Manon: «Oft schreibe ich in der Küche»

Interview mit Manon
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Bäckstage / Archiv

Die Zürcher Songwriterin Manon hat am 25. Oktober ihr neues Album «Streams» veröffentlicht. An einem sonnigen Nachmittag im Oktober treffen wir sie in einem Zürcher Lokal zum Gespräch. Konzentriert erzählt sie von Feedbacks zu ihrer Musik, vom neuen Album, wir reisen nach Island, in Manons Küche und zurück in ihre Kindheit. Wir sprechen über Einflüsse, die Natur und den Entscheid für Vinyl und über die kommende Tour. Manon wirkt konzentriert und ihre Antworten nie einstudiert, sondern authentisch. Dabei leuchten ihre Augen, wenn sie über Musik spricht, und die Leidenschaft dafür wird deutlich.

 

In diesen Tagen erscheint dein Album «Streams». Was geht in dir vor, jetzt wo das Album veröffentlicht wird?

 

Es ist schon ein spezielles Gefühl. Das Album ist zwar schon eine Weile fertig und ich freue mich mega darauf, wenn ich endlich das fertige Gesamtpaket mit der Welt teilen kann. Aber es ist speziell, dass es nach so langer Arbeit am Album, in der es etwas unser Baby geworden ist, jetzt plötzlich veröffentlicht ist. Ich glaube, der 25. Oktober wird ein besonderer Tag für mich, mit vielen gemischten, komischen Gefühlen. Manchmal falle ich für einen kurzen Moment in eine Art Loch, wenn ein Projekt beendet ist und sich abschliesst. Auf der anderen Seite freue ich mich, auch jetzt schon, wenn ich wieder etwas Neues anfangen kann. Jetzt bin ich noch total fokussiert auf «Streams» und kann mich nicht parallel auf etwas anderes konzentrieren. Ich freue mich darauf, wenn es um folgende Fragen geht «Was machen wir als Nächstes?» oder «Wie geht es weiter?». Ich habe bereits einige total unkonkrete Vorstellungen, bin aber sehr motiviert, mit etwas Neuem anzufangen.

 

Wie lange arbeitest du an einem Song, bis du zufrieden bist?

 

Gar nicht so lange. Ich bin jemand, der schnell komponiert und Songs schnell fertig hat. Das Arrangieren dauert bei mir dafür etwas länger, bis ich herausgetüftelt habe, wie ich die Instrumente gesetzt haben möchte oder welche Sounds passen. Dafür brauche ich mehr Zeit. Im Studio ist der Prozess oft schon relativ schnell. Ich schätze, einen Song habe ich meistens in 1 bis 2 Tagen fertig, also den groben Song. Die Idee zu einem Song ist bei mir ebenfalls schon früh fertig. Ich bin keine, die stundenlang an etwas bastelt, sondern jemand, der eher schnell eine Vision hat. Dan setze ich mich hin und versuche, diese bewusst umzusetzen. Darum geht es bei mir zügig. Ich kenne Leute, die so zwei Jahre an einem Song schrauben und sich ausprobieren. Das ist natürlich auch eine Möglichkeit, aber ich bringe es lieber direkt auf den Punkt.

 

Dann machst du quasi vom Komponieren bis zu den fertigen Arrangements alles selbst?

 

Ich mache möglichst viel selbst. Trotzdem versuche ich aber, offen zu sein. Im Studio hatte ich beispielweise einen lässigen Produzenten, Francesco Fabris, und er hat einige Inputs gebracht. Gerade was rhythmische Elemente angeht, hatte er viele Ideen. Da probiere ich dann, nicht zu verbissen auf meine fertigen Songs zu sein und Anregungen aufzunehmen. Ich versuche, möglichst viel schon fertig zu haben, und die Vision muss klar sein. Trotzdem möchte ich offen genug für neue Inputs sein. Alles andere wäre schade. Wir hatten im Studio beispielweise eine tolle Kontrabassistin und sie hatte super Ideen, weil sie ihr Instrument besser kennt und so Inputs für das Arrangement geben konnte, die mir als Pianistin gar nicht in den Sinn kämen. Von daher bin ich dankbar und offen für weitere Inputs.

 

Woher nimmst du deine ersten Ideen, wenn du einen Song anfängst?

 

Ich versuche immer, zuerst den Text zu schreiben. Dazu inspiriert mich in erster Linie mein Umfeld. Was ich gerade beobachte oder was ich selber empfinde. Aber die Umwelt spielt eine Rolle. Es gibt viele Umweltelemente, die mir sehr wichtig sind, da ich eine naturverbundene Person bin. Die Weite ist mir allgemein sehr wichtig. Wenn ich beispielsweise ein Lied schreibe, muss ich das irgendwo tun, wo es viel Tageslicht und hohe Fenster gibt. Ich brauche Weite und Raum dazu. Dann habe ich den Text und plötzlich passiert es sehr schnell, dass der Song fertig ist, wenn die Lyrics stehen und ich eine klare Vision habe.

 

Wenn du sagst, dass du beim Schreiben Tageslicht gerne hast, gibt es Orte, wo du bevorzugt schreibst?

 

Oft schreibe ich in der Küche. Wenn ich weiss, dass ein Album beendet werden muss oder noch nicht alle Songs fertig sind, zügle ich das Klavier in die Küche und das wird dann für ein paar Wochen mein neuer Arbeitsplatz. Dort gibt es die grössten Fenster und zusätzlich eine Art Küchenbalkon und sehr viel Licht, sehr viel Raum und hohe Decken. Also stelle ich mein Klavier rein und komponiere meistens dort. Ich hätte sogar ein Atelier, das ich konstant nutzen könnte, um zu schreiben, komponieren oder unterrichten, aber es hat kein Licht. Oder kein schönes Licht. Nur Neonröhren und deshalb bin ich nicht lange dort, wenn es um das kreative Schaffen geht. Auch in meinem Schlafzimmer, wo eigentlich das Klavier steht, bin ich viel am Arbeiten. Aber wenn es darum geht, unter Zeitdruck Sachen schön zu beenden, lande ich immer in der Küche. Es ist mehr Arbeitsort als Küche für mich.

 

 

Ich war immer sehr selbstkritisch und habe gemerkt, dass ich so nicht vorwärtskomme und einfach mal zufrieden sein sollte damit, wie ich bin und was ich bin. Man hat mir beispielweise früher oft gesagt, dass ich eine zu feine Stimme hätte, zu leise sei und mehr Power kommen müsse. 

 

 

Und dann bist du nach Island, um das Album zu produzieren. Wieso Island?

 

Ich war 2012 das erste Mal in Island, weil ich gemerkt habe, dass aus dieser Ecke der Welt so viel unglaublich gute Musik im Kosmos verbreitet wird. Die Liste ist lange und es stehen berühmte Namen wie Björk oder Sigur Rós drauf, aber auch kleinere Bands wie Sóley, die man zu der Zeit noch nicht so kannte. Und ich wollte sehen, wieso von diesem einen Ort so viel gute Musik kommt. Also war ich dort und habe megaschnell gemerkt, dass Island so viel zu bieten hat. Nur schon die Natur selbst. Alles ist unglaublich echt und ursprünglich, irgendwie sehr hart. Ich nehme dort den Wind und den Regen intensiver wahr als hier. Das ist noch speziell. Es ist alles sehr klar. Für das neue Album wusste ich irgendwie, dass ich nicht in meinem gewohnten Umfeld ein Album machen, sondern unbedingt etwas Neues probieren wollte. So war der Weg bis zur Entscheidung für Island nicht mehr weit, weil es viele gute Studios hat, Topmusiker und wunderbare Produzenten und es ist ein Kraftort, der mir ganz viel Power gibt und wo ich mich sehr schnell erholen kann. Gleichzeitig ist es ein Ruheort. Island erlaubt viel Platz für meine Gedanken, um ruhig und fokussiert zu arbeiten. Eigentlich ist es ein Gegensatz zwischen Kraftort und Ruhepol gleichzeitig, aber genau das ist Island für mich. Zudem wollte ich einen neuen Weg gehen, neue Musiker zum Arbeiten treffen und neue Sounds, neue Klänge probieren.

 

Das merkt man dem Album an. Es klingt nach weiten Landschaften, es werden die Kanäle genutzt, damit um den Hörer herum Welten aufgebaut werden.

 

Die Weite ist mir extrem wichtig und in Island hast du das. In Reykjavík sind viele Touristen und dort läuft unglaublich viel. Aber fährst du mit dem Auto zehn Minuten aus der Stadt raus, bist du alleine und hast sehr viel Platz und die schönsten Naturbilder. So bist du sehr intensiv bei dir selbst, weil alles so ursprünglich und einfach ist, es ist sehr karg. An solchen Orten hast du Platz und Weite und das ist mir in der Musik extrem wichtig, damit sie sich öffnet. Vielleicht kann ich deshalb so gut in der Küche arbeiten, weil diese offen ist. Diesen Raum, den ich brauche, finde ich in Island. Der ist aber auch im Studio. Das war ein riesiger Raum, mehr wie ein Wohnzimmer als ein Studio. Diesen Platz gibt dir Island, wenn du ihn suchst.

 

Das passt zum Eindruck, dass du in der Musik eine positive Melancholie hast. Also nicht düster, sondern voller Hoffnung.

 

Für mich war das Gefühl der Hoffnung sehr wichtig für das Album. Hoffnung kommt oftmals verbunden mit Melancholie, weil man noch nicht dort ist, wo man gerne wäre, und doch schon dorthin schaut. Zum Teil ist Frustration mit im Ganzen, aber wenn man Hoffnung hat, ist man trotzdem positiv gestellt innerhalb des melancholischen Gefühls. Melancholie ist sicher etwas, was das Album von den Emotionen her prägt und sich wie ein roter Faden durch das Ganze durchzieht. Aber wie du sagst, ich wollte nicht einfach nur traurige Balladen schreiben, sondern es ist immer ein positiver Ansatz da. Es ist traurig, aber gleichzeitig nicht nur melancholisch und dunkel, sondern es ist ebenfalls etwas Hoffnungsvolles und Leichtes und Helles drin. Diese Kontraste waren mir wichtig.

 

Du traust dich, von den Hörern etwas zu erwarten. Du machst keinen leichten Pop, man muss sich schon mit deinen Songs bewusst beschäftigen.

 

Man muss sich damit auseinandersetzen, das stimmt. Ich bekomme immer wieder Rückmeldungen, es sei langweilig und sehr ruhig. Ich schlage dann vor, etwas länger reinzuhören und sich darauf zu fokussieren, was alles passiert in den Sounds und Klängen. Ich glaube, wenn sich die Leute Zeit nehmen, um sich damit auseinanderzusetzen, dann verstehen sie es. Aber ich wollte auch nie Musik machen, die für jeden sofort zugänglich ist. Ich finde schön, wenn sich die Leute etwas damit beschäftigen müssen. Und die Musikliebhaber sind oft automatisch in der Auseinandersetzung und lassen sich in die Musik sinken. Die verstehen das schnell. Für sie ist es wahrscheinlich einfacher, als für den Konsumenten, der Musik nur so nebenbei hört.

 

Und doch hast du mit «Girls» eine Single auf dem Album, die durchaus radiotauglich ist.

 

Es ist der naivste Song, finde ich.

 

Von der Produktion, der Melodie und deinem Gesang her finde ich ihn nicht naiv.

 

Es ist aber schon fast ein klassischer Popsong. Er hat insgesamt vier verschiedene Akkorde, was für ein Nischenprojekt eher untypisch ist. Er ist sehr kurz und hat bei einigen Radiostationen Anklang gefunden. Das war aber gar nie das Ziel. Auf die Radios habe ich mich nie fokussiert, weil klar war, dass hier zwei Welten sind, die nicht immer perfekt zusammenpassen. Mir war dabei die lustige Geschichte aus der Kindheit wichtiger. Eigentlich schreibe ich nicht gerne Songs, die klassisch eine Geschichte erzählen, aber hier fand ich es spannend. Als ich mit dem Song angefangen habe, hatte ich etwas Mühe, weil er mir zu einfach erschien, zu plump oder eben naiv und irgendwie habe ich ihn inzwischen gern bekommen. Er ist eine schöne, leichte Ergänzung zu den anderen Songs. Gerade nach «Counterpoint» und «Streams», die etwas schwer sein können, finde ich «Girls» eine leichte Kost.

 

Deine Stimme im Refrain macht ihn eingängig und einen guten Popsong zu schreiben, ist gar nicht so leicht.

 

Überhaupt nicht und vor allem nicht ein gutes Popalbum. Einen guten Song kann man schon hinbekommen, aber vor einem guten Popalbum habe ich unglaublich Respekt.

 

Was sagt deine Schwester zum Song? Sie spielt ja einen wichtigen Teil in der Geschichte.

 

Es ist lustig, denn für uns beide ist klar, dass sie damals die Anzünderin gewesen war, aber sie gibt es bis heute nicht zu. Sie findet es lustig. Aber Peter, der in der Geschichte das Opfer ist, war total erschrocken als ich ihm «Girls» geschickt habe. Der Song war zu jenem Zeitpunkt noch nicht raus, aber schon produziert. So konnten wir trotzdem noch etwas Positives aus der Geschichte ziehen. Aber meine Schwester war gerührt.

 

Manon - «Girls»

 

 

Die Platte wird «nur» auf Vinyl und als Download veröffentlicht. Wieso das?

 

Ich habe mit CD-Verkäufen etwas zu wenig Erfahrung, aber der Hauptgrund war schon das Finanzielle. Es ist sehr teuer, die Vinylplatten zu produzieren und dann zusätzlich noch CDs, und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass es Musikliebhaber gibt, die gerne bereit sind, für eine Platte etwas mehr Geld zu investieren, und sich darüber freuen, diese dann aufzustellen. Dann gibt es andere, die vielleicht nicht bereit sind, so viel Geld für eine CD auszugeben und für diese gibt es das Album digital. Wir werden sehr wahrscheinlich noch weitere, kleine Merchandise-Produkte anbieten, aber die sind noch nicht ganz fertig. Vielleicht geht es auch schief, aber ich züchte selbst kleine Kristalle, die wir dann mit Downloadcodes anbieten möchten. Das wäre dann für jene Konsumenten, die nicht ganz so viel Geld ausgeben möchten, aber doch gern etwas in der Hand haben. Ich habe aber auch das Gefühl, dass das CD-Format nicht mehr so gefragt ist.

 

Solche Trends kann man sowieso kaum aufhalten.

 

Genau. Zudem ist Vinyl wieder im Auftrieb, obwohl ich nicht weiss, ob sich dieser Trend bereits wieder am Verabschieden ist. Vielleicht bin ich etwas zu spät.

 

Es gibt wahrscheinlich eine Gruppe von Menschen, die sich bewusst für Vinyl entschieden haben.

 

Genau. CDs sind halt toll zum Verschenken, aber dafür gibt es heute Codes. Das geht so schnell über Links. Ich hätte das Album schon gerne auf CD, da es ein schönes Format ist, gerade für Verkäufe bei Konzerten. Wir werden sehen, wie es mit den Vinylplatten läuft und ob die Leute 25.– oder so für eine Platte bezahlen.

 

Ich glaube, der Preis ist nicht das Problem, aber bei Vinyl musst du bewusst die Geräte dazu kaufen.

 

Da sind wir wieder bei den Musikliebhabern, die sich bewusst dafür entscheiden und Vinyl zu schätzen wissen. Vielleicht habe ich ja Glück und gewinne bei Euromillions, dann gibt es auch noch CDs (lacht).

 

Du gibst zusätzlich Gesangsunterricht. In dem Zusammenhang habe ich ein interessantes Zitat gelesen, man soll «die Stimme so nehmen, wie sie ist». Wie ist das gemeint?

 

Oft wollen Schüler wie jemand Bestimmtes klingen. Wenn sie kommen und wie Christina Aguilera oder so klingen wollen. Dann versuche ich zu zeigen, dass es sinnvoller ist, mit der Stimme zu arbeiten, wie sie gerade ist. Jede Stimme ist einzigartig und unveränderbar. Zwar kann man mit verschiedenen Stimmfarben und Sounds arbeiten, aber deine Stimme ist die Ausgangslage und wird nie wie eine Christina Aguilera oder Shakira klingen, weil sie das gar nicht soll. Jeder hat seine Stimme und wenn du auf dieser aufbaust und von dort aus arbeitest, was viel mit Akzeptanz zu tun hat, dann ist der Arbeitsweg viel positiver, du kommst schneller vorwärts und es macht mehr Freude, sonst bist du oft frustriert, weil es noch nicht klingt wie das Vorbild.

 

Wie bist du zu dem Punkt gekommen, dass du deine Stimme akzeptiert hast?

 

Ich war immer sehr selbstkritisch und habe gemerkt, dass ich so nicht vorwärtskomme und einfach mal zufrieden sein sollte damit, wie ich bin und was ich bin. Man hat mir beispielweise früher oft gesagt, dass ich eine zu feine Stimme hätte, zu leise sei und mehr Power kommen müsse. Irgendwann habe ich entschieden, dass ich auf diese Einstellung keine Lust mehr habe und es keine Freude mehr macht, weil immer alle falsch und schlecht war. Ich hatte keine Freude mehr am Singen. So habe ich gemerkt, dass es gar kein Ideal gibt und ich das eigene Ideal bin und mich nur an dem messen sollte. Also habe ich angefangen, meine Stimme so zu akzeptieren, wie sie ist, und habe so erst angefangen, die Stärken zu erkennen. Dass es nämlich auch schön sein kann, wenn man eine sensible, zerbrechliche Stimme hat. Die ganzen Feinheiten kommen so zur Geltung. Und ich muss gar nicht alles können.

 

Hat dir das Studium bei diesem Weg geholfen?

 

Ja, definitiv. Ich hatte einen Dozenten, der mir sehr viel Platz gelassen hat und nicht versucht hat, mich in den Jazz zu treiben. Ich habe Jazz studiert, hatte aber mega viele Möglichkeiten, um meinen Sound zu finden. Natürlich schon mit dem Gedanken «wer bin ich?», dass ich authentisch klinge und mich damit identifizieren kann. Das war für mich eine grosse Hilfe. Der Vorteil war natürlich, dass ich viel Zeit hatte. Wenn ich nebenbei gesungen und etwas ganz anderes gemacht hätte, dann wäre es vielleicht auch untergegangen. So hatte ich den Raum, den ich brauchte und habe gemerkt, dass ich etwas Eigenes machen muss. Ich wollte etwas machen, was sich nach mir anfühlt und für das ich nichts kreieren muss. Es muss von mir kommen und völlig ehrlich sein.

 

Hilft es dir heute beim Schreiben, dass du diesen Platz bekommen hast? Du sagst ja, dass du sehr gut auf eine Idee fokussieren kannst.

 

Ich glaube, es geht genau darum, dass ich eine klare Vision habe. Und weil ich diesen Platz hatte, etwas kitschig gesagt, weiss ich relativ schnell, wie das Endergebnis klingen soll und deshalb komponiere ich so schnell. Weil ich weiss, wo ich hinwill. Ich muss nicht mehr stundenlang probieren, was zu mir passt, sondern weiss es recht schnell. Auch beim Musikhören weiss ich nach kurzer Zeit, ob mir ein Song gut gefällt oder eher nicht. Ich glaube, es ist ein Bewusstsein für meinen Geschmack und meinen Stil, dafür, wer ich sein will und was mir gefällt oder eben nicht. Die Ausbildung hat mir da sehr geholfen und ich bin froh darum, so muss ich nicht zwei Stunden oder so an einem Takt feilen.

 

Wann war für dich klar, dass du voll auf die Musik setzt?

 

Tatsächlich sehr früh, sogar extrem früh. Als Kind wollte ich immer Popstar werden; der absolute Klassiker. So mit sechs, aber noch nicht ernst gemeint und direkt nach dem Wunsch eine Prinzessin zu sein. In der Sekundarschule war schnell das Thema, was ich später machen will und ich habe mich nur für die Musik interessiert und konnte den Fokus darauf legen. So habe ich die Aufnahmeprüfung bestanden und ein Vollzeitstudium absolviert. Von daher war es früh klar. Aber schon als Teenager, mit zwölf oder dreizehn, war ich immer in Workshops oder Ensembles. Von daher war der Fokus eigentlich noch nie nicht auf der Musik. Für mich war selbstverständlich, dass ich etwas in dem Bereich machen muss. Heute gibt es ganz viele andere Sachen, die mich auch interessieren würden. Aber als Sechzehnjährige war alles andere superdoof. So war immer klar, ich muss Musik machen.

 

Die Entscheidung war offenbar gut. Demnächst startet die Tour. Was darf man erwarten? Bist du solo unterwegs oder mit Band?

 

Vor allem im Trio, mit einer Cellistin und einem Gitarristen und ich spiele Klavier, mache Samples und Sounds. Was mir bei diesem Album ganz wichtig war, ist die Balance zwischen akustischen und klassischen Elementen. Im Studio hatten wir die grossartige Kontrabassistin Bára Gísladóttir und jetzt auf Tour die Cellistin. Es ist einfach ein toller Kontrast zwischen elektronischen Elementen und den klassischen und akustischen. Weil ich nie Electronica machen wollte, sondern sehr verbunden bin mit den akustischen Klängen. Für mich gibt es keinen schöneren Klang, als der eines Flügels. Oder ein Cello, ein Kontrabass. Alles Elektronische sollte nur Ergänzung sein. Diese Balance findet man sehr schön. Ich denke, es wird sehr authentisch, sehr intim, gerade bei den kleinen Konzerten, die wir selbst veranstalten, wird die Nähe zum Publikum sehr gross sein.

 

Manon - «Streams»

 

 

* Das Album «Streams» ist ab sofort im Handel erhältlich

* Tourdaten und Infos über Manon

 

 

Bäckstage Redaktion / Fr, 25. Okt 2019