker und leger. Leider ist der Soundmix alles andere als ebenbürtig. Ein katastrophaler Brei erfüllt den Komplex. Anfangs ist Herre kaum zu verstehen, die Instrumente nicht auszumachen, da die Bässe alles überdecken. 

 

«Esperanto» ist der erste Höhepunkt

 

Doch davon lässt sich ein Max Herre nicht stören. Er strahlt. Vor Freude. Gleichzeitig besitzt der gebürtige Stuttgarter eine extrem einnehmende Bühnenpräsenz. Ihm frisst das Publikum schon nach wenigen Tönen aus der Hand. Und Hände sind auch in der Höhe, segeln rauf und runter, wippen im Takt der Musik. Schon früh im Set sorgt «Esperanto» für einen ersten Höhepunkt. 

 

Max Herre hat mit der neuen Platte «Hallo Welt!» ein Versprechen gegeben. Back to the Roots ging er mit dem Longplayer, wieder mehr in Richtung Hip Hop und näher zu Freundeskreis. Zumindest mit dem Konzert im Komplex hält er Wort. Die Tendenz ist klar beim Hip Hop und viele Klassiker fehlen nicht. Trotzdem wäre Max nicht der Musiker, der er ist, wenn nicht hin und wieder Anleihen bei anderen Stilen zu hören wären. Mal etwas Reggae und hin und wieder viel Soul. «Wenn der Vorhang fällt» oder «A-N-N-A» sind die grössten Stimmungsmacher im Set, aber auch das abschliessende Cover von Billy Prestons «You Are So Beautiful» sorgt für gute Stimmung und erweist sich als sensibler Abschluss für ein Konzert, das soundtechnisch nicht zu überzeugen vermag, dafür mit einer sehr sympathischen Band aufwerten kann. 

Patrick Holenstein / Mi, 31. Okt 2012