Die Doppelgänger sind da!

Filmkritik: Us
Bildquelle: 
Universal Pictures

 

Adelaide Wilson (Lupita Nyong’o) und ihr Ehemann (Winston Duke) wollen eigentlich einen ruhigen Urlaub in ihrem Ferienhaus verbringen. Einige entspannte Tage am Strand mit ihren Freunden sind geplant. Dieser Urlaub wird jäh unterbrochen, als an einem Abend plötzlich eine fremde Familie in ihrer Einfahrt steht. Diese Familie sieht nämlich genauso aus wie die Adelaides.

 

Die obenstehende Inhaltsangabe zum neuen Film von Jordan Peele ist kurz, der Trailer zeigt ebenfalls praktisch ausschliesslich Bilder und Szenen aus dem ersten Akt. Mit gutem Grund: Us ist eine geheimnisumwobene Produktion und mehr von der Geschichte zu verraten, wäre schade. Jordan Peele hat nach Abschluss seiner sehr beliebten Comedy-Serie Key & Peele mit Schauspielkollege Keegan-Michael Key 2017 mit Get Out einen Überraschungshit gelandet. Der Horror-Film mit Daniel Kaluuya brachte Peele letztes Jahr den Oscar für das beste Drehbuch. Diese Auszeichnung erhielt der 40-jährige Afro-Amerikaner für ein Skript, das auf clevere Weise in unterhaltsamen und lustigen Szenarien – und immer wieder auch auf unheimliche Art – die gespaltene Gesellschaft der USA kritisiert.

 

Us ist vieles von dem, was Get Out auch war: Immer wieder lustig, immer wieder kritisch. Winston Duke überzeugt völlig als unterhaltsame, aber besorgte Vaterfigur. Dieser Film ist aber unheimlicher ist als sein Vorgänger. Das ist vor allem Lupita Nyong’o zu verdanken, welche die verängstigte Protagonistin genau so bestimmt spielt wie die gefährliche Antagonistin, Adelaides Doppelgängerin. Während die Performance beider Figuren immer wieder etwas übertrieben wirkt, ist sie dennoch sehr beeindruckend und im Kontext der gesamten Geschichte durchaus berechtigt.

 

Allerdings fehlt Us besonders in der zweiten Hälfte etwas Leichtigkeit und dem Schwung. Peeles neuer Film zieht sich in die Länge, da zwischendrin wenig in der Handlung vorangeht. Das erhöhte Budget, das Jordan Peele aufgrund des Geldes, das Get Out eingespielt hat, für den neuen Film erhielt, ist sichtbar: Der Massstab des Plots hat sich vergrössert, es ist erkennbar, dass die Sets und die Kameraeinstellungen mit viel Sorgfalt konzipiert wurden. Hinzu kommt, dass Peele die Handlung besonders im ersten Akt an für Gruselfilme ungewöhnliche Orte – beispielsweise ein Strand am hellichten Tage – verlegt. Es ist auch schön, zu sehen, dass der Regisseur weiterhin viel Wert auf die Leistungen seiner Schauspieler und mehrheitlich subtilen Symbolismus legt. Ausserdem muss die hervorragende Filmmusik gelobt werden. Michael Abels Partitur ist unheimlich, spannend und immer wieder von melancholischen Melodien durchzogen. Einzig einige der moderneren Elemente in der Musik im dritten Akt sind etwas überspitzt.

 

 

Ein weiterer interessanter Horrorfilm von Jordan Peele. Man darf weiterhin gespannt sein, was der Regisseur als nächstes angeht.

US (2019)

Regie & Drehbuch: Jordan Peele

Beetzung: Lupita Nyong’o, Winston Duke, Elisabeth Moss, Tim Heidecker

Dauer: 116 Minuten

Jetzt im Kino

Jonas Stetter / Mi, 27. Mär 2019