Eine Maschine, die läuft und läuft...

Konzertkritik: Franz Ferdinand
Bildquelle: 
Bäckstage

Schon beim Support Crimer stellte man an diesem Abend erfreut fest: Der Soundtechniker schien die schwierige Halle 622 in Zürich Oerlikon einigermassen im Griff zu haben. Ab und zu schepperte und dröhnte es zwar wie gewohnt aus den Boxen, aber im Grossen und Ganzen war der Sound tatsächlich ok bis gut abgemischt. Somit konnte man sich dem jungen Sänger Crimer entspannt widmen und sich selber ein Bild davon machen, was an dem Hype um diesen neu gefeierten Schweizer Popstar wirklich dran ist.

 

Synthie-Pop aus den 80ern

 

Synthie-Pop aus den 80ern ist ganz klar sein grosses Ding und darin geht er auch komplett auf. Auf der Bühne tanzte Crimer wild fuchtelnd zu seinen Songs, was einen unweigerlich an den Stil von Ian Curtis (Sänger von Joy Division) erinnerte, aber man konnte es ihm nicht übel nehmen. Die Songs seines neu erschienenen Albums «Leave me Baby» drangen live sofort durch Mark und Bein und man wippte genüsslich zu den Synthie-Hymnen mit und wünschte sich insgeheim, genau so hemmungslos tanzen zu können. Bald war man sich auch darüber im Klaren, dass der Hype um Crimer nicht nur ein gewonnener Ruf ohne Rückhalt ist, sondern dass der junge Sänger tatsächlich zurecht angehimmelt wird. Das abwechslungsreiche Set sowie ein absolut überzeugender Frontmann sorgten für einen gelungenen Start in den Konzertabend und die halbe Stunde Spielzeit war eindeutig zu kurz angesiedelt.

 

Fotos: Bäckstage

 

Bei Franz Ferdinand ist momentan einiges neu: Zwei Bandmitglieder, das neue Album, eine leicht differenzierte Ausrichtung des Stils und die Frisur von Frontmann Alex Kapranos. Nach einigen Jahren Sendepause und dem Ausstieg von Gitarrist und Songschreiber Nicholas McCarthy 2016 musste auch gezwungenermassen eine Veränderung her, ansonsten hätte es wohl das Aus dieser ehemals hochgelobten Britpop-Band bedeutet. In den Nullerjahren waren Franz Ferdinand absolute Vorreiter auf ihrem Gebiet und traten mit viel Ehrgeiz und Selbstvertrauen in die Fusstapfen der ganz Grossen am Musikolymp – jedoch verschwanden sie in den letzten paar Jahren zusehends von der Bildfläche. Nun sind sie mit Pauken und Trompeten wieder zurück und knüpfen an den Erfolg von damals trotz allem scheinbar mühelos an.

 

Das zahlreich erschienene Publikum, welches mit der Band gemeinsam älter geworden ist, reagierte mit Wohlwollen auf die Jungs aus Glasgow, die sich so viele Jahre rar gemacht haben. Es wurde in der ersten Hallenhälfte fröhlich mitgetanzt, die bekannten Refrains und Songzeilen wurden lauthals mitgesungen und ab und zu wurden sogar in nostalgischer Manier Feuerzeuge gezückt (ja, Feuerzeuge, keine Handylampen!). Also insgesamt eine gute Stimmung im Publikum, aber nichts Überraschendes, denn auch von Franz Ferdinand erlebte man an diesem Abend nichts Aussergewöhnliches. Die Show wirkte reif, routiniert und angenehm unaufdringlich, die Anweisungen und Interaktionen von Kapranos an das Publikum waren gezielt platziert und enthielten die gewohnten Anheizer-Sätze. Die Videoshow, die im Hintergrund der Band auf einer grossen Leinwand ablief, war unterhaltsam und optisch perfekt auf das Treiben auf der Bühne abgestimmt. Franz Ferdinand sind einen sichere Nummer für ihre Fans, und das zeigten sie an diesem Abend auch einmal mehr, als wären sie nie weg gewesen. Soweit so gut, soweit so gewöhnlich.

 

die Stimmung kochte noch einmal richtig hoch.

 

Wirklich interessant war aber vor allem die Zusammenstellung des Sets. Nicht nur, dass sie beinahe das ganze neue Album «Always Ascending» performten, es enthielt auch schon im Hauptblock grosszügig verteilt alle ihre grössten Hits. Diese kamen erstaunlicherweise zwar gut im Publikum an, jedoch blieb die grosse Ekstase und Partystimmung fühlbar aus. Vielleicht, weil die Songs gegen Ende des Sets oder als Zugabe erwartet wurden und diese Tatsache die Zuschauer mächtig zu irritieren vermochte? Die Songs im Zugabenblock erwiesen sich dann jedoch als richtige Wahl: Die Band schien plötzlich gelöst, die Stimmung kochte noch einmal richtig hoch und zum grossen Finale brodelte es regelrecht in der Halle.

 

Somit ein gelungenes Comeback von Franz Ferdinand und eine Bestätigung dafür, dass die Maschine weiterhin läuft und läuft …

 

Natascha Kiefer / Di, 13. Mär 2018